NS-Vergangenheit in der Justiz: Webseite zu Projektergebnis

06.07.2022 Karriere machen trotz NS-Vergangenheit? Untersuchungen haben gezeigt, dass dies auch in der Justiz möglich war - Berlin bildete keine Ausnahme. Ein Forschungsprojekt veröffentlicht nun Details.

Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Wie viele Beschäftigte der Berliner Justizverwaltung hatten eine NS-Vergangenheit und wie ist die Behörde damit umgegangen? Das untersuchen die Freie Universität (FU) und die Humboldt-Universität (HU) in einem gemeinsamen Forschungsprojekt seit gut drei Jahren. Zwischenergebnisse werden nun auf einer neuen Webseite präsentiert. Diese Form der Darstellung sei vor allem auf Initiative der jungen Studierenden zurückzuführen, erklärte am Mittwoch Rechtswissenschaftler Jan Thiessen, der das Projekt an der HU begleitet. Die Untersuchungen sollen fortgesetzt werden, geplant ist nach Justizangaben zudem eine Publikation im nächsten Jahr.

Für das Projekt wurden seit 2019 erstmals Quellen ausgewertet, die der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich waren. Man habe auf einen fast vollständigen Korpus von Personalakten zurückgreifen können, schilderte Thiessen. «Diese sehr staubigen Akten werden jetzt lebendig, weil wir sie in die Zukunft tragen», erklärte Anna Lanzrath, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an dem Projekt beteiligt ist. Auf der Website werden von insgesamt 451 untersuchten Personen 34 näher beleuchtet, Querverbindungen zu anderen hergestellt und Beispiele von Antisemitismus benannt.

Das Projekt mit dem Titel «Die Berliner Justizverwaltung nach 1945 - sachliche und personelle Kontinuitäten zur NS-Justiz» wird von der Senatsverwaltung für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung gefördert. Bislang seien rund 160 000 Euro dafür geflossen, hieß es.

Nachdem das Bundesjustizministerium sein NS-Erbe bis 2016 hatte aufarbeiten lassen («Die Akte Rosenburg»), zogen weitere Stellen wie etwa der Bundesgerichtshof, die Bundesanwaltschaft und das Bundesverfassungsgericht nach. Auch für Berlin war das Anlass, die Vorgänge nach 1945 unter die Lupe zu nehmen.

Die Justizverwaltung in der Hauptstadt eigne sich in besonderer Weise für diese Untersuchung, sagte HU-Rechtswissenschaftler Ignacio Czeguhn. Neben der NS-Vergangenheit gehe es um die Frage, welche Auswirkungen der in Berlin unmittelbarer als andernorts spürbare Kalte Krieg gehabt habe. Bei den Untersuchungen habe sich gezeigt, so Czeguhn: «Der Senatsverwaltung ist es häufig in den 50er, 60er Jahren wichtiger gewesen, einer Verbindung zum Kommunismus nachzuforschen, als die Frage zu stellen, waren die Persönlichkeiten, die in der Justizverwaltung arbeiten sollen, in NS-Geschehen involviert.»

Das Forschungsprojekt hat bislang die Vorgänge in der West-Justiz untersucht. Den Grundstein bildeten Geschäftsverteilungspläne aus der Zeit von 1949 bis 1974. Viele Unterlagen stammen aus dem heutigen Dienstsitz der Senatsjustizverwaltung, dem Ex-Verwaltungsgebäude des Nordstern-Versicherungskonzerns in Berlin-Schöneberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich in dem markanten, aber schwer beschädigten Gebäude die Justizverwaltung. Es ist auch Namensgeber für die Internetseite des Forschungsprojekts.

© dpa

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