Protesttag in Berlin: Ärzte warnen vor Praxissterben

Viele Ärzte in Berlin sind sauer auf den Bundesgesundheitsminister. Der plant Einsparungen bei den Praxen, um die Krankenkassen zu entlasten. Dort heißt es deshalb oft: «Heute geschlossen».
Stethoskope hängen im Behandlungszimmer einer Hausarztpraxis. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Auf einen Besuch beim Arzt mussten viele Berlinerinnen und Berliner am Mittwoch verzichten. Rund 2000 Praxen blieben nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin aus Protest gegen Sparpläne des Bundes geschlossen. Die KV hatte dazu aufgerufen, stattdessen an einer Online-Fortbildung teilzunehmen.

Die große Resonanz zeige, wie ernst die Lage in den Praxen sei, sagte die Vorsitzende der KV-Vertreterversammlung, Christiane Wessel, am Mittwoch aus Anlass des Protesttags in einer HNO-Praxis in Charlottenburg.

An dem Protesttag hat sich auch HNO-Ärztin Kerstin Zeise beteiligt, die in der Charlottenburger Praxis zusammen mit einer Kollegin arbeitet. Am Mittwochmorgen hängte sie ein Schild an die Tür: «Die Praxis bleibt heute geschlossen.»

Hintergrund sind die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, die sogenannte Neupatientenregelung zu streichen. Sie bietet Ärzten seit 2019 besondere finanzielle Anreize, damit sie in ihrer Praxis neue Patienten aufnehmen und kurzfristig zusätzliche Termine anbieten. Die Regelung soll 2023 zurückgenommen werden, um die Krankenkassen zu entlasten. Das würde für die Arztpraxen finanzielle Einbußen bedeuten.

«Die niedergelassenen Ärzte müssen der Politik mal wieder klar machen, dass wir die ambulante Versorgung stabil halten und das seit Jahren», sagte Heise. «Wir haben neues Personal eingestellt, wir haben auch mehr Termine zur Verfügung gestellt.» Der Umfang der Sprechstunden sei ausgeweitet worden, die Zahl der Patienten nachweislich gestiegen.

Sollten die Sparpläne umgesetzt werden, bedeute das für ihre Praxis weniger Termine und weniger Sprechzeiten anbieten zu können. «Und die Fachkräfte in den Praxen zu halten, wäre schwieriger, wenn wir keine ordentliche Honorierung leisten können.»

Berlins KV-Vorsitzender Burkhard Ruppert warnte vor einem Teufelskreis: «Es bedeutet nämlich, dass es am Ende sehr viel weiger Praxen geben wird und damit mehr Wartezeit für die Patienten.» Ruppert sagte, viele von ihnen würden sich dann an die Rettungsstellen wenden. «Das Praxissterben ist vorprogrammiert. Ältere Kollegen werden früher aufhören, neue Kollegen werden sich überlegen, ob sie überhaupt in die ambulante Versorgung gehen.»

© dpa
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