170 Polizisten begleiten Beerdigung von Clan-Mitglied

05.05.2022 Wieder wird in Berlin ein Mitglied eines arabischstämmigen Clans beerdigt. Der junge Mann wurde bei einem Streit auf einem Volksfest erstochen. Ein ähnliches Schicksal erlitt sein Bruder Nidal R. vor wenigen Jahren.

«Polizei» steht auf der Uniform eines Polizisten. © Jens Büttner/zb/dpa/Symbolbild

Begleitet von einem größeren Polizeiaufgebot ist ein getöteter Mann aus dem Berliner Milieu arabischstämmiger Clans beerdigt worden. Rund 170 Polizisten waren am Donnerstag auf dem Neuen Zwölf-Apostel-Kirchhof in Berlin-Schöneberg im Einsatz, wie ein Polizeisprecher sagte. Rund 1000 Männer und wenige Frauen waren als Trauergäste auf dem Friedhof. Unter ihnen waren auch Mitglieder und Oberhäupter bekannter Großfamilien. Besondere Vorfälle gab es laut Polizei nicht.

Beerdigt wurde ein 25-jähriger Mann, der am Samstag auf der Kirmes «Neuköllner Maientage» im Park Hasenheide bei einem Streit erstochen worden war. Der Täter wurde bislang nicht gefasst.

Im Herbst 2018 war auf demselben Friedhof der erschossene ältere Bruder des jetzt Getöteten, Nidal R., bei einer aufsehenerregenden Veranstaltung zu Grabe getragen worden. Damals reisten etwa 2000 Männer aus der Clan-Szene aus ganz Deutschland an, darunter Familienoberhäupter bekannter Großfamilien. Die Polizei identifizierte 128 Besucher, die direkt zur organisierten Clan- und Rockerkriminalität gehörten. Nidal R. wurde zuvor am helllichten Tag vor den Augen seiner Familie am Tempelhofer Feld erschossen - nicht allzu weit entfernt vom aktuellen Tatort an der Hasenheide. Auch sein Mörder ist bis jetzt nicht gefasst.

Am Donnerstagmorgen fuhren ein Leichenwagen und mehrere schwarze Limousinen auf das Friedhofsgelände. Die Stimmung war sehr ruhig. Die Polizei sei vor allem für die Verkehrslenkung beim Ankommen und Abfahren vor Ort zuständig, sagte der Polizeisprecher. Allerdings beobachteten auch eine ganze Reihe von Zivilpolizisten das Geschehen.

Die Polizei stand an Absperrungen an der Straße. Am Eingang zum Friedhof waren private Wachleute des Friedhofs postiert. Mehrere Kamerateams von Fernsehsendern filmten. Nach der Beerdigung warf ein Besucher eine Wasserflasche auf eine Journalistengruppe und wurde daraufhin von Polizisten befragt.

Im April 2020 war ebenfalls auf diesem Friedhof die Mutter führender Mitglieder eines bekannten arabischstämmigen Clans beerdigt worden. 250 Polizisten bemühten sich damals darum, die Corona-Beschränkungen durchzusetzen. Zugang zum Friedhof und Grab erhielten nur 60 Verwandte «aus dem engsten Familienkreis», die auf einer Namensliste standen. In Gruppen von jeweils 20 Menschen wurden sie eingelassen. Erst wenn eine Gruppe den Friedhof wieder verlassen hatte, kam die nächste dran.

Kriminelle Mitglieder großer arabischstämmiger Clans fallen immer wieder mit schweren Delikten auf. In einem eigenen Lagebild definiert die Berliner Polizei den Begriff Clankriminalität als «Begehung von Straftaten durch Angehörige ethnisch abgeschotteter Strukturen». Sie sei bestimmt «von verwandtschaftlichen Beziehungen und/oder einer gemeinsamen ethnischen Herkunft und einem hohen Maß an Abschottung der Täter, wodurch die Tatbegehung gefördert oder die Aufklärung der Tat erschwert wird». Dies gehe einher «mit einer eigenen Werteordnung und der grundsätzlichen Ablehnung der deutschen Rechtsordnung».

© dpa

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