Senat will weniger Waschbären: Verband widerspricht

Für die einen sind sie kleine und harmlose Bärchen. Andere sehe in Waschbären eingewanderte Schädlinge, die Vogelnester ausräumen, bedrohte Frösche fressen, sich in Dächern breit machen und Mülltonnen plündern. In Berlin breiten sie sich immer weiter aus.
Ein Waschbär auf Futtersuche. © Ingolf König-Jablonski/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Beim Zurückdrängen der inzwischen weit verbreiteten Waschbären in Berlin setzt der Senat auf Appelle und Aufklärung der Öffentlichkeit und nicht auf Gewehre oder Fallen. Anders als etwa in Brandenburg werden Waschbären in der Großstadt Berlin nicht gejagt. Wichtig sei daher besonders die Öffentlichkeitsarbeit, um die indirekte Ernährung der Waschbären durch Müll und Essensreste von Menschen zu verringern, antwortete der Senat auf eine SPD-Anfrage.

Widerspruch kam vom Deutschen Jagdverband. Waschbären richteten beträchtliche Schäden in Siedlungen an und bedrohten heimische Tierarten, teilte der Verband mit. In Berlin müssten sie wie in allen anderen Bundesländern auch mit sogenannten Lebend-Fallen gejagt werden dürfen. Diese Fallen seien nur in Berlin verboten.

Der Senat nannte als Ziel, dem Waschbären das «Schlaraffenland Stadt» mit seinem Nahrungsangebot in Mülleimern und Parks «ungemütlich zu machen und somit die Reproduktionsrate zu minimieren». Um den Bestand zu reduzieren, müsste es weniger Nahrungsquellen und auch weniger «Schlaf- und Vermehrungsstätten» in der Stadt geben. Daher gibt das Projekt «Waschbär-vor-Ort-Beratung» Hinweise mit Internetseiten und Flyern.

Wie viele Waschbären in Berlin leben, ist nicht bekannt. Daten verschiedener Behörden lägen vor, hieß es. Die Erfassung sei allerdings personell und finanziell nicht möglich. Der Bestand wurde vor einem Jahr auf mehrere Hundert Tiere geschätzt. Sie sind in ganz Berlin einschließlich der Innenstadt verbreitet, wie Meldungen an den Naturschutzbund Nabu zeigen. In Brandenburg werden mehrere Zehntausend Waschbären pro Jahr von Jägern geschossen. In ganz Europa wird die Zahl der Waschbären auf einige Hunderttausend geschätzt.

In Berlin leben die Waschbären fast überall: unter Containern, in Schrebergärten, leerstehenden Gebäuden, Dachböden, aber auch in der Dämmung von Hauswänden und Dächern. Im Rahmen des Pilotprojekts «Waschbär-Vor-Ort-Beratung» besucht eine «Waschbärexpertin» Hausbesitzer, die Probleme mit den Tieren in ihren Gärten oder Bauten haben. Außerdem können in Berlin Gewässer zum Schutz von Amphibien eingezäunt oder Fledermausquartiere gesichert werden.

Der Senat rät dringend davon ab, die Tiere zu füttern: Das sei bei Wildtieren verboten. Das Gleiche gelte fürs Fangen oder gar Töten. Waschbären gehörten zum jagdbaren Wild, Töten sei Wilderei. «Wir sollten also anfangen zu akzeptieren, dass der Waschbär wie Fuchs und Marder ein in Deutschland wild lebendes Raubtier darstellt und uns um eine friedliche Koexistenz mit diesen durchaus auch spannend zu beobachtenden Tieren bemühen.»

Der Jagdverband betonte: «Der nordamerikanische Kleinbär richtet in der heimischen Tierwelt viel Schaden an.» So habe er gelernt, bedrohte Amphibien zu fressen und jage auch an Gewässern bedrohte und andere Vogelarten und deren Eier. «Das ist ein Desaster für den Artenschutz - auch in Berlin.» Zudem zerstörten Waschbären Dachdämmungen und verschmutzten Dachböden. Berlin lasse Haus- und Grundstückbesitzer allein. Der Auftrag der EU, Waschbären einzudämmen, lasse sich am besten mit Lebendfallen verfolgen. Stattdessen würden manche Waschbären mit selbst gebastelten Schlingen und Fallen gefangen und getötet.

Waschbären kommen ursprünglich aus Nordamerika. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden sie zur Pelzgewinnung auch in Deutschland gezüchtet. Einige entkamen und inzwischen kommen sie in mehr als der Hälfte der deutschen Jagdreviere vor und breiten sich weiter aus, vor allem in Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

© dpa
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