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Signa-Holding insolvent: Unklare Zukunft für Gruppe um Benko

Die Signa-Gruppe war in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Spektakuläre Projekte, zahlreiche davon in Berlin, sorgten für Aufsehen. Nun ist die Holding des Firmennetzwerks zahlungsunfähig.
Signa Holding
Blick auf das Kaufhaus Galeria Karstadt in der Hamburger Innenstadt. © Marcus Brandt/dpa

Im Signa-Firmengeflecht des österreichischen Immobilien- und Handelsinvestors René Benko ist eine weitere wichtige Gesellschaft zahlungsfähig. Der Insolvenzantrag der Signa Holding GmbH ist der vorläufige Tiefpunkt der Gruppe, die in der Hauptstadt unter anderem am Kadewe beteiligt ist. Die Holding beantragte am Mittwoch beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung - «keine gute Nachricht» für den Kaufhausstandort Berlin, befand Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey.

«Wir nutzen weiterhin alle Gesprächskanäle, um die Auswirkungen besser bewerten zu können. Momentan sind die Folgen des Sanierungsverfahrens in Österreich auf die komplex verzweigten Signa-Gesellschaften in Deutschland allerdings noch nicht absehbar», sagte die SPD-Politikerin der Deutsche Presse-Agentur auf Anfrage. «Was aber klar ist, dass wir an unserem Ziel festhalten wollen: dem Erhalt und der dringend notwendigen Weiterentwicklung der Warenhausstandorte in Berlin und damit auch der Sicherung von Arbeitsplätzen und Versorgungsstruktur für die Berlinerinnen und Berliner», sagte Giffey. Dafür brauche es verlässliche Partner, «die ihrer Verantwortung als Investoren auch gerecht werden können».

Da die von Milliardär Benko gegründete Signa-Gruppe nicht als hierarchischer Konzern, sondern als kompliziertes Firmennetzwerk strukturiert ist, müssen die vielen Teilgesellschaften selbst entscheiden, ob sie noch zahlungsfähig sind oder ebenfalls Insolvenz anmelden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus gut informierten Kreisen.

Die Immobilien- und Handelsgruppe Signa war in Zeiten historisch niedriger Zinsen stark gewachsen. Doch seit Beginn des Krieges in der Ukraine kämpft die Immobilienbranche mit gestiegenen Bau- und Energiekosten sowie höheren Zinsen - auch Signa blieb davon nicht verschont. Neben der Lage auf dem Immobiliensektor wies Signa in ihrer Mitteilung darauf hin, dass der stationäre Einzelhandel in den letzten Jahren in Europa stark unter Druck geraten sei. Investitionen hätten nicht den erwarteten Erfolg gebracht. «Trotz erheblicher Bemühungen in den letzten Wochen konnte die erforderliche Liquidität für eine außergerichtliche Restrukturierung nicht in ausreichendem Maße sichergestellt werden», hieß es.

Millionen für Galeria Karstadt Kaufhof stehen aus

Die Folgen der Insolvenz der Signa Holding GmbH für den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof sind vorerst ungewiss. «Die Situation hat im Moment nicht unmittelbar negative Auswirkungen auf Galeria. Wir werden den Ausgang dieses geordneten Verfahrens in Ruhe abwarten», hieß es aus Unternehmenskreisen. Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern hatte Ende 2022 zum zweiten Mal Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Signa hatte für die Sanierung 200 Millionen Euro zugesagt. Die ersten 50 Millionen sollten dem Vernehmen nach im Februar fließen.

Die komplex verschachtelte Signa-Gruppe ist in Deutschland in eine Reihe von Bauprojekten involviert, die laut Medienberichten derzeit stillstehen. In Berlin gehören dazu die Karstadt-Standorte in Neukölln und im Wedding, ein Hochhausprojekt am Ku'damm und ein Gewerbeprojekt namens «Glance» in Berlin-Charlottenburg. Zu den Signa-Beteiligungen gehören auch das Chrysler Building in New York sowie die Selfridges-Kaufhäuser in Großbritannien.

Millionen-Prämien in Immobiliensparte

Die wertvollsten Immobilien gehören nicht der Holding, sondern der Signa Prime Selection AG. Sie schrieb im Vorjahr laut offiziellen Unternehmenszahlen etwa eine Milliarde Euro Verlust, nachdem der Wert der Anlageobjekte um etwa denselben Betrag abgewertet worden war. Den vier Vorständen der Signa Prime Selection wurden dennoch Prämien von insgesamt 19 Millionen Euro zugesprochen. Am Donnerstag wird eine mehr als 200 Millionen Euro schwere Anleihe dieser Gesellschaft fällig. Ob diese wichtige Einheit der Signa Gruppe sowie der Immobilienentwickler Signa Prime Development AG ebenfalls zahlungsunfähig werden, blieb zunächst unklar.

Klar war vorerst nur der Fahrplan für die Holding, für die im Firmenbuch kein Jahresabschluss für 2022 vorliegt. Laut den gut informierten Insidern wird von Gericht voraussichtlich ein Sanierungsverwalter bestellt. Innerhalb von 90 Tagen wird über den Sanierungsplan entschieden. Wenn die Gläubiger zustimmen, steht ihnen mindestens ein Anteil von 30 Prozent ihrer Forderungen innerhalb von zwei Jahren zu.

In den vergangenen Wochen hatten schon die Sporthandelssparte und die deutsche Immobilienverwaltungs-Einheit von Signa Insolvenzen angemeldet. Benko, dessen Vermögen vom US-Magazin Forbes auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt wird, kündigte Anfang November unter dem Druck seiner Mitgesellschafter an, sich als Vorsitzender des Signa-Beirates zurückzuziehen. Der deutsche Sanierungsexperte Arndt Geiwitz nahm seinen Platz ein und soll als interner Berater weiter an Bord bleiben, hieß es von den Insider-Quellen. Benko schwieg am Mittwoch wie auch in den vergangenen Monaten zur Lage seines wankenden Immobilien- und Handelsimperiums.

© dpa ⁄ Albert Otti, dpa
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