Mehta und Barenboim locken Menschen zu «Oper für alle»

«Turandot» bei tropischen Temperaturen, Sinfoniekonzert in der Mittagshitze. Die «Oper für alle» hat in Berlin Tausende Menschen angelockt. Dabei gibt es ein gefeiertes Wiedersehen.
Zahlreiche Menschen sind zur «Staatsoper für Alle» auf den Bebelplatz gekommen. © Jörg Carstensen/dpa

Das Spektakel «Oper für alle» hat am Wochenende zahlreiche Fans von klassischer Musik zur Berliner Staatsoper Unter den Linden gelockt. Die Staatsoper zählte beim Opernabend mit Giacomo Puccinis letzter Oper «Turandot» und dem Konzert mit der vierten Sinfonie von Robert Schumann und der fünften Sinfonie von Peter Tschaikowsky nach Angaben vom Sonntag zusammen rund 22.000 Besucherinnen und Besucher.

Bei den Konzerten am Sonntag auf dem Bebelplatz neben dem Opernhaus gab es zudem ein auch in der Mittagshitze begeistert gefeiertes Wiedersehen: Erstmals nach seinen krankheitsbedingten Absagen leitete Generalmusikdirektor Daniel Barenboim wieder die Staatskapelle, das Orchester der Staatsoper. Der 79-Jährige dirigierte dabei im Sitzen. Für die Ovationen bedankten sich Barenboim und Staatskapelle mit der Polonaise aus Tschaikowskys «Eugen Onegin»

Schon am Samstagabend war der Platz voller Menschen. Sie verfolgten als Liveübertragung die Premiere von «Turandot» unter der musikalischen Leitung von Zubin Mehta (86), der zusammen mit dem Orchester gefeiert wurde. Auch der in dieser Oper vielbeschäftigte Chor wurde mit Ovationen bedacht, ebenso die Solo-Stimmen. Die Titelrolle der männermordenden Prinzessin sang Elena Pankratova. Yusif Eyvazov als Calaf überzeugte nicht nur mit seiner Version von «Nessun dorma!», der bekanntesten Arie der Oper.

Für Inszenierung und Bühnenbild war Philipp Stölzl verantwortlich, der für seine Interpretation auch Buhrufe hinnehmen musste. Er lässt den Abend zentral von einer riesigen Marionette begleiten. Deren sukzessiver Verfall vom schönen Ebenbild der Prinzessin zum sechsarmigen Monster lenkt allerdings häufig ab und stört in manchen Momenten sogar lärmend die Musik.

Der Regisseur («Nordwand», «Schachnovelle») hat auch schon den Rammstein-Song «Du hast» visualisiert und das «Stripped»-Video der Berliner Band realisiert, das wegen Film-Material der Nazi-Ikone Leni Riefenstahl umstritten ist. In seiner «Turandot»-Version lässt er den Chor das diktatorische System ihres Vaters in beklemmenden Szenen feiern.

Die Veranstaltungen werden seit 2007 jeweils von Tausenden Gästen gefeiert. Nach den Corona-Jahren gab es diesmal keine beschränkte Platzkapazität und Kartenpflicht.

© dpa
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