KZ-Prozess: 101-Jähriger legt Revision gegen Haft-Urteil ein

04.07.2022 Knapp neun Monate lang verhandelte das Landgericht Neuruppin gegen einen früheren SS-Wachmann im KZ Sachsenhausen. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen. Dagegen geht der 101-Jährige nun juristisch vor.

Außenansicht vom Landgericht und Staatsanwaltschaft Neuruppin. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Ein ehemaliger Wachmann des Konzentrationslagers Sachsenhausen hat nach seiner Verurteilung zu fünf Jahren Haft Revision gegen das Urteil eingelegt. Das bestätigte das Landgericht Neuruppin am Montag auf Anfrage. Der 101-Jährige habe nach Zustellung des schriftlichen Urteils einen Monat Zeit, seine Revision zu begründen, teilte Gerichtssprecherin Iris le Claire mit. Dann müsse der Bundesgerichtshof (BGH) über die Revision entscheiden. Die Strafkammer habe für die Abfassung des schriftlichen Urteils eine Frist bis zum 27. September.

Die 1. Strafkammer hatte den hoch betagten Angeklagten am vergangenen Dienstag wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 3500 Lagerhäftlingen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der 101-Jährige hatte im Prozess hartnäckig bestritten, überhaupt in dem KZ tätig gewesen zu sein. Stattdessen will er als Landarbeiter gearbeitet haben. Diese Aussage stufte das Gericht aufgrund zahlreicher Dokumente mit den persönlichen Daten des Angeklagten, die auf eine Tätigkeit als Wachmann der SS in dem KZ hinwiesen, als nicht glaubwürdig ein.

Der Verteidiger Stefan Waterkamp hatte schon direkt nach dem Urteil gegen seinen Mandanten Revision angekündigt. Der BGH habe in seiner bisherigen Rechtsprechung die bloße Tätigkeit in einer Wachmannschaft eines KZ als nicht ausreichend für eine Verurteilung wegen Beihilfe zu den NS-Verbrechen gesehen, sagte Waterkamp zur Begründung. Konkrete Taten bei Morden an Häftlingen waren dem 101-Jährigen in dem Prozess nicht nachgewiesen worden.

Die Entscheidung des BGH über die Revision wird erst im kommenden Jahr erwartet. Falls das oberste Gericht die Revision zurückweise, erlange das Urteil Rechtskraft, erläuterte die Gerichtssprecherin. Dann müsste die Staatsanwaltschaft als Strafvollstreckungsbehörde tätig werden. Dabei wäre die Haftfähigkeit des mehr als 100 Jahre alten Mannes eine entscheidende Frage. Falls der BGH das Urteil aufhebt, muss der Fall vor einem Landgericht neu verhandelt werden.

© dpa

Weitere News

Top News

Sport news

Schwimm-EM in Rom: Gold und Bronze für Wasserspringer: «Riesenerleichterung»

Tv & kino

Talkshow: Frank Plasberg hört bei «Hart aber fair» auf

People news

Film: «Danke, Wolfgang» - Trauer um Star-Regisseur Petersen

Games news

Featured: Squirrel with a Gun: Dieses verrückte Spiel geht gerade viral

Auto news

Sommerhitze: Waldbrandgefahr: Autos nicht auf trockenen Flächen parken

Job & geld

Polizei warnt: Vorsicht: Lukrative Jobangebote im Netz können Betrug sein

Handy ratgeber & tests

Featured: Galaxy Watch5 (Pro) vs. Galaxy Watch4 (Classic): So hat Samsung seine Smartwatch verbessert

Handy ratgeber & tests

Featured: Tower of Fantasy: Tier-List – alle Charaktere und Waffen im Ranking

Empfehlungen der Redaktion

Regional berlin & brandenburg

Nationalsozialismus: KZ-Prozess: Verteidigung fordert Freispruch für 101-Jährigen

Regional berlin & brandenburg

Nationalsozialismus: Beihilfe zum Mord im KZ: Fünf Jahre Haft

Inland

Nationalsozialismus: Haft für einstigen KZ-Wächter wegen Beihilfe zum Mord

Regional berlin & brandenburg

Justiz: KZ-Prozess: Gericht will frühere SS-Wachmänner als Zeugen

Inland

Nationalsozialismus: Auschwitz-Komitee: Meisten Nazi-Täter bleiben unbehelligt

Regional berlin & brandenburg

Gerichtsverhandlung: KZ-Wachmann: Fortsetzung des Prozesses steht auf der Kippe

Inland

Prozess: Mutmaßlicher SS-Wachmann: Staatsanwalt für fünf Jahre Haft

Regional berlin & brandenburg

Erkrankung: Prozess gegen mutmaßlichen KZ-Wachmann erneut ausgesetzt