Berlin kann sich in Bildungsranking leicht verbessern

Berlins Bildungsystem hat viele Baustellen. Eine neue Studie zeigt sie auf. Die Reaktionen aus der Politik fallen unterschiedlich aus.
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Berlin schneidet in einem neuen Ländervergleich zur Bildungsqualität etwas besser ab als vor Jahresfrist, hat aber noch einige Hausaufgaben zu bewältigen. Im neuen «INSM-Bildungsmonitor» rangiert die Hauptstadt unter den 16 Bundesländern auf Platz 11. In den beiden Vorjahren lag sie auf Platz 13, 2019 auf dem letzten Platz 16.

In dem am Mittwoch veröffentlichten Ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sind zahlreiche Baustellen aufgelistet. Sie betreffen nicht zuletzt die Schulen, aber auch die Berufsschulen.

So habe bei Vergleichsarbeiten ein relativ hoher Anteil der Schüler nicht die Mindeststandards erreicht, heißt es. Außerdem habe die Schulabbrecherquote im Jahr 2020 bei 6,6 Prozent gelegen und damit über dem Bundesdurchschnitt von 5,8 Prozent. Bei diesen Indikatoren für Bildungsarmut lag Berlin im Ranking nur auf Platz 15.

Defizite sieht die Studie auch bei der beruflichen Bildung - trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren. So seien 2021 - gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter - mit 51,1 Prozent relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten worden (Bundesdurchschnitt: 67,4 Prozent). Das bedeutet den letzten Platz im Ländervergleich. Genauso schlecht steht Berlin bei der Quote der unversorgten Bewerber da, die 2021 mit 14,2 Prozent einmal mehr deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (8,5 Prozent) lag.

Den Spitzenplatz nimmt Berlin hingegen bei Betreuungsbedingungen ein. So kamen laut Studie 2020 rechnerisch 13,7 Schüler der Sekundarstufe I (Gymnasium) auf eine Lehrkraft (Bund: 15). Dies ist der beste Wert aller Bundesländer. An den Hochschulen ist die Betreuungsrelation mit 15,6 ebenfalls gut (Bund: 18), das gilt auch für die Kitas mit einer Quote von 5 Kindern je Betreuenden (Bund: 5,6).

Berlin setzt der Studie zufolge stark auf Ganztagsbetreuung. 82,7 Prozent der Grundschüler lernten im Jahr 2020 demnach an einer offenen oder gebundenen Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 46,3 Prozent). Das ist der vierthöchste Wert aller Bundesländer.

Bei der Digitalisierung landet Berlin in dem Ranking auf dem 6. Platz. So sei verglichen mit anderen Bundesländern die Ausstattung mit schnellem WLAN an den Berliner Schulen schon relativ gut, heißt es in der Studie. Es werde jedoch noch relativ selten täglich mit digitalen Medien im Schulunterricht gearbeitet.

Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) bewertete die Studienergebnisse positiv. Sie belegten, dass das Berliner Bildungssystem grundsätzlich auf einem guten Weg sei. Und: «Die Ergebnisse zeigen, dass das Bildungssystem in Berlin eines der dynamischsten aller Bundesländer ist.»

FDP-Bildungsexperte Paul Fresdorf nannte das Abschneiden Berlins in dem Ranking hingegen «schwach». «Die Baustellen an den Berliner Schulen sind seit vielen Jahren bekannt und wurden immer noch nicht ausreichend angegangen.» Platz 11 von 16 - da könne an den hiesigen Schulen nicht viel passiert sein, meinte er. «Es zeigt, dass Senatorin Busse bis heute eher den Mangel verwaltet hat, anstatt endlich zu gestalten und dringend zu verbessern.»

Die Vereinigung der Wirtschaftsverbände Berlin und Brandenburg (UVB) bemängelte, bei viel zu vielen Schülern sei das Bildungsniveau dürftig. «Bildungsarmut und hohe Schulabbrecher-Zahlen kommen hinzu. Angesichts der beträchtlichen staatlichen Bildungsausgaben pro Schüler ist das kaum zu verstehen», sagte UVB-Hauptgeschäftsführer Alexander Schirp.

Die Vergleichsstudie bewertet anhand von 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Die zusammengetragenen Daten stammen zumeist aus den Jahren 2020 und 2021. Die INSM wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektro-Industrie finanziert.

© dpa
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