Kältehilfe beginnt voller Sorge um Energiekosten

Obdachlose Menschen vor dem Erfrieren auf der Straße schützen: Dafür sind die Notschlafplätze im Rahmen der Berliner Kältehilfe da. Gerade das Anbieten warmer Räume wird in der Energiekrise aber zur Herausforderung.
Der Wärmebus des Deutschen Roten Kreuzes ist auch an Weihnachtstagen für Bedürftige unterwegs. © Christophe Gateau/dpa/Archiv

Vom 1. Oktober an sollen obdachlose Menschen in Berlin wieder Zuflucht bei mehreren Anbietern von Notübernachtungsplätzen finden können. Zunächst stehen im Rahmen der Kältehilfe rund 640 Schlafplätze im Warmen bereit, ab November dann mindestens 1000, wie Sozialsenatorin Katja Kipping am Mittwoch in Berlin mit Vertretern der beteiligten Organisationen ankündigte. Das Hilfsangebot stehe in diesem Winter vor besonderen Herausforderungen, sagte die Linke-Politikerin. «Wir haben die Explosion der Energiekosten, der Nahrungsmittel, und wir müssen feststellen, dass der Immobilienmarkt wirklich sehr, sehr angespannt ist.»

Vom 1. Oktober an ist laut Sozialverwaltung wieder die Hotline der Kältehilfe zu erreichen: 030 34397140 (19.00 bis 23.00 Uhr). Zusätzlich ist ab 1. November der Wärmebus des Roten Kreuzes wieder im Einsatz, um etwa Kleidung, Schlafsäcke und Tee an Bedürftige zu verteilen. Ebenfalls von Anfang November an werden laut Berliner Stadtmission vier Kältebusse nachts unterwegs sein, um Menschen vor dem Erfrieren zu retten. Die Senatorin kündigte zudem an, dass erneut eine Quarantänestation eingerichtet werde. Die Stadtmission bat dringend um Schlafsack- und Geldspenden, zudem würden noch ehrenamtliche Helfer gebraucht.

Einigkeit besteht unter allen Beteiligten - inklusive der Senatorin -, dass die Kältehilfe mehr Geld brauche. Für Friedrichshain-Kreuzberg, wo ein großer Teil der Schlafplätze angeboten wird, machte der Bezirksstadtrat für Soziales, Oliver Nöll (Linke), deutlich, dass mit immensen Kostensteigerungen zu rechnen sei - etwa beim Betrieb einer Traglufthalle, in der man den Energieeinsatz nicht ohne Weiteres reduzieren könne.

Die Finanzierung der Plätze sei mit 17 Euro pro Kopf und Nacht selbst in einer regulären Situation nicht auskömmlich, sagte Nöll. Nötig wäre laut beteiligten Organisationen eher das Doppelte - auch weil das Angebot professioneller geworden sei. Nöll betonte, er erwarte von der Senatsverwaltung für Finanzen, dass die Mittel an die realen Kosten angepasst werden.

Kipping betonte, dass das Thema dem Senat wichtig sei: So hätten sich die Landesmittel für die Wohnungslosen-Notfallhilfe innerhalb von fünf Jahren mehr als vervierfacht - auf nun 22 Millionen Euro. Darunter fallen verschiedene andere Unterstützungsangebote, teils im Zusammenhang mit der Pandemie.

Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin, appellierte zudem an die Senatsverwaltung für Gesundheit, die Gesundheit Wohnungsloser als Teil des Ressorts wahrzunehmen. Die Zusammenarbeit zwischen den Instanzen müsse ausgebaut werden. Vielen Betroffenen gehe es sehr schlecht, etwa mit Wundinfektionen, schweren Suchterkrankungen und psychischen Ausnahmezuständen. Mehrheitlich seien diese Menschen nicht krankenversichert.

In Berlin leben nach Erkenntnissen einer ersten Zählung im Januar 2020 rund 2000 Obdachlose - wobei sich nicht alle Betroffenen zählen ließen. Die Kältehilfe läuft seit mehr als 30 Jahren. Ziel ist es, Menschen in der Zeit von Oktober bis April vor dem Erfrieren zu schützen. Beteiligt sind die Senatsverwaltung für Soziales, die Bezirke und mehrere soziale Träger, außerdem zahlreiche Ehrenamtliche und Spender. Menschen ohne Obdach können die Angebote anonym in Anspruch nehmen.

© dpa
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