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Langsame Behörden erschweren Wohnungsvermittlung

In Berlin haben es sich sechs Träger zur schwierigen Aufgabe gemacht, Wohnungen für Menschen ohne Obdach zu finden. Doch nicht nur das ist eine echte Herausforderung.
Obdachlosigkeit in Berlin
Ein Mann packt am Morgen im Regierungsviertel am Ufer der Spree zwischen dem Paul-Löbe-Haus und Elisabeth-Lüders-Haus sein Zelt zusammen. © Kay Nietfeld/dpa/Archivbild

Die Berliner Vereine des Wohnungslosenprojektes Housing First haben neben dem schwierigen Wohnungsmarkt vor allem mit langsam arbeitender Bürokratie zu kämpfen, wie einige Träger berichten. «Diverse Behörden arbeiten hin und wieder mehr als schleppend. Es dauert oft lange, bis die Kostenübernahme vom Jobcenter für die jeweiligen Mietverträge kommt», sagt etwa Sebastian Böwe von Housing First Berlin. Das Projekt vom Verein Neue Chance vermittelt seit 2018 Wohnungen an Obdachlose.

Inzwischen haben sich insgesamt sechs Organisationen dieser Aufgabe verschrieben. An diesem Montag will Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) besuchen. Dieser sucht Wohnungen für obdachlose Frauen und Kinder.

Auch auf den Wohnberechtigungsschein (WBS) müssten Obdachlose oft lange warten. «In jüngster Vergangenheit musste ich zweimal eine Bürgermeisterin einschalten, um WBS und Kostenübernahme der Miete zu bekommen. Für zwei Menschen, die sonst heute noch auf der Straße leben würden», berichtet Böwe.

«Verzögerungen beim Anmieten von Wohnungen bergen für die betroffenen Menschen das Risiko, dass der Wohnraum am Ende nicht angemietet werden kann. Das ist natürlich sehr ärgerlich», sagt der Sprecher der Sozialverwaltung, Stefan Strauß. Störungen konzentrierten sich aber lediglich auf Einzelfälle. Sozial-Staatssekretär Aziz Bozkurt habe sich deswegen bereits mit zwei Schreiben an die Geschäftsführungen aller Berliner Jobcenter gewandt und die problematische Situation angesprochen.

Auch Jens Krüger, Sprecher der Berliner Jobcenter, sieht Probleme eher bei Einzelfällen und vermutet eine «zu pauschale Kritik». Die Bearbeitung von Wohnungsangeboten erfolge mit sehr hoher Priorität. Dies ermögliche überwiegend eine Entscheidung noch am gleichen Tag, wenn alle notwendigen Unterlagen und Angaben vorlägen. «In den allermeisten Fällen können Mietübernahmegarantien so bereits am darauffolgenden Tag ausgehändigt werden», so Krüger.

Bei Housing First bekommen Obdachlose seit 2018 in Berlin niedrigschwellig Wohnungen. Vorher mussten sie viele Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel mögliche Schulden oder ihre Sucht in den Griff bekommen. Daran scheiterten viele. Die Vermittlung von Wohnungen ist aber bloß ein erster Schritt. Die Menschen werden auch im Anschluss pädagogisch und psychologisch begleitet.

Neben Housing First Berlin ist seit 2018 auch der SkF dabei. Er konnte nach eigenen Angaben in diesem Jahr 33 Wohnungen vermitteln, davon acht an Mütter mit insgesamt 14 Kindern. Bei Housing First Berlin konnten bereits 16 ehemals wohnungslose Menschen Mietverträge unterschreiben.

In diesem Jahr wurde das Projekt erweitert, vier weitere Träger gingen an den Start: der Verein Phinove, die Schwulenberatung Berlin, die ZIK gGmbH und My Way Soziale Dienste, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen im Blick haben.

Über Wartezeiten auf einen WBS von bis zu drei Monaten berichtet auch Christian Thomes, Geschäftsführer der ZIK gGmbH, die HIV-infizierte sowie von AIDS und anderen chronischen Erkrankungen betroffene Menschen in Berlin mit einem Zuhause versorgt. «Ist alles beisammen und eine konkrete Wohnung könnte vermittelt werden, kommt es oft zu langen Verzögerungen, weil ein Grundsicherungsamt oder Jobcenter die Übernahme der Kosten der Unterkunft nicht bescheinigt», so Thomes.

Doch trotz des schwierigen Wohnungsmarktes und der bürokratischen Hürden können die neuen Träger erste Erfolge bei der Wohnungssuche verzeichnen: «Zum 15.12. zieht der erste Nutzer in seine neue Wohnung», so Christian Thomes von ZIK. Außerdem lägen Zusagen für sechs weitere Wohnungen vor.

«Wir haben bereits eine Wohnung vermittelt, aktuell steht eine weitere Wohnung in Aussicht», berichtet Antje Sanogo von der Schwulenberatung Berlin. Bei My Way Soziale Dienste stehen zwei Wohnungen in Aussicht, so Geschäftsführer Marco Schulze.

«Wir konnten bereits eine Familie in eine Wohnung vermitteln. Bei zwei weiteren Familien stehen wir kurz vor Vertragsabschluss», berichtet Anna Hanf vom Verein Phinove, der sich auf Familien konzentriert - mit entsprechenden Herausforderungen, wie etwa der Suche nach Wohnungen ab drei Zimmern. «Auch Schulplatz- und Kitaplatzsuche beschäftigen uns sehr», so Hanf.

Um die Verwaltungsprozesse zu beschleunigen, halte ihr Verein es für sinnvoll, «wenn es in jedem Jobcenter Ansprechpersonen für die Housing First Projekte» gäbe, erklärt Antje Sanogo von der Schwulenberatung. Andres sieht das hingegen der Jobcenter-Sprecher: «Bei einem festen Ansprechpartner sehen wir die Gefahr, dass die tägliche Erreichbarkeit nicht sichergestellt werden kann», so Krüger. «Dennoch begrüßen wir als Berliner Jobcenter ausdrücklich die Idee, mit den Trägern des Projekts Housing First in einen direkten und einzelfallunabhängigen Austausch zu treten.»

Laut Sozialverwaltung wird Housing First derzeit über Zuwendungen an Projektträger finanziert. Im Doppelhaushalt 2022/2023 sind für die Projekte insgesamt 6,1 Millionen Euro vorgesehen. Perspektivisches Ziel ist demnach die Überführung von Housing First in das Regelsystem.

© dpa ⁄ Anja Sokolow, dpa
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