Zwei Tote nach Raserfahrt: Mordprozess gegen 24-Jährigen

Mit einem 510 PS starken Auto verursacht ein junger Brandenburger betrunken einen schweren Verkehrsunfall. Zwei Frauen und das ungeborene Kind eines Opfers sterben. Nun steht der Unfallfahrer wegen Mordes vor Gericht.
Der Angeklagte hält sich in einem Saal des Landgerichts Neuruppin einen Ordner vor das Gesicht. © Paul Zinken/dpa

Nach einem Verkehrsunfall mit zwei Toten und zwei Verletzten bei einer Raserfahrt muss sich der Unfallfahrer wegen Mordes vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Der 24-jährige Deutsche habe am 10. Juli vergangenen Jahres in einem 510 PS starken Sportwagen den Unfall mit einem entgegenkommenden Auto auf einer Bundesstraße im Mühlenbecker Land (Landkreis Oberhavel) verursacht, erklärte Staatsanwältin Lara Garnkäufer am Dienstag bei der Anklageverlesung zum Prozessauftakt.

Der Angeklagte habe seinen Sportwagen auf bis zu 230 Kilometer pro Stunde beschleunigt, um seinen Beifahrer zu beeindrucken, sagte Garnkäufer. Damit habe er nahezu die Höchstgeschwindigkeit des Wagens erreicht. In einer Kurve sei der betrunkene 24-Jährige dann mit voller Beschleunigung auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem Auto zusammengestoßen. Die Staatsanwältin warf dem 24-Jährigen Mord aus niederen Beweggründen vor.

In dem entgegenkommenden Fahrzeug starben zwei Frauen im Alter von 32 und 28 Jahren. Die Ältere war nach den Angaben des Verlobten vor Gericht im sechsten Monat schwanger - auch das ungeborene Kind überlebte den Unfall nicht. Die Polizei hatte nach dem Unfall zunächst angegeben, dass das jüngere Opfer schwanger gewesen sei. Der Verlobte und die Ehefrau der tödlich verletzten 28-Jährigen saßen ebenfalls in dem Fahrzeug. Die Frau erlitt schwere und der Verlobte nach eigenen Angaben nur leichte Verletzungen.

Kurz vor dem tödlichen Crash gab es laut Polizei bereits eine leichte Kollision mit einem anderen entgegenkommenden Auto an den Außenspiegeln. In dem Auto saß eine Frau mit ihrem Sohn. In diesem Fall blieb es bei Sachschaden.

Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er mit einem Freund von einer Geburtstagsparty in Schildow zu der Tour aufgebrochen sei, um zu Hause in Hohen Neuendorf etwas zu holen. Das Auto habe ihm sein Arbeitgeber für das Wochenende geliehen. Der 24-Jährige arbeitete damals in Oranienburg als Auszubildender in einem Autohaus.

An den Unfall habe er jedoch keine Erinnerung, sagte der Angeklagte. Er wisse aber wieder, dass er nach dem Unfall mit seinem Freund aus dem beschädigten Sportwagen geklettert sei. Wenig später seien Polizeibeamte gekommen. Dann wurden die beiden leicht verletzten Männer im Krankenhaus behandelt.

Die Ehefrau des jüngeren Opfers berichtete dem Gericht von den schrecklichen Minuten nach dem Unfall, den ihre Partnerin nicht überlebte. Seitdem gehe es ihr psychisch sehr schlecht und sie sei dauerhaft krankgeschrieben. Der Angeklagte wandte sich daraufhin in einer persönlichen Erklärung an die Frau. «Es ist nicht möglich, die richtigen Worte zu finden, aber ich möchte einfach um Verzeihung bitten», sagte er. Daraufhin brach die Zeugin in Tränen aus.

Staatsanwältin Garnkäufer erklärte, der 24-Jährige habe versucht, vom Unfallort zu flüchten. Die beiden Männer wurden jedoch wenig später von Polizisten vorläufig festgenommen. Einer der Polizisten berichtete vor Gericht, der Angeklagte habe dabei völlig uninteressiert an dem Geschehen gewirkt. Selbst als er den 24-Jährigen erklärt habe, dass bei dem Unfall zwei Menschen ums Leben gekommen seien, habe der Angeklagte nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, er habe ja gar nichts gemacht, berichtete der Beamte.

Ein Verkehrspsychologe sagte als Gutachter vor Gericht, dass der Angeklagte zum Unfallzeitpunkt einen Blutalkoholwert von 1,9 Promille gehabt haben müsse. Denn bei dem 24-Jährigen sei noch Stunden nach dem Unfall ein Blutalkoholwert von gut 1,3 Promille festgestellt worden.

Der Angeklagte war im April in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem Gutachter die Umstände des Unfalls geklärt hatten. Für den Prozess gegen den Fahrer sind Verhandlungstermine bis zum 8. November anberaumt. Gegen den Beifahrer wird gesondert ermittelt.

Der Fall erinnert an ein tödliches Autorennen auf dem Berliner Ku'damm, bei dem am 1. Februar 2016 ein unbeteiligter 69 Jahre alter Rentner in seinem Jeep erfasst und getötet worden war. Der Unfallfahrer wurde vom Landgericht Berlin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, der zweite Raser erhielt 13 Jahre Haft wegen Mordversuchs.

© dpa
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