Grunewald-Feuer fast gelöscht: Sprengplatz hochgefährlich

05.08.2022 Die Flammen im Grunewald hat die Feuerwehr mittlerweile größtenteils unter Kontrolle. Der Sprengplatz aber mit den gelagerten Explosivstoffen ist weiter ein Gefahrengebiet. Zudem stellt sich die Frage: Wie brach das Feuer eigentlich aus?

Rauch steigt bei einem Brand im Grunewald auf. © Kay Nietfeld/dpa/Archivbild

Vorsichtiges Aufatmen im Berliner Grunewald: Einen Tag nach Ausbruch des Feuers sind die meisten Flammen am Freitag gelöscht. Ein großes Problem aber bleibt: Der großräumig abgesperrte Sprengplatz, auf dem der Brand ausbrach. Die Explosionsgefahren waren dort noch immer so groß, dass die Experten von Feuerwehr und Polizei sich im Lauf des Tages nur mit gepanzerten Fahrzeugen nähern konnten, um die Lage zu untersuchen. «Wir müssen damit rechnen, dass es weiter zu Detonationen und zum Trümmerflug kommt», hieß es von der Feuerwehr.

Ein Sprengmeister der Polizei sei am Freitagvormittag mit einem Bergepanzer der Bundeswehr auf das Gebiet gefahren worden und habe erste Eindrücke gesammelt, sagte Feuerwehr-Sprecher Thomas Kirstein. Diese Eindrücke würden ausgewertet, dann erhalte die Feuerwehr eine Einschätzung der Lage. Davon ist abhängig, ob auch Feuerwehrleute das Gelände betreten dürfen und wann die nahe gelegene Autobahn und die Bahnstrecken wieder freigegeben werden können.

Im Wald an dem abgesperrten Sprenggelände, in dem es vereinzelt noch Flammen und Glut gab, war am Freitag auch ein gepanzertes Löschfahrzeug einer privaten Firma im Auftrag der Feuerwehr im Einsatz. Lösch-Roboter aus Niedersachsen sollen voraussichtlich auf das abgesperrte Gelände fahren und dort Wasser verteilen, sagte der Sprecher.

Am Freitagvormittag begann es immerhin leicht zu regnen. Ob das aber schon reicht, um für Entlastung zu sorgen? Unklar. Die nahe gelegene Autobahn und die S-Bahnstrecken im Südwesten Berlins waren weiterhin gesperrt. Wann sie wieder freigegeben werden können, hängt von den Erkenntnissen zum Sprengplatz ab.

Dort war das Feuer in der Nacht zu Donnerstag ausgebrochen. Tonnenweise alte Granaten, Munition und beschlagnahmte Feuerwerkskörper lagerten in Gebäuden auf dem Gelände. Explosionen waren zu hören, der Brand weitete sich im Lauf des Tages in dem trockenen Waldgebiet aus.

In der Nacht zu Freitag habe die Feuerwehr die Flächenbrände im Umkreis des Sprengplatzes weiter bekämpft, sagte Sprecher Thomas Kirstein am Freitagmorgen nach der ersten Lagebesprechung. «Diese Brände sind seit heute Morgen nahezu gelöscht.» Nur vereinzelt gebe es am Boden noch Glutnester und kleinere Feuer. Verletzte Menschen gab es bisher nicht.

Gebrannt hatte es demnach insgesamt auf einer Fläche von knapp 50 Hektar. Weiterhin seien 150 Feuerwehrleute sowie 500 Polizisten zur Absperrung im Einsatz. Ungünstig sei am Freitagmorgen das Auffrischen des Windes gewesen, weil es die Gefahr berge, dass das Feuer wieder aufflamme.

Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr wollten sich am Freitag auf den großen Sprengplatz konzentrieren, der seit der Nachkriegszeit mitten im Wald liegt und auf dem die Polizei normalerweise alte Weltkriegsbomben oder beschlagnahmte Explosionsstoffe sprengt. Wegen der Gefahren wurde am Donnerstag ein Sperrkreis mit einem Radius von 1000 Metern gezogen.

Ziel sei es nun, ein genaueres Lagebild von dem Sprengplatz zu erhalten, sagte Kirstein. Dafür fuhren am Vormittag diverse Spezialfahrzeuge auf. Die Feuerwehr habe «nahezu alles, was es an Technik gibt in Deutschland» anfahren lassen. «Wir fahren hier heute groß auf.» Auch weitere Bergepanzer der Bundeswehr wurden eingesetzt. Die Polizei wollte erneut ihren Hubschrauber über das Gebiet fliegen lassen. Tankwagen der Feuerwehr und Wasserwerfer der Polizei brachten Wasser.

Die Feuerwehr betonte, für die Einsatzkräfte sei dieser Brand der herausforderndste und gefährlichste in der Nachkreigsgeschichte. Dennoch sei der Schutz der Hauptstadt weiter gewährleistet. «Das ist bisher sehr gut gelungen.» Es habe parallel am Donnerstag und Freitagmorgen auch zwei weitere größere Einsätze zum Brandlöschen gegeben.

Die Ursache für den Brand im Grunewald ist derweil unklar. «Das war heute hier großes Thema: Wie kann es dazu kommen?», sagte Feuerwehr-Sprecher Kirstein am Donnerstagabend im Sender RBB. Mehrere Gebäude auf dem Gelände hätten bereits «in Vollbrand» gestanden, als die Feuerwehr eintraf. Ob es sich möglicherweise um Brandstiftung handelte, muss das Landeskriminalamt ermitteln. Dazu gibt es auch eine Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und den Sprengmeistern der Polizei.

Auf dem großen Gelände des Sprengplatzes lagerten laut Polizei rund 30 Tonnen «Kampfmittel und Munition» aus dem Zweiten Weltkrieg sowie mehrere Hundert Kilogramm Feuerwerkskörper, die etwa an Silvester beschlagnahmt wurden. In regelmäßigen Abständen werden diese Bestände gesprengt, zuletzt im März und April. Zur Sicherheit werden die gelagerten Bestände «dauerhaft beregnet». Zudem gebe es ein Brandschutzkonzept, Brandschutzschneisen und eine Brandmeldeanlage.

Den Sprengplatz zur Vernichtung von Waffen und Explosivstoffen gibt es seit 1950. Zuständig ist inzwischen die Polizei, die betonte, dass es immer wieder Überlegungen gegeben habe, den Ort zu verlegen. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik äußerte sich am Freitag offen für diese Debatte. «Aktuell ist dieser Sprengplatz die einzige genehmigungsfähige Anlage auf Berliner Grund mit 80 000 Quadratmetern, weit weg von Wohnbebauung, was der Feuerwehr auch gestern sehr genützt hat», sagte sie.

Auch Brandenburg habe kaum Ressourcen für einen gemeinsamen Sprengplatz im Berliner Umland. «Bisher haben wir da keine Möglichkeit gefunden. Nun wird es neue Gespräche geben.»

© dpa

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