Gefahr im Waldbrandgebiet von Elbe-Elster nicht gebannt

Die Feuerwehrleute im Waldbrandgebiet von Elbe-Elster kämpfen weiter gegen ein Wiederaufflammen des Feuers. Regen hat nur geringe Entspannung gebracht. Waldbesitzer fordern unterdessen mehr Hilfe bei der Brandvorsorge.
Qualm von Glutnestern und kleineren Feuern steht in einem Wald im Landkreis Elbe-Elster. © Sebastian Willnow/dpa

Im Waldbrandgebiet im Süden Brandenburgs geht der Kampf gegen ein erneutes Aufflammen des Feuers weiter. Auch am siebten Tag seit Ausbruch des Brandes war im Elbe-Elster-Kreis die Gefahr nicht vorbei. Die Einsatzkräfte wurden aufgestockt, um gegen die Glutnester vorzugehen. Regen brachte immerhin etwas Entspannung. Die sogenannte Großschadenslage, mit denen Einsatzkräfte aus anderen Gebieten angefordert werden können, bleibt weiter bestehen. Sorgen macht den Kräften vor Ort in Kölsa-Rehfeld die Wetterprognose für die kommenden Tage, die eine hohe Waldbrandgefahr sieht.

Die Zahl der Einsatzkräfte im Elbe-Elster-Kreis wuchs nach Angaben des Landkreises von 160 auf 250. Sie kämpfen weiter auf 500 Hektar gegen Glutnester. Die Feuerwehren befürchten seit Tagen ein Aufflammen des Feuers. Etwas Hilfe brachte Regen am Samstagabend, der den Boden etwa fünf Zentimeter tief durchfeuchtete, wie der Verwaltungsstab des Landkreises am Sonntagvormittag mitteilte. Die Niederschläge zeigten gleichzeitig heiße Stellen an den Randgebieten, weil sich dort besonders starker Qualm entwickelte.

Der Waldbrand unweit der sächsischen Grenze war am Montag ausgebrochen und hatte sich schnell auf rund 800 Hektar ausgebreitet - eine Fläche etwa vier Mal so groß wie Monaco.

Feuerwehrleute aus der Uckermark im Norden unterstützten am Sonntag bei der Brandbekämpfung. Nach Angaben des Landkreises halfen 89 Feuerwehrleute mit 22 Fahrzeugen im Einsatzgebiet im Süden. Zudem hat das Technische Hilfswerk des Ortsverbandes Berlin Steglitz-Zehlendorf den Einsatz von Drohnen mit Thermalkameras übernommen, die Temperaturen in tieferen Schichten des Bodens untersuchen sollen.

Auch der Wegebau im Waldbrandgebiet kommt voran. Bisher wurden weiteren Angaben zufolge neun Kilometer Weg für ein ungehindertes Vorankommen an mögliche Brandstellen geschaffen. Die Bundeswehr hilft weiterhin am Boden, unter anderem mit zwei Pionierpanzern und vier Löschfahrzeugen. Zwei Wasserwerfer der Polizei sowie vier Wasserwerfer der Bundespolizei sollen zum Einsatz kommen und auf der Fläche den Boden durchfeuchten und Glutnester unschädlich machen.

Die Hilfsorganisation @fire, die an der Bundesstraße 183 bereits Vegetation gezielt abgebrannt hat, setze ihre Arbeiten am Sonntag fort, hieß es weiter. Durch den kontrollierten Feuereinsatz wird die Brandlast in den letzten Flächenabschnitten reduziert, um ein Ausbreiten von Feuer zu verhindern. Die Bundesstraße 183 zwischen Beilrode und Marxdorf bleibt weiter gesperrt, damit die Einsatzfahrzeuge ungehindert an die Brandorte gelangen können.

Die sogenannte Großschadenslage blieb auch am Sonntag bestehen, Anfang der Woche soll neu entschieden werden. Damit kann der Landkreis Einsatzkräfte aus anderen Gebieten um Unterstützung bitten, weil eigene Kräfte die Lage allein nicht bewältigen können. Der Verwaltungsstab sieht nach der Wetterprognose für die kommenden Tage eine hohe Waldbrandgefahr. Ausreichender Regen ist vom Deutschen Wetterdienst nicht vorhergesagt.

Im gesamten Land sind seit Beginn der Waldbrandsaison bereits über 400 Waldbrände registriert worden - auf einer Fläche von fast 1000 Hektar. Die Saison endet im September. Das Jahr 2022 könnte die verheerende Waldbrandsaison 2018 noch übertreffen, sollte kein ausreichender Niederschlag kommen, wie der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte des Landes einschätzte. Vor vier Jahren verbrannten im Dürresommer bei 512 Bränden etwa 1680 Hektar Wald.

Unterdessen forderte der Waldbauernverband vom Land mehr Unterstützung für Privatwaldeigentümer bei der Waldbrand-Vorsorge. Der einzelne Waldbesitzer sei teils damit überfordert, Waldbrand-Schutzstreifen an Straßen und Bahnlinien zu pflegen sowie mit dem Wegebau, sagte der Vorsitzende Enno Rosenthal. Er sieht die Zuständigkeit künftig beim Land. Die Landesforstbehörden sollten mit Hilfe von EU-Fördermitteln die Waldbrand-Vorsorge übernehmen, da dort eine bessere personelle und technische Ausstattung vorhanden sei.

Auch die Diskussion um den Waldumbau nimmt mit Blick auf die Brände weiter an Fahrt auf. Brandenburg ist Land der Kiefern - diese Baumart dominiert mit rund 70 Prozent die Gesamtwaldfläche. Selbst wenn die Hälfte davon umgebaut werde, sei das eine Mammutaufgabe, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Gregor Beyer, der dpa. Er mahnte Realismus an, der Waldumbau sei eine Aufgabe für Generationen. «Mich ärgert, dass alle möglichen Verantwortlichen und Verbände sagen, wir müssen jetzt sofort etwas ändern. Aber wir können nichts sofort ändern, sondern nur in ganz langen Zeiträumen endlich anfangen, unsere Hausaufgaben zu machen.»

In den vergangenen zehn Jahren seien von 1,1 Millionen Hektar Wald auf mehr als einem Drittel der Landesfläche ungefähr 18.000 Hektar umgebaut worden, rechnete Beyer vor. Waldumbau sei kostspielig. «Wir reden über 10.000 Euro pro Hektar je nach Baumart. Wir sind in diesem Bereich in einer Politik der kleinen Schritte.» Eine der größten Herausforderungen sei es, die Waldbesitzer zum Umbau ihrer Flächen zu motivieren. Dabei gehe es um Finanzierung und Fördermittel.

© dpa
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