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Sprachförderung für Vorschulkinder soll besser werden

So manches Kind weist beim Schulstart sprachliche Defizite auf. Der Senat will nun frühzeitig dafür sorgen, dass sich daran etwas ändert.
Vorstellung «Kita-Chancenjahr»
Eine Tafel mit Buchstaben und Zahlen in einer Berliner Kita. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Die Sprachförderung für Berliner Kinder vor dem Start in die Schulzeit soll besser werden. Künftig müssen Kinder, die nicht richtig deutsch sprechen und bis dato nicht in einer Kita betreut wurden, ein verpflichtendes «Kita-Chancenjahr» absolvieren. Sie müssen also mindestens ein Jahr vor der Schule eine Kita oder vergleichbare Sprachförderangebote freier Anbieter besuchen - und zwar für jeweils 35 Stunden pro Woche. Ziehen die Eltern hier nicht mit, droht im schlimmsten Fall ein Bußgeld.

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und Staatssekretär Falko Liecke stellten das Konzept am Donnerstag vor. Demnach sollen ab dem Kita-Jahr 2025/2026 alle Kinder im Alter von drei Jahren automatisch einen Kita-«Willkommensgutschein» zugesandt bekommen. Für Kinder, die daraufhin nicht in eine Kita gehen und später bei der sogenannten Sprachstandsfeststellung Defizite aufweisen, greift dann das «Kita-Chancenjahr». Das gilt auch für Kinder, die nicht an diesem Sprachtest teilnehmen, der im Alter von etwa 4,5 Jahren stattfindet. 

Nach Angaben der beiden Politiker stehen bei dem neuen Vorgehen nach jetzigem Stand jährlich um die 2000 Kinder im Fokus, die keine Kitas besuchen. Nach allen Erfahrungen haben um die 80 Prozent davon sprachliche Defizite. Die Umsetzung des Vorhabens beinhaltet unter anderem Gesetzesnovellen und zahlreiche andere Änderungen auch in Abstimmung mit den Bezirken, was in der Summe längere Zeit in Anspruch nehme. 

Ziel des neuen Vorgehens seien mehr Chancengleichheit und eine höhere Qualität frühkindlicher Bildung, sagte Günther-Wünsch. Zudem wolle der Senat die Zugänge zu den 2900 Berliner Kitas und damit zu frühkindlicher Bildung verbessern und auch Vorbehalte abbauen, die es in manchen Familien noch gebe. Das «Kita-Chancenjahr» sei ein Schlüsselthema im Bildungsbereich. 

In Berlin gibt es bereits Regelungen für Kinder, die nicht richtig deutsch sprechen können: Diese sind eigentlich verpflichtet, in den 18 Monaten bis zur Einschulung eine Sprachförderung an einer Kita zu besuchen. In der Praxis wird die Regelung aber nur wenig umgesetzt, schon gar nicht nach einheitlichen Standards.

«Wir wollen, dass die schulgesetzlich verpflichtende Förderung für Kinder mit Sprachförderbedarf endlich zielgerichtet und konsequent umgesetzt wird», sagte die Senatorin dazu. Mit dem «Willkommensgutschein» sollten sämtliche Familien bereits sehr früh auf die kostenfreien Betreuungsmöglichkeiten in Kitas hingewiesen werden. 

Der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger (VKMK) in Berlin begrüßte die Pläne. «Es ist ein wichtiger Schritt, frühzeitig Sprachdefizite bei Kindern zu erkennen, zu adressieren und jene hier gezielt zu stützen und zu fördern, um ihre schulische Vorbereitung zu verbessern», erklärte Geschäftsführer Lars Békési. 

Nach seinen Worten legt der VKMK besonderen Wert darauf, die Beschäftigten ergänzender Sprachfördergruppen, die es derzeit außerhalb der Kitas gebe, bei dem neuen System einzubeziehen. Ohne diese Fachleute gäbe es noch mehr Kinder ohne erfolgversprechende Bildungsperspektiven in den Schulen, erklärte er.

Wichtig sei nun, Fort- und Weiterbildungsangebote für diese Personen zu schaffen und ihnen eine Übernahme in die multiprofessionellen Kita-Teams zu ermöglichen. «Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Kita-Chancenjahr nicht den notwendigen Erfolg erzielen kann, da schlichtweg das benötigte pädagogische Fachpersonal fehlt.»

Auch IHK-Vizepräsident Stefan Spieker bewertete das Vorgehen des Senats positiv. «Kinder, die ohne ausreichende Sprachkompetenz eingeschult werden, haben vom ersten Schultag an geringere Chancen auf erfolgreiche Bildungsteilhabe. Das kann eine Gesellschaft im Interesse der Kinder, aber auch im Interesse des Standorts nicht hinnehmen», erklärte er. 

«Allerdings stellt sich die Frage, ob für das ehrgeizige Vorhaben genügend Kapazitäten vor Ort vorhanden sind. Dies gilt vor allem in den Bezirken mit besonders hohem Migrationsanteil und aktuell geringer Teilhabequote an der Kita-Betreuung. Hier muss sicher noch nachgelegt werden, damit das Ziel auch erreicht wird.»

Aktuell besuchen in Berlin laut Bildungsverwaltung rund 159 000 Kinder eine Kita und 4620 Angebote der Tagespflege. Insgesamt stünden 182 600 Kita-Plätze zur Verfügung. Die Betreuungsquote bei den drei- bis sechsjährigen Kindern beträgt den Angaben zufolge etwa 92 Prozent.

© dpa
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