Berliner CDU will mit Wegner «System SPD» beenden

Minutenlang feiert die CDU ihren Spitzenmann auf einem Parteitag. So viel Euphorie und Geschlossenheit erleben Berlins Christdemokraten eher selten. Doch nun wollen sie ihre neue Chance bei der Wiederholungswahl nutzen.
Kai Wegner (CDU), Vorsitzender des Landesverbandes. © Carsten Koall/dpa

Das Votum für den neuen CDU-Spitzenkandidaten fiel mehr als eindeutig aus: Keine Gegenstimme, nur eine Enthaltung - größer kann die Unterstützung zumindest auf dem Papier kaum sein. Dazu noch motivierende Worte von Bundesparteichef Friedrich Merz: Kai Wegner geht mit breiter Rückendeckung in den Wahlkampf ums Rote Rathaus. Bei der Wahlwiederholung im Februar will der 50-Jährige mit der CDU stärkste Kraft werden - und dann auch Regierender Bürgermeister. «Ja was denn sonst», sagte Wegner beim Parteitag. Die 300 Delegierten, die in offener Abstimmung über die Spitzenkandidatur des Partei- und Fraktionschefs abgestimmt hatten, feierten ihn minutenlang mit starkem Beifall.

Er wolle das «System SPD» beenden und als Regierungschef für eine funktionierende Stadt sorgen, sagte Wegner. Seit 33 Jahren trage die SPD ununterbrochen Regierungsverantwortung und stelle seit 21 Jahren Regierende Bürgermeister. «Die Genossinnen und Genossen glauben, ihnen gehört Berlin», so Wegner. «Das muss und das wird sich ändern.» Die CDU wolle «einen klaren Regierungsauftrag von den Berlinerinnen und Berlinern».

Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz sagte Wegner Unterstützung der Bundespartei für den Wahlkampf zu. «Die CDU muss deutlich und klar auf Platz eins am 12. Februar abends um 18.00 Uhr liegen», sagte Merz als Gast des Parteitags. Wenn die Union geschlossen agiere, könne sie viel erreichen. Seine Bitte sei deshalb, geschlossen in den Wahlkampf zu gehen und die Chance für einen Politikwechsel in der Stadt Berlin zu nutzen, so Merz. «Wann, wenn denn nicht jetzt?»

Chaos und Verantwortungslosigkeit seien in Berlin mittlerweile zur Normalität geworden, meinte Wegner. Als Beispiele nannte er die lange Bauzeit des Hauptstadtflughafens BER, «Verwaltungsversagen» und eine «Bildungsdauerkrise». «Und der Gipfel der Schlampigkeit war das Wahlchaos am 26. September 2021, was primär die SPD zu verantworten hat.» Berlins Verfassungsgerichtshof hatte am 16. November entschieden, dass die Wahl zum Abgeordnetenhaus wegen vieler Wahlfehler komplett wiederholt werden muss. Immerhin: Laut einem am Samstag bekannt gewordenen Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes im Parlament ist das Abgeordnetenhaus bis zur Wahlwiederholung weitgehend handlungsfähig.

Die CDU werde die Probleme angehen und Verwaltungsreform und Digitalisierung zur Chefsache machen, versprach Wegner. «Wir werden dafür sorgen, dass Berlin wieder funktioniert», versprach er. Ziel dürfe nicht nur sein, dass die Menschen innerhalb von 14 Tagen einen Termin beim Bürgeramt bekommen. «Sondern innerhalb von 14 Tagen muss die Dienstleistung erbracht sein».

Der Regierungschefin Giffey warf Wegner vor, sich mehr um ihren Instagram-Account zu kümmern als um eine vernünftige Politik für ihre Stadt. Auch die Grünen bekamen ihr Fett weg: Er wundere sich über deren Forderung nach einer Verwaltungsreform und einem «Update» für Berlin, so Wegner. «Ja wer hat denn seit sechs Jahren regiert?» Gerade bei der Modernisierung der Verwaltung hätten sich die Grünen bisher «einen schlanken Fuß gemacht».

Bei der Wahl am 26. September 2021 war die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Wegner hinter SPD und Grünen auf Platz drei gelandet. Beide Parteien nannte er jüngst neben der FDP als potenzielle Kandidaten für eine Koalition mit der CDU. Mit Linken und AfD werde seine Partei nicht kooperieren. Zuletzt stellte die CDU in Berlin mit Eberhard Diepgen einen Regierenden Bürgermeister, der mit einer Unterbrechung mehr als 15 Jahre lang bis 2001 amtierte.

Als weitere Schwerpunkte im Wahlkampf nannte Wegner unter anderem gute Bildung mit der Wiedereinführung einer Vorschule und mehr Sicherheit in der Stadt. «Wohlfühloasen für Clankriminelle wird es mit mir nicht geben.» Nötig sei auch eine Verkehrspolitik, in der neben einem gut ausgebauten Personennahverkehr auch das Auto seinen Platz habe. «Wir lassen uns das Auto auch in Berlin nicht verbieten.»

© dpa
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