Bundeswehr gedenkt toter Soldaten

Im Sommer vergangenen Jahres ging der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nach fast 20 Jahren zu Ende. Und er bleibt umstritten. In einem wieder aufgebauten Ehrenhain erinnerte die Bundeswehr nun an die getöteten Soldaten.
Tanja Menz, Mutter des gefallenen Soldaten Konstantin Menz, spricht bei der Eröffnung des Ehrenhains. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Im Laubwald auf einer kleinen Anhöhe steht ein Stück Afghanistan. Der 27 Tonnen schwere Felsblock aus dem Tausende Kilometer entfernten Krisenland ist ein Zeichen für den wohl gefährlichsten Auslandseinsatz der Bundeswehr, der im vergangenen Jahr nach fast 20 Jahren endete. Der große Stein ist das Herzstück eines neuen Ehrenhains bei Potsdam zum Gedenken an die 59 Soldaten, die in Afghanistan starben. 35 von ihnen wurden bei Anschlägen und in Gefechten getötet.

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) eröffnete am Freitag auf dem Bundeswehr-Gelände in Schwielowsee die Erinnerungsstätte. Hinterbliebene von im Einsatz gestorbenen Soldaten lagen sich weinend in den Armen, legten an Gedenkstelen Blumen nieder.

«Wir sind am emotionalsten Ort der Bundeswehr», sagte Verteidigungsministerin Lambrecht. Er erinnere daran, dass die Soldaten für die Sicherheit Deutschlands alles gegeben hätten, sogar ihr eigenes Leben. Lambrecht appellierte, jeder Bundestagsabgeordnete solle einmal an diesem Gedenkort im «Wald der Erinnerung» gewesen sein. «Es ist die schwerste Entscheidung, die wir im Bundestag zu treffen haben, wenn wir Soldaten in gefährliche Einsätze führen», sagte die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD).

Politisch abgeschlossen ist der umstrittene Einsatz auch nach dem Abzug der letzten Soldaten im vergangenen Jahr nicht. «Was nicht endet, ist die Aufarbeitung des Einsatzes, wir müssen die richtigen militärischen und politischen Lehren ziehen», sagte Lambrecht. Der teils chaotische Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und die anschließende Evakuierungsmission werden von einem Bundestags-Untersuchungsausschuss aufgearbeitet. Die damalige Bundesregierung hatte Fehler eingeräumt.

Tanja Menz verlor ihren 22-jährigen Sohn 2011 in Nordafghanistan. «Meiner Meinung nach war es nicht völlig sinnlos, dass er dort gearbeitet hat», sagte sie auch angesichts der Kritik an dem Einsatz. «20 Jahre Menschen Bildung zu bringen und zu ermöglichen, ist nicht sinnlos.» Neben den Momenten der Trauer und Erinnerung an ihren Sohn findet die Mutter, die aus Stuttgart kommt, mitunter kritische Worte: Der Einsatz habe nicht das gebracht, «was wir uns alle erhofft hatten», keinen Frieden und Gleichberechtigung. «Davon sind wir weit entfernt.»

In den «Wald der Erinnerung» auf dem Gelände der Bundeswehr kommt Menz häufiger, allein oder auch mit ihrer Familie. Der Ort berühre sie jedes Mal neu, sagte sie. Mehrmals war sie selber auch in Afghanistan, um eine besondere Nähe zu ihrem Sohn zu spüren. Dabei sei ihr auch bewusst, welches Glück sie habe, in Deutschland geboren zu sein.

Aus dem früheren Feldlager Masar-i-Scharif - bislang das größte Camp der Bundeswehr im Ausland - wurde der Ehrenhain in einem kleineren Maßstab auf das Gelände des Einsatzführungskommandos bei Potsdam verlegt. Der riesige Gedenkstein aus dem Marmal-Gebirge kam bereits im Mai vergangenen Jahres mit einer Antonow-Frachtmaschine nach Deutschland. Nun sind im «Wald der Erinnerung», wo es bereits andere Ehrenhaine aus Auslandsmissionen gibt, weitere Namen von gestorbenen Soldaten auf Gedenktafeln angebracht. «Lest we forget» («Damit wir niemals vergessen») ist auf dem 27 Tonnen schweren Felsblock zu lesen.

© dpa
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