Künftiger Cottbuser OB Schick will neuen Politikstil

Wechsel an der Spitze der zweitgrößten Stadt Brandenburgs: In Cottbus lenkt künftig Tobias Schick die Geschicke. Arbeiten will der SPD-Politiker nach einer ganz eigenen Agenda.
Der zukünftige Oberbürgermeiser der Stadt Cottbus, Tobias Schick (SPD) gibt nach seinem Wahlsieg eine Pressekonferenz. © Frank Hammerschmidt/dpa/Archivbild

Als ehemaliger Hürdenläufer weiß der künftige Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick, was ihn erwartet: Hürden nehmen. Dafür wolle er sich um Netzwerke kümmern, Gemeinsamkeiten nach vorn stellen und Austausch suchen, sagt der 42-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Begonnen damit hat er bereits vor der Amtsübergabe an diesem Mittwoch. Der SPD-Politiker lud alle Fraktionschefs der Stadtverordnetenversammlung ein, um die Pläne für den Haushalt 2023 transparent zu machen - «ganz unorthodox», wie er selbst erzählt. «Ich will einen neuen Stil der Politik, eine andere Kommunikation und eine bessere Verständigung - parteiübergreifend.»

Ein erster Erfolg: Der Haushalt wurde vergangene Woche in erster Lesung fraktionsübergreifend einstimmig verabschiedet - ein «Novum» für Cottbus, wie der SPD-Politiker sagt. In dem Etat von knapp 500 Millionen Euro sind mehr Mittel für die Entwicklung der Cottbuser Ortsteile, für Spielplätze, Radwege und mehr Ordnungs- und Sozialarbeit in der Innenstadt eingestellt. Auch Geld für mehr Stellen bei der Bearbeitung von Wohngeld und Mittel für die Planung einer neuen Schule sind enthalten. Gerade für die soziale Infrastruktur werde mehr Geld gebraucht.

Die Amtsgeschäfte übernimmt Schick am Mittwoch um 14.00 Uhr. Gewählt ist er für acht Jahre. In einer Stichwahl am 9. Oktober hatte er sich mit 68,6 Prozent klar gegen den AfD-Bewerber Lars Schieske durchgesetzt. Schieske kam auf 31,4 Prozent. Der bisherige OB Holger Kelch (CDU) trat aus Gesundheitsgründen nicht mehr an. Schick will sich für einen Imagewandel einsetzen. Berührungsängste habe er keine, sagt er. «Ganz wichtig ist: Ich bleibe nicht in meinem Rathaus. Man wird mich sehen. Und man darf mich auch gern ansprechen.»

Cottbus gilt dem Verfassungsschutz Brandenburg zufolge als Schwerpunkt des Rechtsextremismus. In den vergangenen zwei Jahren gab es dort größere Proteste gegen Corona-Bestimmungen, immer wieder mit Beteiligung von Rechtsextremen. Aktuell wird in Cottbus gegen die Folgen des Kriegs in der Ukraine und steigende Energiepreise protestiert.

Die Demonstrationen hätten auch die Stadtspitze wachgerüttelt, sagt Schick. «Die Frage ist doch: Was machen wir?». Die Stadt fange nicht bei Null an. Es gebe engagierte Bündnisse für ein demokratisches und tolerantes Miteinander und eine agile Stadtgesellschaft. Schüren von Hass und Gewalt dürfe es nicht geben. «Die Frage ist aber immer auch die Wahrnehmung und wer ist ein bisschen lauter». Die Stadt suche nach neuen Kommunikationswegen. Nach der Wende seien in der DDR dafür «runde Tische entstanden» «Da müssen wir wieder hin.» Auch Ortsteilrundgänge zu bürgerfreundlichen Zeiten und moderne Bürgerdialoge sind geplant.

© dpa
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