Straße und Platz in Berlin nach Freiheitskämpfern benannt

Freiheitskämpfer statt Kolonialherren - in Berlin sind am Freitag ein Platz und eine Straße umbenannt worden. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen und Vorbereitungen gibt es nun im sogenannten Afrikanischen Viertel im Ortsteil Wedding einen Manga-Bell-Platz und die Cornelius-Fredericks-Straße. Bisher firmierten sie unter Nachtigalplatz und Lüderitzstraße.
Menschenandrang bei der Straßenumbenennung im Afrikanischen Viertel. © Britta Pedersen/dpa

Der zuständige Bezirk Mitte hatte bereits 2016 beschlossen, dass mit den neuen Straßennamen Menschen geehrt werden sollen, die für den Widerstand gegen den Kolonialismus gekämpft haben und nicht mehr die Täter eines Kolonialregimes. Unter Vertreterinnen und Vertretern aus Kamerun und Namibia war mit König Jean-Yves Eboumbou Douala Bell auch die Spitze des Königshauses von Duala in Kamerun zur Zeremonie mit der Bezirksbürgermeisterin von Mitte, Stefanie Remlinger (Grüne), gekommen.

Der Platz ist nach Rudolf und Emily Duala Manga Bell benannt. Von 1908 an setzte er sich als König der Duala mit seiner Frau gegen Vertreibung und Entrechtung in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun ein. 1914 wurde Duala Manga wegen angeblichen Hochverrats von der deutschen Kolonialverwaltung zum Tode verurteilt und am nächsten Tag erhängt. Am selben Tag töteten die Deutschen auch mehrere Führer anderer Volksgruppen im ganzen Land. Sie werden heute alle als Märtyrer und Volkshelden geehrt.

Bisher war der Platz nach dem einstigen Reichskommissar für Deutsch-Westafrika, Gustav Nachtigal, benannt. An dem Ort erinnert auch die zweiteilige Bronze «Statue of Limitations» des Künstlers Kang Sunkoo an die Kolonialgeschichte Deutschlands. Der obere Teil der Bronzearbeit, die zusammen auf 22 Metern Höhe der Form einer Flagge auf halbmast entspricht, steht auf dem Platz. Der untere Teil befindet sich in der Treppenhalle des Humboldt Forums, das auch wegen seiner Präsentation zahlreicher Kunstwerke aus der Kolonialzeit umstritten ist. Der Titel ist angelehnt an den englischen Begriff «Statute of Limitations», also Verjährung.

Die Cornelius-Fredericks-Straße erinnert an Fredericks als wichtige Figur des militärischen Widerstandes gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia. Während des Genozids der Deutschen an den Ovaherero und Nama von 1904 bis 1908 wurde Fredericks in ein Lager gesperrt und starb dort 1907 aufgrund unmenschlicher Lebensbedingungen. Der bisherige Namensgeber, der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz, hatte die Nama-Gruppe von Fredericks um einen Großteil ihres Landes betrogen.

© dpa
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