Frau nach Trennung auf Straße ermordet? Ehemann vor Gericht

Auf offener Straße wird eine Frau erstochen - mit 13 Messerstichen und Schnitten. Die Mutter von sechs Kindern hatte sich einige Wochen zuvor von ihrem Ehemann getrennt. Ein Femizid? Nun hat der der Prozess begonnen.
Die Justitia ist an einer Scheibe am Eingang zum Oberlandesgericht zu sehen. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild

Sie wollte nur einen kurzen Weg erledigen. Doch die 31 Jahre alte Mutter von sechs Kindern wurde auf offener Straße umgebracht - mit 13 Messerstichen. Sieben Monate nach der Tat steht ihr Ehemann vor dem Berliner Landgericht. Von einem Mord aus niedrigen Beweggründen geht die Staatsanwaltschaft aus. Der 42-Jährige habe sich «in seinem Ehrgefühl» durch die von ihr erklärte Trennung gekränkt gefühlt, heißt es in der Anklage. Die Verteidiger kündigten am Dienstag an, dass ihr Mandant im Prozess aussagen werde.

Äußerlich regungslos zeigte sich der Angeklagte. Er soll seine Frau im Jahr 2008 in seiner Heimat in Afghanistan nach islamischem Recht geheiratet haben. Da war sie 17 Jahre alt. Es soll eine arrangierte Ehe gewesen sein. Aus der Ehe gingen bis 2019 sechs gemeinsame Kinder hervor - das jüngste sei heute drei Jahre alt, hieß es am Rande der Verhandlung. Über Iran, Türkei und Griechenland soll die Familie Anfang 2020 nach Deutschland gekommen sein.

«Er bedrohte und schlug meine Schwester», schilderte nun die erste Zeugin. Nach der Ankunft in Berlin habe die 31-Jährige einen Deutschkurs besucht und in der Hoffnung gelebt, dass ihr Mann «sich bessert, von den Menschen lernt». Die 33-jährige Schwester des Opfers kämpfte mit den Tränen: «Doch das passierte nicht.» Mehrmals habe ihre Schwester wegen häuslicher Gewalt die Polizei gerufen. Bei der Polizei hatte die 33-Jährige erklärt: «Er stuft Frauen niedriger ein als Männer.»

Im Februar dieses Jahres soll er seine Ehefrau in einem Wohnheim im Stadtteil Pankow, in dem die Familie untergekommen war, geschlagen haben. Danach musste der 42-Jährige das Haus verlassen. Er erhielt laut Ermittlungen ein Betretungsverbot. Doch er habe seiner Frau nachgestellt. Im März soll er sie in einem Park attackiert haben. Am 29. April habe er sie an einer Straßenkreuzung unweit des Heimes mit einem Messer angegriffen. Die sechsfache Mutter starb noch am Tatort.

Der 42-Jährige habe seine Frau durch die Tötung auch «bestrafen» wollen, weil sie aus seiner Sicht mit anderen Männern Kontakte unterhielt und sie sich «seinen beständigen Vorgaben zur Lebensführung widersetzte», heißt es weiter in der Anklage. Der Mann soll sich im Ermittlungsverfahren geäußert haben. Zu einem Tatmotiv seien allerdings «keine geständigen Angaben gemacht worden», hieß es nun am Rande.

Die Kinder der Getöteten befinden sich seit dem Tod ihrer Mutter in einem Kinderheim. Alle seien traumatisiert und würden psychologisch behandelt, sagte ein Betreuer. Nach der Trennung habe der Vater die Kinder treffen können. Sie hätten ihn als «laut und zupackend der Mutter und den Kindern gegenüber erlebt».

Nach dem mutmaßlichen Mord kam es zu Kritik an der Polizei und an Behörden. Es sei bekannt gewesen, dass sich die sechsfache Mutter in Gefahr befunden habe, kritisierten Frauenrechtsorganisationen. Ein Rechtsanwalt, der die Kinder im Prozess als Nebenkläger vertritt, sagte, rechtlich sei «alles gemacht worden, es hat nicht ausgereicht».

Das Gericht hat bislang 17 weitere Verhandlungstage terminiert. Der Angeklagte wird sich möglicherweise am zweiten Prozesstag am Freitag äußern.

© dpa
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