Kampf gegen Clankriminalität: Rund 850 Taten registriert

Koks-Taxis, bewaffnete Raubüberfälle auf Geldtransporter, Schießereien zwischen verfeindeten Familien. Berlin gehört zu den Hotspots von Clankriminalität. Eine Analyse beleuchtet die Strukturen.
Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach eines Streifenwagens der Polizei. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Die Berliner Polizei hat im vergangenen Jahr 849 Straftaten registriert, die sie der Clankriminalität zuordnet. Das waren etwas weniger als 2020 (1013), wie aus dem aktuellen Lagebericht zur Clankriminalität der Berliner Innenverwaltung hervorgeht. Laut der am Freitag veröffentlichten Analyse waren 295 Verdächtige (2020: 291) dem Bereich der Clankriminalität zuzuordnen. Schwerpunkte bildeten dabei Verkehrsdelikte, Drogen-, Gewalt- und Eigentumskriminalität sowie Betrugstaten, heißt es in dem 42 Seiten umfassenden Papier. Zudem gab es 245 Ordnungswidrigkeiten, bei denen es vor allem um Verstöße gegen Corona-Maßnahmen und das Waffengesetz ging.

Die Beschuldigten sind in der Regel männlich, meist zwischen 18 und 30 Jahre alt, viele sind Mehrfachtäter. So sollen nach dem Bericht alleine 35 Straftaten im vergangenen Jahr auf das Konto eines über 30-Jährigen gegangen sein. In den vergangenen fünf Jahren wurden dem Mann sogar 51 Taten zugeschrieben - obwohl er 13 Monate in Haft saß. Neben Gewalt spielten vor allem Eigentums- und Verkehrsdelikte eine Rolle, auffällig waren aber auch Rezeptfälschungen. Einem 22-Jährigen schreiben die Ermittler 24 Straftaten zu, bei ihm ging es meist um Gewalttaten und Beleidigungen sowie Verkehrsdelikte.

Die betrachteten Personen wiesen alle eine «beachtliche kriminelle Karriere» auf, die früh begonnen und sich sukzessive verfestigt hätte, heißt es in der Analyse. In der Regel sei eine erste Straffälligkeit im deutlich minderjährigen Alter erfolgt. Ältere Beschuldigte treten demnach seltener mit Gewaltstraftaten in Erscheinung. «Es liegen Erfahrungen vor, die darauf schließen lassen, dass sie eher verdeckt agieren und die Beeinflussung jüngerer Familienmitglieder mehr Raum einnimmt», heißt es in dem Bericht.

Mit rund 43 Prozent stellten deutsche Staatsbürger den größten Anteil unter den Clan-Kriminellen, gefolgt von Personen mit ungeklärtem Status (knapp 19 Prozent) und libanesischen Staatsbürgern (knapp 16 Prozent).

Bei insgesamt 178 Kontrollen - davon 71 im Verbund mit anderen Behörden - hat die Polizei laut Innenverwaltung im vergangenen Jahr 572 Objekte kontrolliert und 47 davon geschlossen. Zudem haben die Beamtinnen und Beamten dabei etliche Dinge beschlagnahmt, die mit Straftaten zusammenhingen - etwa mehr als 108.000 Euro, 238 Kilogramm Wasserpfeifentabak, 55 Fahrzeuge, 53 Geldspielgeräte und 68 Waffen oder gefährliche Gegenstände.

Berlin gilt bundesweit als ein Hotspot krimineller Aktivitäten von Clanmitgliedern. 2018 hatte der rot-rot-grüne Senat einen Fünf-Punkte-Plan gegen Clankriminalität beschlossen und geht seitdem verstärkt gegen Verdächtige aus zumeist arabischstämmigen Großfamilien vor. Zentraler Punkt ist dabei laut Innenverwaltung, dass dabei Behörden über Ressortgrenzen hinweg zusammenarbeiten.

Das Lagebild sei eine wichtige Lektüre, hieß es von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin. «Wir reden über eine Vielzahl an jungen Männern aus patriarchalischen Strukturen, die bereits in jungen Jahren auffällig werden und in der Folge mit immer schwereren Straftaten in diversen Kriminalitätsfeldern auftauchen, kein Skrupel vor gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Waffen haben, öffentlich mit Luxusgütern prahlen und sich für einzelne größere Projekte sich auch clanübergreifend zusammentun», so GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Über Jahrzehnte hinweg hätten die Institutionen des Rechtstaates es versäumt, diesen Grenzen aufzuzeigen.

© dpa
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