Tafeln rechnen mit mehr Zulauf: Land will stärker helfen

Werden die Schlangen vor den Lebensmittel-Tafeln im Herbst noch länger? Das Land sieht die ehrenamtlichen Einrichtungen angesichts der Energiekrise in einer sehr schwierigen Lage und will reagieren.
In der Laib und Seele- Ausgabestelle in Berlin verteilt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin Salat. © Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Angesichts der Energiekrise und steigenden Preise rechnen die Tafeln damit, dass sie in den kommenden Monaten immer mehr Menschen mit Lebensmittel-Spenden versorgen müssen. In Brandenburg ist eine politische Debatte neu entbrannt, ob die ehrenamtlichen Einrichtungen auch stärker mit Landesmitteln gefördert werden sollen.

Das Sozialministerium kündigte an, es werde eine schnelle zusätzliche Unterstützung für die Tafeln vorbereitet. Zur Höhe konnte das Ressort bislang noch keine Angaben machen, da noch Beratungen anstehen. Die Lebensmittel-Tafeln finanzieren sich in der Regel vor allem über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

«Es ist an der Zeit, dass die Tafeln mehr unterstützt werden», sagte die Potsdamer Tafelchefin Imke Georgiew der dpa. «Mit einem warmen Händedruck und zu sagen, schön, dass es Euch gibt, ist es nicht mehr getan.»

Durch die Inflation sei seit März ein monatlicher Kunden-Zuwachs bei den Tafeln in Brandenburg spürbar, teilte der Landesverband mit. Einrichtungen haben zudem gestiegene Benzinkosten etwa für Transporter und Kühlwagen zu tragen, und zum Jahresende drohen stark steigende Energiekosten.

Bei der Potsdamer Tafel stehen Menschen schon seit Langem Schlange. Viele ihrer Kunden sagten, ohne diese Lebensmittel kämen sie gar nicht über die Runden, schilderte Georgiew. Für die Einrichtung, die rund 1700 Menschen in der Woche unterstütze, gilt ein Aufnahmestopp. «Wir schicken jede Woche Leute nach Hause», sagte Georgiew. Auch manch andere Tafel nimmt keine Neuanmeldungen mehr an.

Die Potsdamer Tafel-Chefin erwägt nun unter anderem, als Winterhilfe für einen gewissen Zeitraum nicht mehr wie bisher einmal pro Woche Lebensmittel auszugeben, sondern künftig im Zwei-Wochen-Rhythmus. So könne insgesamt auch als Zeichen der Solidarität mehr Menschen geholfen werden. Andere Tafeln berichteten auch von einem Rückgang bei Essensspenden.

In Brandenburg und Berlin gibt es mehr als 40 Tafeln, sie sind in einem gemeinsamen Landesverband organisiert. Bisher unterstützt die Landesregierung die Einrichtungen aus Lottomitteln etwa beim Kauf von Kühlfahrzeugen. Gesprochen wird nun auch über eine Soforthilfe.

Eine feste staatliche Finanzierung der Tafel-Arbeit, die mitunter gefordert wurde, befürwortet Sozialministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) nicht. «Zentrales Instrument unseres Sozialstaates zur Bekämpfung von Armut ist der Regelsatz. Dieser muss zuverlässig das grundrechtlich geschützte, menschenwürdige Existenzminimum schützen, egal ob eine Tafel in erreichbarer Nähe ist oder nicht», hieß es aus dem Ministerium.

© dpa
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