Jahrelange Familienfehde gipfelt in Mord: Anklage

Angefangen haben soll alles mit dem Streit um einen Platz im Kino. Über Jahre hinweg war die Beziehung angespannt, bei einer Hochzeit 2018 brach der Konflikt wieder aus. Ein tragischer Vorfall führte dann nach Überzeugung der Ermittler zur Eskalation.
Handschellen stecken in der Gürtelhalterung eines Justizbeamten. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Der Streit über einen Kino-Sitzplatz hat in Berlin zu einer jahrelangen Feindschaft zwischen zwei Familien geführt und ist schließlich in der Tötung eines 42-Jährigen gegipfelt. Davon ist die Berliner Staatsanwaltschaft überzeugt und hat Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes gegen drei Männer im Alter von 29, 34 und 52 Jahren erhoben. Diese sollen das Opfer am 2. Oktober 2021 in Berlin-Wedding vor einer Shisha-Bar durch zwei gezielte Schüsse in den Kopf getötet haben, wie ein Behördensprecher am Donnerstag mitteilte. Zwei der Beschuldigten - der 34-Jährige und sein Vater (52) - befanden sich zur Tatzeit im offenen Vollzug und konnten deswegen tagsüber das Gefängnis verlassen.

Die beiden Männer saßen damals eine Strafe ab, weil sie den 42-Jährigen bereits im Oktober 2018 nach einer Hochzeitsfeier angegriffen hatten, um ihm einen «Denkzettel» zu verpassen. Dafür verurteilte sie das Landgericht Berlin im Juli 2019 zu drei Jahren Haft wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Dies führte aber offensichtlich nicht dazu, ihren Groll auf den 42-Jährigen aufzugeben.

Den Grund dafür sehen die Ermittler in einem tragischen Vorfall bei jener Hochzeitsfeier im Herbst 2018: Damals kam die Schwester beziehungsweise Tochter der Beschuldigten durch einen Schuss ums Leben. Dieser hatte sich aus einer Waffe gelöst, die ein Familienmitglied nicht ausreichend gesichert hatte. Die Schuld für diesen Vorfall suchte die Familie aber nicht in den eignen Reihen, sondern sah sie bei dem 42-Jährigen: Ohne dessen Verhalten wäre es aus Sicht der Familie gar nicht zu dem Streit gekommen.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann für eine Zeit lang aus Berlin verbannt worden sein, nachdem die beiden bosnisch-herzegowinischen Familien sogenannte Friedensrichter eingeschaltet hatten. Diese Bemühungen für eine Befriedung «außerhalb justizieller Strukturen» in Form einer «Paralleljustiz» hätten die Lage aber nicht beruhigt, erklärte der Behördensprecher. Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde der 42-Jährige nach Überzeugung der Ermittler deswegen erschossen. Das Trio soll sich provoziert gefühlt haben, weil der Mann in der Bar in Berlin-Wedding auftauchte.

Vater und Sohn kehrten nach der Tat zum Gefängnis zurück, hieß es. Sie seien umgehend in den geschlossen Vollzug verlegt worden. Der 29-Jährige wurde auf der Flucht im bayerischen Regensburg verhaftet.

© dpa
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