Höchste Gefahrenstufe für Waldbrände erwartet

17.06.2022 Die Trockenheit ist bereits erheblich - jetzt steht Brandenburg vor einem Wochenende mit brütender Hitze. Für die Feuerwehren könnten es lange Arbeitstage werden. Die Waldbrandgefahr steigt wegen der Dürre weiter.

Ein Feuerwehrmann in Schutzkleidung. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Die Gefahr von Waldbränden wegen der andauernden Trockenheit ist in Brandenburg am Wochenende sehr groß. Für Samstag geht der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel für den Großteil des Landes von der höchsten Gefahrenstufe 5 aus. «Die Feuerwehren sind gut vorbereitet und haben sich auf die Wetterlage eingestellt», sagte Engel am Freitag. Ob sich die Lage am Sonntag durch eine vom Deutschen Wetterdienst (DWD) prognostizierte Gewitterfront etwas entspannt, sei noch nicht abzuschätzen.

Bei Frohnsdorf nahe Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) mussten Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk bereits am Freitag zu einem größeren Brand ausrücken. Das Feuer habe sich bis zum Abend auf etwa 60 Hektar ausgebreitet, berichtete die Sprecherin des Landkreises, Andrea Metzler, am Abend. Der Einsatz der Feuerwehrleute könnte schwierig werden, weil es sich auch um Flächen im Kampfmittelverdachtsgebiet handele, erklärte Engel. Es seien Flächen betroffen, auf denen es bereits 2018 gebrannt habe. Der Waldbrandschutzbeauftragte ging davon aus, dass die Löscharbeiten am Samstag andauern werden.

Am Wochenende soll es in Berlin und Brandenburg heiß werden. Im Norden Brandenburgs erwartet der DWD Höchstwerte zwischen 29 und 32 Grad und zwischen 32 und 35 Grad in Berlin und im Süden Brandenburgs. Am Sonntag wird mit Temperaturen zwischen 29 und 37 Grad der bislang wärmste Tag des Jahres in Berlin und Brandenburg erwartet. Ab dem Nachmittag bis zum Abend ist dann gebietsweise mit Schauern und Gewittern zu rechnen.

Die Forstbehörde will wegen der Gefahrenlage aber keine Wälder sperren, betonte der Waldbrandschutzbeauftragte des Landes. Er wies jedoch darauf hin, dass das Rauch- und Feuerverbot im Wald weiter gelte. Das Parken nahe der zahlreichen Seen am Waldrand könnte für Badelustige teuer werden. Bei der höchsten Gefahrenstufe verhängt die Forstbehörde Bußgelder. Engel appellierte noch einmal, beim Grillen den gesetzlich vorgeschriebenen 50-Meter-Abstand zum Wald einzuhalten. Eine weggeworfene Zigarettenkippe aus dem Auto könne bereits zu einem Böschungsbrand führen. «Jeder kleinste Funke kann zu einer Katastrophe führen.»

Nach Angaben des Umweltministeriums galt am Freitag für neun Landkreise die zweithöchste Gefahrenstufe (4) und damit eine hohe Waldbrandgefahr, für fünf Kreise galt die mittlere Stufe (3). «Die Vorhersage spiegelt nicht die tatsächliche Gefahrenlage wieder», sagte der Waldbrandschutzbeauftragte.

Bereits am Freitagmorgen brannte es in der Gemeinde Märkische Heide. Das Ausmaß des Feuers war noch unklar. Die Waldbrände der vergangenen Tagen lagen Engel zufolge alle unter einem Hektar. Insgesamt sind seit Beginn der Waldbrandsaison über 200 Feuer registriert worden. Die Saison läuft in Brandenburg von März bis Ende September. Darüber hinaus lodern Feuer immer wieder auch auf Gras- und Heideflächen.

Die Natur sei im Trockenstress, berichtete Thomas Meier, Stadtförster in Brandenburg an der Havel. Man sei aus einem trockenen Frühjahr und einer angespannten Situation in den Sommer gekommen und bis Ende Juni seien keine Niederschläge zu erwarten. Es könnte ein schwieriges Jahr werden, schätzte der Förster ein. Meier sieht auch eine Gefahr für die Aufforstung der Wälder. «Die Trockenheit ist unser Hauptproblem, da hat jede Baumart Probleme.» Junge Bäume bräuchten zum guten Anwachsen Niederschlag. Ein massives Problem sei, dass hinter den Waldbränden nicht selten Brandstiftung stecke, sagte der Förster.

Die beiden Waldbrandzentralen in Eberswalde (Barnim) und Zossen (Teltow-Fläming) sind bis in die Abendstunden mit jeweils fünf Mitarbeitenden besetzt. 105 optische Sensoren auf ehemaligen Feuerwachtürmen, Aussichtstürmen und Mobilfunkmasten reagieren als Frühwarnsystem auf beginnende Feuer. Allein 53 von ihnen sind im Süden installiert und über Richtfunk miteinander verbunden. Sie scannen alle sechs Minuten 360 Grad für Panoramabilder ab.

© dpa

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