Entspannung bei Großbrand: Experte mahnt rasches Umdenken an

Seit Tagen kämpfen die Einsatzkräfte im Süden Brandenburgs ununterbrochen gegen die Flammen bei Rehfeld. Es gibt Erfolge. Doch die Gefahr bleib. Ein Experte erklärt, warum ein rasches Umsteuern beim Waldumbau nötig sei.
Der Stumpf einer gefällten Fichte auf einer Rodungsfläche. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/dpa/Symbolbild

Verkohlte Bäume, von Asche bedeckter Waldboden und immer wieder züngelnde Flammen und aufsteigender Rauch von Glutnestern: Die Gefahr beim großen Waldbrand im Elbe-Elster-Kreis ist noch nicht gebannt. Nachdem die Einsatzkräfte im Brandgebiet von Kölsa-Rehfeld am Freitag aufgestockt worden waren, spricht der Landkreis am Abend jedoch von einer leichten Entspannung. Das Feuer konnte erfolgreich bekämpft werden, wie Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) nach einem Besuch vor Ort mitteilte. Er bedankte sich bei allen Helfern für «ihren unerschrockenen Einsatz, Mut und die Hilfsbereitschaft».

360 Feuerwehrleute hatten tagsüber im Brandgebiet von Kölsa-Rehfeld auf insgesamt rund 430 Hektar vom Boden aus gegen die Flammen gekämpft. Zuvor hatte eine Drohne den Angaben zufolge exakte Einsatzinformationen geliefert. Am Abend waren nach Angaben des Landkreises noch 250 Feuerwehrleute im Einsatz. Immer wieder komme es zu kleinen Feuern, die unter Kontrolle gebracht werden müssten, erklärte ein Sprecher.

Insgesamt habe sich die Lage jedoch entspannt. Weitere Entspannung könnte für Samstag angekündigter Regen bringen. Ab der Nacht zum Samstag ist das Badeverbot aufgehoben, das der Landkreis für das Naherholungsgebiet Kiebitz ausgesprochen hatte, damit Hubschrauber dort Wasser zum Löschen entnehmen konnten.

Hilfe kommt weiter von Bundeswehr und Polizei. So stehen Transporthubschrauber der Bundeswehr bis einschließlich Sonntag in Bereitschaft, um beim Löschen jederzeit Unterstützung leisten zu können, hieß es vom Landkreis. Das gelte auch für zwei Pionierpanzer und die Löschfahrzeuge der Bundeswehr.

Die Pionierpanzer der Bundeswehr halfen beim Schneisen- und Wegebau und unterstützten die Hilfsorganisation @fire. Diese brannte am Freitag seit den Morgenstunden an der Bundesstraße 183 Vegetation gezielt ab, um zu verhindern, dass Totholz Feuer fängt. So soll den Angaben zufolge ein Übergreifen des Feuers auf andere Gebiete verhindert werden. Die Flächen werden auf einer Gesamtlänge von 1300 Metern vorbeugend mit biologisch abbaubaren Flüssigbrennstoffen behandelt.

Experten von @fire beraten die örtlichen Einsatzstäbe auch bei Fragen etwa zum Einfluss des Wetters auf das Brandgeschehen. Während der Waldbrandsaison sind nach Angaben der Organisation stets etwa fünf ehrenamtliche Kräfte von @fire auf dem Bundeswehrgelände in Brück/Kloster Lehnin in Bereitschaft. Von dort könnten die Kräfte im Ernstfall schnell zum Einsatz kommen. Die Hilfsorganisation hat in Deutschland rund 450 Mitglieder, hinzu kommen etwa weitere 150 aus Österreich, der Schweiz und Italien.

Die Bundeswehr ist mit insgesamt sechs Hubschraubern zur Erkundung und für den Löscheinsatz dabei. Wasserwerfer der Polizei und weitere Tanklöschfahrzeuge der Bundeswehr unterstützen die Kräfte vor Ort. Seit dem Morgen half zudem ein Löschpanzer aus Sachsen bei der Brandbekämpfung in einem munitionsbelasteten Gebiet.

Auch das Technische Hilfswerk (THW) unterstützt die Löscharbeiten. Etwa 30 Helferinnen und Helfer versorgen die benötigten Fahrzeuge mit Treibstoff und räumen Waldwege frei.

Um eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern, verkündete der benachbarte Landkreis Nordsachsen jenseits der Landesgrenze am Freitagabend ein Betretungsverbot für einen Teil der Wälder. Maßgeblich für die Entscheidung sei auch die anhaltende Belastung der Feuerwehren, teilte der Landkreis mit.

Waldexperte und Biologe Pierre Ibisch fordert ein rasches Umsteuern bei der Bewirtschaftung der Wälder. «Immer noch wird behauptet, dass Waldumbau viel Zeit koste und man deshalb noch nicht weiter sei», sagte der Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde der Deutschen Presse-Agentur. «Tatsache ist, dass nach wie vor noch Nadelbaumplantagen neu angepflanzt werden - gerade auch auf Flächen, auf denen Nadelbäume gerade abgestorben oder verbrannt sind. Das muss jetzt sofort aufhören.»

Die Bewirtschaftung von Wäldern und Äckern habe in weiten Teilen zur Schädigung von wasserspeichernden Böden geführt, sagte Ibisch. Auf einem Großteil der Waldfläche in Deutschland stehen ihm zufolge mehr oder weniger naturferne Forsten, oftmals aus Nadelbäumen. «Diese sind nicht nur die ersten Opfer der Klimakrise, sondern zudem auch besonders brennbar. Es rächt sich jetzt, dass man die lange bekannte Aufgabe der Waldentwicklung - oft aus betriebswirtschaftlichen Gründen - verschleppt hat.»

Eine Atempause für die stark belasteten Einsatzkräfte könnte der vom Deutschen Wetterdienst für diesen Samstag angekündigte Regen bringen. Die zu erwarteten Niederschlagsmengen für Südbrandenburg sind aber noch unklar. In der kommenden Woche sieht es dann wieder nach trockenen Tagen aus. Nach der Trendvorhersage des DWD kann es dann wieder größere Hitze geben, Regen dürfte dann rar sein.

© dpa
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