Licht aus: Berlin will zehn Prozent Energie sparen

Der Berliner Senat will beim Energiesparen mit gutem Beispiel vorangehen. Dazu hat er einen Maßnahmenkatalog beschlossen. Es geht um die Büros in der Verwaltung genauso wie um Berlins Schwimmbäder.
Franziska Giffey im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur in ihrem Amtszimmer im Roten Rathaus. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Berlin muss Energie sparen. Deshalb gilt nun in öffentlichen Bereichen: Raumtemperaturen werden gesenkt, Licht wird abgeschaltet, warmes Wasser abgestellt. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) hatte schon im Juli einen Maßnahmenkatalog für die öffentliche Hand angekündigt. Am Dienstag hat der Senat ihn beschlossen.

Ziel ist es, den Energieverbauch um mindestens zehn Prozent zu senken. «Damit wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen», sagte Giffey nach der Senatssitzung. «Berlin ist das erste Bundesland, das ein derartig umfangreiches Paket beschließt.» Die Umsetzung solle sofort beginnen.

Aber auch die Bürgerinnen und Bürger sind gefragt. «Wir werden auf unserem Landesportal einen eigenen Bereich für die ganzen Fragen der Energie aufbauen», sagte Giffey. Dort sollen sich umfassende Informationen finden und auch Hinweise, wo Beratung zum Energiesparen möglich ist.

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz (parteilos) sagte, die Energieversorgung sei gefährdet, weil Russland sich nicht mehr an Verträge halte. «Es ist klar, dass wir alle Energie sparen müssen.» Das Energiesparpaket sei aber ausgewogen und nehme auch Rücksicht auf Gesundheits- und Arbeitssicherheitssicherheitsaspekte.

Unter anderem soll die Raumtemperatur in allen öffentlichen Gebäuden auf das arbeitsschutzrechtlich vorgeschriebene Mindestniveau von 20 Grad Celsius reduziert werden. In Treppenhäusern und Fluren soll das Thermometer 16 Grad nicht übersteigen, in Turnhallen 17 Grad.

Nachts und an Wochenenden sollen die Temperaturen - soweit möglich - noch niedriger liegen. Ausnahmen von diesen Regeln sind etwa für Dienststellen von Polizei und Feuerwehr, für Schulen, Kitas oder für den Schutz von Kultursammlungen vorgesehen.

Außerdem will der Senat in öffentlichen Gebäuden und Sportstätten das warme Wasser weitgehend abschalten. Ausgenommen davon sind Dusch- und Waschräume von Sport- und Schwimmhallen. Die Wassertemperatur in Schwimmbädern wird auf maximal 26 Grad reduziert. Temperierte Außenbecken werden abgeschaltet.

Mit dem Abschalten der Außenbeleuchtung und Anstrahlung von mehr als 100 markanten öffentlichen Gebäuden und Bauwerken hatte der Senat bereits vor drei Wochen begonnen. Aus Sicherheitsgründen ist das aber nicht überall möglich.

Außerdem sollen Elektrogeräte abgeschaltet werden, die nicht zwingend dienstlich erforderlich sind. Dazu können je nach Situation auch Luftfilter gehören, die wegen der Corona-Pandemie angeschafft worden waren.

Angedacht ist zudem, die nächtliche Beleuchtung in und um Sportstätten zu reduzieren. Nach Abstimmung mit der Polizei könne daneben weniger Licht in Grünanlagen in Betracht kommen, hieß es. Die Straßenbeleuchtung will der Senat möglichst schnell komplett auf LED umstellen und dabei insbesondere Gaslaternen fix vom Netz nehmen.

Generell soll versucht werden, Sanierungsprogramme für öffentliche Gebäude zu beschleunigen. Ziel sei, den Energieverbrauch des Landes nachhaltig zu senken und bei der Wärmeversorgung wegzukommen von fossilen Rohstoffen wie Kohle, Öl und Gas.

Schwarz und Giffey kündigten an, dass auch die Wirtschaft ihren Beitrag zum Energiesparen leisten werde. Anfang September soll eine entsprechende Vereinbarung unterschrieben werden. Es werde an eine freiwillige Selbstverpflichtung gedacht, nicht an Verbote und Vorgaben.

Das vom Senat beschlossene Sparprogramm soll zunächst bis 31. März 2023 laufen, bei Bedarf könne es aber erweitert und verlängert werden, sagte der Wirtschaftssenator. Über Umsetzung und Erreichen der Ziele wache die Wirtschaftsverwaltung in Zusammenarbeit mit einer ressortübergreifenden Taskforce.

Von dem Beschluss nicht betroffen ist das Thema Weihnachtsbeleuchtung in Berlin. Öffentliche Mittel gebe es dafür nicht, sagte Schwarz. Aber das habe nichts mit dem Maßnahmenkatalog zu tun, sondern beruhe auf einer Übereinkunft aus dem Jahr 2020. Und auch für das Festival of Lights ergeben sich aus den aktuellen Energiesparmaßnahmen keine Konsequenzen. «Das ist eine rein private Veranstaltung.»

© dpa
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