Tödliche Familienfehde: Mutmaßlicher Schütze gesteht

Ein Streit über einen Kino-Sitzplatz führt zu einer langen Feindschaft zwischen zwei Familien. Am Ende wird ein Mann erschossen. Nun stehen ein Vater, einer seiner Söhne und dessen Cousin vor Gericht
Eine Darstellung der Göttin Justitia. © Carsten Koall/dpa/Symbolbild

Ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf einen 42 Jahre alten Mann vor einer Shisha-Bar in Berlin-Wedding hat am Landgericht der Prozess gegen einen Vater und seinen 34-jährigen Sohn sowie dessen Cousin begonnen. Der Sohn gab am Mittwoch zu, geschossen zu haben. Er habe mit einer erneuten Eskalation in der jahrelangen Fehde zwischen seiner und der Familie des Opfers gerechnet und sich deshalb spontan entschlossen, eine Pistole einzusetzen, so der 34-Jährige. Sein Vater und sein Cousin hätten nicht einmal gewusst, dass er eine Waffe besessen habe. Er bereue die Tat zutiefst. Die Anklage gegen die drei Männer lautet auf gemeinschaftlichen Mord.

Der 34-Jährige soll Anfang Oktober 2021 vor einer Shisha-Bar in Berlin-Wedding auf das Opfer geschossen haben. Der 42-Jährige sei durch zwei gezielte Schüsse in den Kopf getötet worden. Die drei Männer mit bosnisch-herzegowinischer Staatsangehörigkeit hätten heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, heißt es in der Anklage. Der 52-jährige Vater und der 29-jährige Cousin des mutmaßlichen Schützen hätten die Tat abgesichert. Hintergrund der Schüsse sollen Verwicklungen sein, die sich ab 2005 von einem Streit über einen Sitzplatz in einem Kino bis 2021 zu einer Familienfehde ausgewachsen haben. Nach einer Hochzeitsfeier im Herbst 2018 kam eine Schwester beziehungsweise Tochter und Cousine der Angeklagten bei einem Angriff auf den 42-Jährigen tragisch ums Leben. Ein Schuss hatte sich aus einer Waffe gelöst, die ein Mitglied ihrer Familie nicht ausreichend gesichert hatte. Dennoch habe ihre Familie dem 42-Jährigen vorgeworfen, für ihren Tod verantwortlich zu sein, so die Anklage. Aus Rache sei der Mann erschossen worden.

Vater und Sohn befanden sich zur Tatzeit im offenen Vollzug und durften tagsüber das Gefängnis verlassen. Beide verbüßten damals eine Strafe von jeweils drei Jahren wegen der Attacke nach einer Hochzeitsfeier. Sie hätten dem Mann in einer «affektgeladenen Situation» einen «Denkzettel» verpassen wollen, hieß es im Juli 2019 im Urteil. Im Prozess hätten sie Reue gezeigt, Die Angeklagten hätten insgesamt 20.000 Euro als Täter-Opfer-Ausgleich gezahlt.

Der 34-Jährige erklärte über einen seiner Verteidiger weiter, der 42-Jährige habe nach dem Urteil der Justiz keine Ruhe gegeben und darauf bestanden, dass es ein «Roma-Gericht» geben müsse. Es sei beschlossen worden, dass der 42-Jährige für eine Zeit lang Berlin verlassen sollte. «Wir wollten unsere Ruhe und keine weiteren Auseinandersetzungen», so der 34-Jährige. Von dem 42-Jährigen aber seien weiter Provokationen und Bedrohungen ausgegangen. Er habe sich auch nicht an die auferlegte «Regel über das gegenseitige Meiden» gehalten.

Als der 42-Jährige erst in und dann vor der Shisha-Bar gestanden habe, habe er einen Angriff befürchtet, hieß es in der Erklärung des 34-Jährigen. Deshalb habe er sich zu seinem Schutz von einem Gast eine Pistole geliehen. Er sei davon ausgegangen, dass der 42-Jährige «seine tschetschenischen Freunde herbeitelefonieren würde». In dem Gefühl, der Kontrahent würde ihn und seine Familie nie in Ruhe lassen, habe er ohne Wissen der Mitangeklagten geschossen. Er habe eine für ihn «unerträgliche Drucksituation» auflösen wollen.

Die beiden weiteren Angeklagten haben zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Prozess wird am 7. Oktober fortgesetzt.

© dpa
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