Flucht vor den Flammen: Evakuierung wegen Waldbrands

19.06.2022 Hunderte Feuerwehrleute und Bundeswehrsoldaten kämpfen am Boden und aus der Luft gegen lodernde Feuer im trockenen Kiefernwald: Ein Schreckensszenario, das Treuenbrietzen nicht zum ersten Mal erlebt. Und gerade dort lauert besondere Gefahr.

Feuerwehrleute stehen zusammen, um den Einsatz zu besprechen. © David Inderlied/dpa/Symbolbild

Dunkle Schwaden über dem Wald, beißender Rauch in der Luft, ein dramatischer Kampf gegen die Flammen: Hunderte Menschen haben sich am Wochenende vor einem Waldbrand bei Treuenbrietzen in Brandenburg in Sicherheit bringen müssen. Seit Freitag kämpften Feuerwehr und Bundeswehr am Boden und mit Löschhubschraubern gegen das Feuer - doch wechselnder Wind fachte es bei großer Hitze und Trockenheit wieder an. Die Lage spitze sich dramatisch zu, sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Sonntag. Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) informierte sich vor Ort.

Zugleich kam am Sonntag eine weitere Hiobsbotschaft aus demselben Landkreis Potsdam-Mittelmark: Ein weiterer Waldbrand brach bei Beelitz-Heilstätten aus, etwa 20 Kilometer entfernt. Das Feuer sei außer Kontrolle, womöglich drohe eine Evakuierung von Beelitz, sagte Bürgermeister Bernhard Knuth der Deutschen Presse-Agentur. Das Feuer stehe eineinhalb Kilometer vor der Stadt.

Bei Treuenbrietzen - etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin und 40 Kilometer von Potsdam entfernt - war der Brand am Freitag in einem Kiefernwaldstück auf 60 Hektar ausgebrochen. Noch am Samstag schien sich die Lage zu stabilisieren: Die Flammen wurden bis auf 40 Hektar eingedämmt. Doch in der Nacht zum Sonntag war dann die Rede von rund 100 Hektar Brandfläche, am Sonntag waren es bereits 200 Hektar. Das entspricht etwa 280 Fußballfeldern. 2018 hatte es in der gleichen Gegend einen Waldbrand auf 400 Hektar gegeben.

Die Lage war also zunächst weniger schlimm als damals, doch sahen sich die Behörden erneut gezwungen, mehrere Ortsteile von Treuenbrietzen mit insgesamt 620 Bewohnern zur Sicherheit zu räumen. Dazu zählten Frohnsdorf, Tiefenbrunnen und Klausdorf. Die Stadthalle in Treuenbrietzen diente den betroffenen Menschen als Notunterkunft. Viele kamen aber bei Freunden oder Verwandten unter.

Die Menschen verließen ihre Häuser unaufgeregt, zügig und ohne Stress, mit Koffern und Taschen, mit Hunden und Katzen, wie die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, sagte. «Sie wissen ja wie es läuft, viele waren 2018 beim großen Waldbrand schon einmal in der Situation.» Einige Bewohner stellten den Einsatzkräften ihre privaten Pools zur Verfügung: Mit Fahrzeugen wurde das Wasser abgepumpt und zum Löschen des Waldbrandes eingesetzt.

Die Stadt Treuenbrietzen mit insgesamt 7500 Einwohnern hat etwa ein Dutzend Ortsteile. Insgesamt breitet sie sich über eine Fläche von mehr als 200 Quadratkilometer aus. Zum Vergleich: Berlin hat knapp 900 Quadratkilometer. Der Brand, so dramatisch er war, bedrohte also nicht die gesamte Stadt.

Die Ortsmitte war am Sonntagnachmittag fast menschenleer, wie ein dpa-Reporter berichtete. In der Luft lag ein leichter Schmorgeruch. Am Kreisverkehr an der B102 war eine Polizeisperre aufgebaut. Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks fuhren mit Blaulicht durch den Ort. Ein blauer Wasserwerfer der Polizei war zur Unterstützung der Löscharbeiten angerückt. Die Feuerwehr war mit großen Löschwagen in Richtung der abgesperrten B102 unterwegs. Dahinter fuhr eine Kolonne des Deutschen Roten Kreuzes mit mehreren Transportern.

Der Kampf der rund 500 Feuerwehrleute - sie sollten nach Angaben des Landkreises auf 750 aufgestockt werden - gegen die Flammen ist in dem Gebiet besonders schwierig: Weil im Boden eines ehemaligen Spreng- und Übungsplatzes Munition und Kampfmittel liegen, kommen die Feuerwehrleute nicht direkt an den Brand heran. Geht das Feuer durch die Fläche, kann im Boden versteckte Munition hochgehen. Hubschrauber der Bundeswehr nahmen deshalb in Dutzenden Löschflügen Zehntausende Liter Wasser aus einem nahen Baggersee auf und löschten von oben.

Brandenburgs Innenminister Stübgen sagte am Sonntag vor Ort, die Bundeswehr habe drei weitere Hubschrauber für den sofortigen Einsatz zugesagt. «Alle Einsatzkräfte leisten großartige Arbeit angesichts der schwierigen und sich dramatisch zuspitzenden Lage.» Der Krisenstab im Innenministerium sei im Einsatz. Stübgen appellierte an alle, den Aufforderungen der Einsatzkräfte zu folgen und sich in Sicherheit zu bringen. «Dieser Einsatz wird noch viel Kraft kosten», sagte er.

© dpa

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