Geplante Cannabis-Freigabe: Landwirte bereit zum Hanfanbau

Cannabis auch von brandenburgischen Feldern? Die Pläne zur Legalisierung sind umstritten, doch Landwirte wollen durchaus mitmischen. Unklar bleibt, wie hoch die Hürden sind.
Ein Landwirt tastet die Blätter einer Hanfpflanze auf einem Feld. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Landwirte in Brandenburg sind angesichts der geplanten Freigabe von Cannabis bereit zum Hanfanbau. Der Landesbauernverband sagte der Deutschen Presse-Agentur, Landwirte könnten sich den Anbau von Cannabis bei einer Legalisierung der Droge vorstellen. «Sie investieren gerne in den Anbau neuer Kulturen (...)», hieß es. Es müssten aber Bedingungen geschaffen werden, die einen praktikablen Anbau auf dem Acker und die Vermarktung auch ermöglichten. Der Verband werbe dafür, die Anbauregelungen so schnell wie möglich in Gang zu setzen. «Wir stehen in den Startlöchern», sagte am Donnerstag Landwirt Wilhelm Schäkel aus Wittstock/Dosse, bei dem seit 2015 auch Hanf auf den Feldern wächst.

Cannabis könnte nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bereits im übernächsten Jahr in Deutschland legal gekauft, angebaut und konsumiert werden. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch Eckpunkte für eine Legalisierung beschlossen. Die Umsetzung und Kriterien etwa für den Anbau waren aber noch offen. Cannabis und der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) sollen künftig rechtlich nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden. Die Bundesärztekammer lehnte die Pläne ab und warnte vor einer Bagatellisierung von gesundheitlichen Gefahren des Cannabis-Konsums.

Derzeit bauen Landwirte in Brandenburg laut Bauernverband nur Nutzhanf an mit dem gesetzlichen minimalen THC-Gehalt von 0,2 Prozent. Im Jahr 2021 kamen 24 Betriebe auf insgesamt 464 Hektar. Zum Stand im Mai dieses Jahres waren es nach Verbandsangaben 343 Hektar. Nutzhanf ist einsetzbar etwa als Baumaterial, für Textilien und als Lebensmittelzusatz. Auf den eher nährstoffarmen Böden können Hanfpflanzen recht gut gedeihen. «Wir schauen immer, was auf den Sandböden wachsen kann, und so sind wir auf Hanf gekommen», erzählte Landwirt Schäkel.

Im Nordwesten Brandenburgs wollen einige Landwirte schon seit längerem den Einsatz von Hanf voranbringen. Zur geplanten Cannabis-Freigabe sagte der Leiter der Projektgruppe Hanf im Landschaftspflegeverband Prignitz-Ruppiner Land, Jan Paki: «Das kann auf alle Fälle ein Geschäftsfeld sein». Landwirt Schäkel aus Wittstock sagte: «Man sollte mit den Landwirten reden, die da Bock drauf haben.» Er sieht allerdings noch rechtliche Probleme. Bedenken gibt es auch, wenn für den Cannabis-Anbau eine Art Hochsicherheitslager notwendig wird, wie Paki meinte.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen baut etwa das Pharmaunternehmen Demecan in Sachsen seit vergangenem Jahr Cannabis zu medizinischen Zwecken an - und im Auftrag des Staates. Seit 2017 können sich Patientinnen und Patienten Cannabis für medizinische Zwecke regulär vom Arzt verschreiben lassen. Es dient etwa der Schmerzlinderung für Schwerkranke.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll künftig der Erwerb und Besitz von bis zu 30 Gramm «Genusscannabis» straffrei werden, privater Eigenanbau in begrenztem Umfang erlaubt und ein Verkauf an Erwachsene in «lizenzierten Fachgeschäften» und möglicherweise auch in Apotheken möglich werden. Ein Gesetz will Lauterbach nur auf den Weg bringen, wenn die Pläne einer europa- und völkerrechtlichen Prüfung in Brüssel standhalten. Der Geschäftsführer des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft in Berlin, Jürgen Neumeyer, sagte, es müsse ein komplett neuer Markt geschaffen werden. Die Produktion sei nicht von heute auf morgen zu machen.

© dpa
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