«Netzwerk der Wärme» soll Menschen in Energiekrise helfen

So mancher fürchtet, in diesem Winter wegen hoher Energiepreise oder Engpässen bei Gas und Strom im Kalten zu sitzen. Ein breit aufgestelltes Projekt soll nun in Berlin Wärme anbieten - nicht nur im eigentlichen Wortsinn.
Sozialsenatorin von Berlin Katja Kipping spricht bei einem Pressetermin. © Monika Skolimowska/dpa/Archivbild

In der kalten Jahreszeit sollen für Menschen in Berlin angesichts der Energiekrise zusätzliche Räume zum Aufwärmen, für Begegnung und Austausch offenstehen. Dazu startete am Freitag ein «Netzwerk der Wärme». An der Initiative beteiligen sich öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken oder Stadtteilzentren, aber zum Beispiel auch Clubs, Kirchengemeinden, Sozialeinrichtungen und interkulturelle Treffpunkte. Unternehmen wollen das Vorhaben ebenfalls unterstützen.

Gemeinsame Basis ist eine Charta, die mehr als 20 Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Sozialwesen, Wirtschaft, Handwerk und Kultur im Roten Rathaus unterzeichneten. Die Beteiligten bringen sich mit Räumlichkeiten als Anlaufstelle ein für Menschen, die sich in der Energiekrise mit hohen Preisen überfordert oder allein fühlen oder eine kalte Wohnung haben. Dort gibt es - so die Idee - nicht nur Möglichkeiten zum Verschnaufen und zum Austausch oder ein warmes Getränk, sondern auch Beratungsangebote und menschliche Wärme.

«Wir erleben gerade eine Zeit mit Krisen und vielen Herausforderungen», erklärte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). «Diese Zeit lässt uns sehr deutlich spüren, dass wir als Gesellschaft zusammenhalten und Solidarität stärken müssen. Und genau darum geht es bei dem Netzwerk der Wärme. Wir zeigen, dass Berlin zusammenhält.»

Initiiert hatte das Projekt, das nun nach und nach wachsen soll, Sozialsenatorin Katja Kipping (Linke). «Unser Netzwerk der Wärme knüpft ein soziales Band der Solidarität und des Miteinanders in unserer Stadt», erklärte sie. «Alle demokratischen Kräfte sind willkommen, jede und jeder kann im Sinne der Charta der Wärme mitmachen.»

Gemeinschaftliches tue gerade in diesen Zeiten Not, meinte der Bischof der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein. «Es kann und darf nicht sein, dass in diesem Land und in unserer Stadt Menschen zwischen Hungern oder Heizen entscheiden müssen.» Die Kirchen seien gerne Teil des Netzwerkes. «Füreinander da sein gehört zur DNA christlichen Glaubens.»

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch äußerte sich ähnlich. «Auch wenn wir beim Heizen unserer Kirchen sparen, werden wir Orte der Versammlung und der Wärme öffnen und den Menschen vielfältige Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.» Er ermutigte alle Kirchengemeinden, Einrichtungen und Familien, selbst tätig zu werden und etwa Gemeinderäume zu öffnen, gemeinsames Kochen zu ermöglichen und Einsamkeit zu überwinden.

«Niemand soll in seiner vielleicht kalten Wohnung allein sein», unterstrich die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, Gabriele Schlimper. «Denn nichts ist schlimmer als soziale Isolation und Kälte.» Susanne Buss von der Volkssolidarität ergänzte: «Es ist uns wichtig, dass sich gerade in dieser herausfordernden Zeit niemand allein gelassen fühlt.»

Das «Netzwerk der Wärme» gehört zum 1,6 Milliarden Euro umfassenden Berliner Entlastungspaket, um Menschen, Institutionen und Unternehmen angesichts steigender Energie- und Lebenshaltungskosten gut durch den Winter zu bringen. Der Senat fördert das Projekt mit elf Millionen Euro.

Politiker aus den Reihen der Opposition äußerten Kritik. «Es ist gut und richtig, dass der Senat Stellen schafft, an denen Bürger, die sich wegen der idiotischen deutschen Energiepolitik keine warme Wohnung leisten können, Wärme finden», erklärte die AfD-Abgeordnete Jeannette Auricht. Es sei aber zynisch, diese Einrichtungen als «Begegnungsstätten» zu verniedlichen. «Kipping will das hässliche Wort Wärmestube mit Zuckerguss und rosa Schleifchen verschwinden lassen», meinte Auricht.

Der FDP-Politiker Tobias Bauschke vermisst konkrete Angaben, wofür die elf Millionen Euro verwendet werden sollen. «Es drängt sich massiv der Eindruck auf, als sei das ganze Vorhaben mehr als PR-Show der Sozialsenatorin geplant, weniger als tatsächliches Hilfsangebot.»

© dpa
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