Koordination des Berliner Katastrophenschutzes in neuem Amt

Lange kam das Thema Katastrophenschutz in der Öffentlichkeit kaum vor. Aber seit der Corona-Pandemie und dem Kriegsausbruch soll vieles neu organisiert werden. Sogar an große Vorratslager wie im Kalten Krieg denkt die Politik wieder.
Eine Sirene ist auf dem Dach eines Hauses angebracht. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Auf Katastrophen wie Krieg, extreme Unwetter, großflächige Stromausfälle oder Chemieunfälle will Berlin künftig besser vorbereitet sein. Dazu sollen die Zuständigkeiten besser gebündelt werden, sagte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Mittwoch, einen Tag vor dem bundesweiten Warntag am Donnerstag. Eingerichtet werden soll ein neues Landesamt für den Katastrophenschutz. Chef werde der bisherige Vize-Feuerwehrchef Karsten Göwecke.

Wann und wo das neue Landesamt seine Arbeit beginnt, wie groß und wie teuer es werde, stehe noch nicht fest, sagte Spranger. Eine Projektgruppe unter der Leitung von Göwecke soll das Thema ab sofort vorbereiten. Der Senat soll sich mit dem dann erstellten Plan im Frühjahr 2023 befassen. Das Geld soll dann im Haushalt ab 2024 bereitgestellt werden. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) betonte: «Sicher wird das sehr viel Geld und Anstrengung kosten, ist aber ebenso wie eine Steigerung der Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung alternativlos.»

Das Landesamt soll zuständig sein für Strategien zur Bewältigung von großen Schadens- oder Katastrophenlagen. Es soll entsprechende Übungen vorbereiten. Außerdem soll ein Vorratslager eingerichtet werden mit Treibstoff und wichtiger Technik für Polizei, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen sowie unter Umständen auch Vorräten für die Bevölkerung. Ein Lagezentrum wird ebenso erstellt wie ein potenzieller Krisenstab.

Für die vielen verschiedenen Aspekte des Katastrophenschutzes sind in Berlin 36 Behörden zuständig: die meisten Senatsverwaltungen, die zwölf Bezirke, Polizei, Feuerwehr und weitere Einrichtungen. Viele Bezirke hätten sich bisher kaum gekümmert, hieß es. Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) will daher etwas Druck machen.

Der bisherige Feuerwehr-Vizechef Göwecke betonte seine langjährige Erfahrung bei der Organisation von Großeinsätzen: vom Zugunglück in Eschede über Elbe-Hochwasser, Orkanschäden, die Flüchtlingskrise bis zur Corona-Pandemie.

Spranger und Akmann verwiesen auf die inzwischen 37 Anlaufstellen im Katastrophenfall für die Menschen in ganz Berlin, sogenannten Katastrophenschutz-Leuchttürme. Dort soll die Bevölkerung Informationen erhalten und bei Ausfall des Kommunikationsnetzes Notfallmeldungen absetzen können. Alle Standorte verfügten über eine Notstromversorgung und Digitalfunkgeräte.

Beim Warntag am Donnerstag, der vom Bundesamt für Katastrophenschutz organisiert wird, sollen um 11.00 Uhr die Warnsysteme getestet werden. Über Radio und Fernsehen, Mobilfunknetze, digitale Anzeigetafeln und zum Teil auch über Sirenen werden in ganz Deutschland Warnungen verbreitet. Auf Handys empfängt man die Warnungen über die Warn-Apps Nina und Katwarn. Einige Mobilfunkanbieter schicken sie auch per SMS an die Telefone, 60 Prozent der Nutzer sind so erreichbar.

Sirenen werden in Berlin noch nicht heulen. Die Technik des Bundes kann sie noch nicht ansteuern. Von den 400 neu geplanten Sirenen sind auch erst 28 aufgestellt. Bis Ende 2023 soll der Rest auf Gebäuden stehen. «Sirenen haben einen wichtigen Weck-Effekt für die Bevölkerung», sagte Akmann. Aber Informationen würden sie nicht liefern, die müssen über die anderen Medien kommen.

Vor zwei Jahren gab es beim ersten bundesweiten Katastrophen-Warntag auch in Berlin eine Panne. Die Gefahrenmeldung der Warn-Apps kam erst mit einer guten halben Stunde Verspätung an.

© dpa
Das könnte Dich auch interessieren
Empfehlungen der Redaktion
Sport news
Triathlon: Kult-Challenge Roth mit Top-Feld und Kienle-Abschied
Internet news & surftipps
UN-Bericht: UN: Nordkoreas Hacker stehlen Rekordsummen - Kim rüstet auf
Internet news & surftipps
Bundesamtes für Sicherheit: Claudia Plattner wird neue BSI-Präsidentin
Tv & kino
Featured: Nier: Automata streamen – hier kannst Du den Anime legal ansehen
Handy ratgeber & tests
Featured: Galaxy S22 FE: Welche Ausstattung könnte eine Fan Edition bieten?
Familie
Nach Sorgen fragen: Erdbeben-News: Eltern sollten Kinder-Ängste ernst nehmen
Auto news
Mehr Reichweite und Auswahl: Mercedes bringt neuen eSprinter    
Tv & kino
Featured: 10 Tage eines guten Mannes: Alles zu Netflix-Start, Besetzung und Handlung