Leag-Betriebsrat: Für mehr Kohleverstromung fehlt Personal

02.07.2022 Mit einem Wiederanfahren zweier Kraftwerksblöcke in Jänschwalde wächst auch der Bedarf an Mitarbeitenden. Das Unternehmen ist in der Energiekrise gefordert. Hinzu kommen neue Geschäftsfelder.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Kohlekraftwerks. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Für den umfangreicheren Einsatz der sich in Sicherheitsbereitschaft befindenden Blöcke E und F des Kraftwerks Jänschwalde in der Lausitz fehlt nach Angaben des Betriebsrats des Betreibers Leag Personal. Über 100 Mitarbeitende würden im Energieunternehmen gebraucht, sagte der Vorsitzende Maik Rolle am Samstag im Inforadio des rbb. Die Situation sei ein Sonderfall und so nicht voraussehbar gewesen. «Wir sind bereit und versuchen das hinzukriegen», betonte er. Die Leag schreibt derzeit viele Stellen aus. Gesucht werden Angaben des Unternehmens zufolge unter anderem Maschinisten und E- oder Leittechniker für den Kraftwerksbetrieb.

Die beiden 500-MW-Kraftwerksblöcke E und F befinden sich in vierjähriger sogenannter Sicherheitsbereitschaft. Nach dem geltenden Gesetz ist ihr Einsatz nur in Notfallsituationen vorgesehen. Block F sollte zum 1. Oktober 2022, Block E zum 1. Oktober 2023 endgültig stillgelegt werden. Während der Sicherheitsbereitschaft nehmen die Blöcke nicht am aktiven Marktgeschehen teil.

Das Anfahren der Blöcke sei nicht einfach, dafür gebe es bestimmte Regularien - vor allem für einen möglichen Dauerbetrieb, erklärte Rolle. Nach Angaben der Leag erfordert ein umfangreicher Einsatz eine Befreiung von Auflagen zur Einhaltung von Emissionsgrenzwerten. Die Blöcke erfüllten nicht die derzeit geltenden technischen Vorgaben, eine den neuen Anforderungen entsprechende technische Nachrüstung wäre in der zur Verfügung stehenden Zeit bis zu einem möglichen Dauerbetrieb nicht umsetzbar.

Das Lausitzer Energieunternehmen Leag ist mit knapp 7000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber in der Lausitz, dessen bisherige Kerngeschäftsfelder der Braunkohleabbau und die Kohleverstromung war. Das Unternehmen baut zugleich mehrere neue Geschäftsfelder auf - darunter fällt auch das Projekt für ein innovatives Speicherkraftwerk. Dazu verständigte sich das Unternehmen in dieser Woche mit beteiligten Behörden und Trägern öffentlicher Belange über die erwarteten Anforderungen an einen Genehmigungsantrag und weitere benötigte Unterlagen und Gutachten.

Basis des Konzeptes für ein solches Speicherkraftwerk am Standort in Jänschwalde ist ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, das zunächst mit Erdgas betrieben werden soll, aber über die technischen Voraussetzungen verfügt, Erdgas schrittweise durch Wasserstoff zu ersetzen. Die Elektrolyse von grünem Wasserstoff ist in einem weiteren Modul direkt am Standort vorgesehen. «Wir brauchen für die Menschen eine Anschlusslösung», erklärte Betriebsratschef Rolle. Ende 2028 soll das Kraftwerk vollständig stillgelegt werden.

Brandenburgs Ministerpräsident verteidigte unterdessen den den geplanten Einsatz von mehr Kohlekraftwerken zur Senkung des Gasverbrauchs. «Es geht ja nicht um einen dauerhaften Betrieb», sagte er dem Handelsblatt. Forderungen nach einem längeren Betrieb der drei verbliebenen Atomkraftwerke wies Woidke zurück. «Niemand will den Atommüll, die Endlagerfrage ist weiterhin nicht geklärt.»

© dpa

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