Mutmaßliche IS-Rückkehrerin aus Berlin vor Gericht

Mit ihren kleinen Söhnen reist die Berlinerin ins Kriegsgebiet nach Syrien. Dort soll sie sich der Terrormiliz IS angeschlossen und ihre Kinder in deren Sinne erzogen haben. Nun steht sie vor Gericht.
Der Gerichtssaal des Kammergerichts zu Beginn des Prozesses gegen eine mutmaßliche IS-Rückkehrerin. © Wolfgang Kumm/dpa

Eine mutmaßliche IS-Anhängerin, die mit ihren Kleinkindern ins Kriegsgebiet nach Syrien gereist ist, steht in Berlin vor Gericht. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin wirft der 31-Jährigen unter anderen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor. Die Frau äußerte sich zum Prozessauftakt am Dienstag vor dem Kammergericht nicht. Über ihre Verteidiger ließ sie aber erklären, dass sie sich eine Aussage «ausdrücklich vorbehalte».

Laut Anklage vertrat die Beschuldigte spätestens Mitte 2016 eine radikal-islamistische Gesinnung und identifizierte sich mit der Ideologie der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Gemeinsam mit ihrem Ehemann und dessen Zweitfrau sei die Ausreise nach Syrien geplant gewesen. Als die Umsetzung der Pläne aus Sicht der Frau zu schleppend erfolgte, nahm sie laut Anklage die Sache selbst in die Hand. Sie sei davon ausgegangen, dass ihr Mann zügig nachkomme.

Unterstützt von einem Netzwerk sei die Frau mit den Söhnen im Alter von zwei Jahren und zehn Monaten sowie einem Jahr und acht Monaten Ende Oktober 2016 aus Deutschland ausgereist. Über die Türkei sei sie nach Syrien gelangt, wo sie im Januar 2017 in der Provinz Al-Rakka angekommen sei. Der Ehemann soll sich spätestens im Juni 2017 der Terrororganisation als IS-Kämpfer angeschlossen haben.

Die Angeklagte habe die Rolle der Ehefrau eines IS-Kämpfers eingenommen. Zudem habe sie über einen Telegram-Kanal ihr dschihadistisches Gedankengut verbreitet. Während der Zeit in Syrien soll die Frau zu Unrecht Kindergeld aus Deutschland bezogen haben. Das Geld habe der Ehemann bei seiner Ausreise nach Syrien genutzt, so der Vorwurf.

Im September 2018 brachte die Frau laut Anklage noch eine Tochter zur Welt. Die 31-Jährige habe ihre Kinder ideologisch im Sinn des IS erzogen und damit zum Aufbau und Fortbestand der Terrormiliz beigetragen, so der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft. Sie habe ihre Kinder «Armut, Hunger und Gewalt in der Familie ausgesetzt». Im Gefangenenlager Al-Hol seien sie in mindestens einem Fall Zeugen einer Schießerei mit einem toten Kind geworden. Bis heute seien die Kinder traumatisiert und benötigten psychosoziale Unterstützung, sagte Staatsanwalt Robert Kohly beim Verlesen der Anklage.

Hilfsorganisationen beklagen seit langem die menschenunwürdigen Zustände in den überfüllten Lagern im Nordosten Syriens. Nach UN-Angaben leben auch Tausende ehemalige IS-Anhänger und deren Kinder in den Camps, darunter auch viele deutsche Staatsangehörige.

Die Angeklagte wurde Anfang Oktober 2021 verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft. Sie und ihre beiden Söhne waren nach früheren Angaben der Generalstaatsanwaltschaft mit anderen Frauen bei einer sogenannten Gruppenrückholung aus Syrien am Flughafen Frankfurt/Main angekommen. Angaben dazu, wo die Kinder heute sind, konnte eine Gerichtssprecherin zunächst nicht machen. Unklar ist auch das Schicksal der Tochter.

Im Juli 2021 hatte das Kammergericht eine andere IS-Rückkehrerin zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt, die im Dezember 2014 mit ihrer Tochter nach Syrien ausgereist war. Im rechtskräftigen Urteil hieß es damals, die inzwischen Neunjährige sei «durch das Erlebte zutiefst traumatisiert» und für ihr Leben gezeichnet.

Der Prozess gegen die 31-Jährige soll am 30. August mit der Vernehmung von Kriminalbeamtinnen fortgesetzt werden, wie der Vorsitzende Richter Detlev Schmidt sagte. Bislang hat der 6. Strafsenat 25 weitere Termine bis zum 21. Dezember geplant.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Brasiliens Fußball-Ikone: Pelé meldet sich aus Klinik: «Bin stark und habe Hoffnung»
People news
Weihnachtsbotschaft: Prinz Harry: Video für Waisenkinder im Spider-Man-Kostüm
Games news
Featured: Tomb-Raider-Spiele in der chronologischen Reihenfolge 
Tv & kino
Comedian: Kurt Krömer beendet frühzeitig Sendung mit Faisal Kawusi
Internet news & surftipps
Internet: Twitter sperrt Kanye West erneut
Reise
Gestörte Zugverbindungen: Bahnstreik in Frankreich bremst Verkehr nach Deutschland aus
Handy ratgeber & tests
Featured: Waagen-Apps für Apple Watch: Diese synchronisieren sich mit dem iPhone
Das beste netz deutschlands
Warntag: Ist Cell Broadcast auf Ihrem Smartphone aktiv?
Empfehlungen der Redaktion
Regional hessen
Staatsanwaltschaft: Mutmaßliche IS-Rückkehrerin aus Offenbach festgenommen
Regional niedersachsen & bremen
Celle: Weiterer Prozess gegen mutmaßliches IS-Mitglied
Regional sachsen anhalt
Extremismus: Anklage gegen mutmaßliche IS-Frau: Fall für OLG
Regional hamburg & schleswig holstein
Terrormiliz: IS-Rückkehrerin in Hamburg zu drei Jahren Haft verurteilt
Regional nordrhein westfalen
Bundesanwaltschaft: Mutmaßliche IS-Anhängerin aus Syrien angeklagt
Regional nordrhein westfalen
Prozesse: Mutmaßliche IS-Terroristin in Düsseldorf vor Gericht
Regional nordrhein westfalen
Terrorismus: Prozess gegen Syrien-Rückkehrerin aus Siegerland gestartet
Regional hamburg & schleswig holstein
Oberlandesgericht: Urteil über mutmaßliche IS-Rückkehrerin