Prozess um Mord an Afghanin: Brüder voll schuldfähig

Die wegen Mordes an einer 34-jährigen Afghanin angeklagten Brüder der Frau sind voll schuldfähig. Zu der Einschätzung kamen zwei Psychiaterinnen, die ihre Gutachten am Montag vor dem Berliner Landgericht erstatteten. Nach Planungen des Gerichts könnte der Prozess nun nach rund neunmonatiger Verhandlung in die Schlussphase gehen.
Eine Figur der blinden Justitia. © Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild

Der Beginn der Plädoyers sei nach derzeitigem Stand für den 12. Dezember vorgesehen, sagte der Vorsitzende Richter. Ein Urteil könnte dann am 19. Januar verkündet werden. Die Verteidiger stellten am inzwischen 37. Verhandlungstag allerdings weitere Beweisanträge, über die das Gericht noch entscheiden muss.

Laut Anklage sollen die beiden 27 und 23 Jahre alten Brüder ihre Schwester ermordet haben, weil sich die zweifache Mutter Moralvorstellungen der afghanischen Familie nicht unterworfen und zudem nach ihrer Scheidung eine Liebesbeziehung geführt habe. Die Leiche hätten die Angeklagten in einem Rollkoffer mit einem Taxi zum Bahnhof Berlin-Südkreuz und dann per ICE nach Bayern gebracht. Rund drei Wochen später wurde die Tote in einem Erdloch in der Nähe des bayrischen Wohnortes des älteren Angeklagten entdeckt.

Der 27-Jährige hatte nach rund sechsmonatigem Prozess sein Schweigen gebrochen und in einer verlesenen Erklärung einen Streit mit seiner Schwester geschildert, der eskaliert sei. Er habe die 34-Jährige nicht töten wollen. Sein Bruder sei bei dem Geschehen nicht in der Wohnung gewesen. Er habe dann von dem 23-Jährigen verlangt, ihm beim Wegschaffen der Leiche zu helfen.

Eine Psychiaterin sagte nun, auch ihr gegenüber habe der 27-Jährige von einem Unfall gesprochen. Den Angeklagten habe sie als einen intelligenten und sozial kompetenten Mann wahrgenommen. Er sei 2013 nach Deutschland gekommen. Aufgewachsen sei der 27-Jährige nach seinen Angaben in einem Umfeld von Gewalt - Vater und Mutter in Afghanistan hätten ihre acht Kinder nicht beschützt. Er habe in Deutschland zwei Beziehungen geführt - die Frauen seien jeweils verheiratet gewesen. Seine Schwester sei mit einer neuen Beziehung vermutlich dabei gewesen, sich seinem Machtbereich zu entziehen.

Im Fall des 23-Jährigen sagte eine Gutachterin, er habe sich ihr gegenüber nicht geäußert. Nach ihren Einschätzung sei von einem introvertierten, ängstlichen Menschen auszugehen. Es liege bei ihm eine «gemischte Persönlichkeitsstörung» vor. Einen Zusammenhang mit einem vorgeworfenen Delikt sehe sie aber nicht.

© dpa
Weitere News
Top News
Tv & kino
Filmfestival: Ophüls Preis für «Alaska» und «Breaking the Ice»
Fußball news
Bundesliga: Hertha wieder im Chaos: Trennung von Bobic nach Derby-Pleite
Tv & kino
Schauspieler: Dimitrij Schaad erhält Ulrich-Wildgruber-Preis
Tv & kino
Schauspielerin: Sandra Hüller beim Filmfestival Max Ophüls
Das beste netz deutschlands
Featured: DeepL Write: So nutzt Du die KI-Schreibhilfe für Texte
Das beste netz deutschlands
Featured: Chat GPT: So nutzt Du den KI-Bot von OpenAI
Internet news & surftipps
Extremismus: SPD-Abgeordneter für 14-Tage-Speicherpflicht für IP-Adressen
Reise
Flüge verspätet und gestrichen: Streik am Düsseldorfer Airport: Diese Rechte haben Reisende
Empfehlungen der Redaktion
Regional berlin & brandenburg
Prozess: Mord an Afghanin: Antrag auf Haftentlassung abgelehnt
Regional bayern
Gericht: Prozess um Mord an Afghanin: Plädoyers verschoben
Regional bayern
Verhandlungsschluss: Getötete Afghanin: Lebenslange Haft für Brüder gefordert
Regional bayern
Mordprozess: Getötete Afghanin: Urteil im Prozess gegen Brüder in Sicht
Regional bayern
Prozess: Frauenleiche im Koffer: Bruder gesteht Tötung von Schwester
Regional berlin & brandenburg
Untersuchungshaft: Getötete Afghanin: Freilassung für Angeklagten beantragt
Regional bayern
Prozess: Getötete Afghanin: Verteidiger sprechen von Unfall
Regional berlin & brandenburg
Prozess: Mord an Afghanin: Angeklagte äußerten sich nach Festnahme