Waldbrände lodern im Norden und Süden : Erste Evakuierungen

Kaum Erholungspausen für die Brandenburger Feuerwehren: Sie müssen die nächsten größeren Waldbrände bekämpfen. Auch ein Windpark ist durch Feuer in Gefahr. Anwohner müssen ihre Häuser verlassen.
Einsatzkräfte der Feuerwehr bei einem Übungseinsatz. © David Inderlied/dpa/Symbolbild

Der große Acker- und Waldbrand südlich von Rehfeld im Landkreis Elbe-Elster hat sich nach Angaben des Landkreises auf einer Fläche von 800 Hektar ausgebreitet. «Dafür sorgten vor allem heftige Sturmböen, die die Löscharbeiten der Feuerwehrleute erheblich erschwerten und in Teilen sogar unmöglich machten», hieß es in einer Mitteilung am späten Montagabend. Der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Philipp Haase gab die betroffene Fläche mit 300 bis 800 Hektar an.

Auf Wald- und Ackerflächen in Brandenburg waren am Montag zwei größere Brände ausgebrochen. Betroffen waren Flächen nördlich von Berlin bei Gransee und ganz im Süden des Landes im Elbe-Elster-Kreis. In einem Fall befinden sich Windkraftanlagen auf den betroffenen Arealen oder in der Nähe. Anwohner sollen sich auf Evakuierungen vorbereiten.

Wegen des Großbrandes südlich von Rehfeld im Elbe-Elster-Kreis mussten erste Bewohner von anliegenden Ortschaften ihre Wohnungen verlassen. Der Verwaltungsstab des Landkreises ordnete am frühen Abend die Evakuierung von Rehfeld an. Betroffen waren rund 200 Menschen. Später wurde eine entsprechende Vorsichtsmaßnahme auch für Kölsa und Kölsa-Siedlung in der Stadt Falkenberg (Elster) angeordnet. Dort sind rund 400 Menschen betroffen. Nach Angaben Haases gestaltete sich die Evakuierung schwierig, weil einige Bewohner sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen.

«Nach derzeitiger Lageeinschätzung ist nicht auszuschließen, dass auch Marxdorf vom Brand betroffen sein kann und demzufolge auch für eine Evakuierung in Frage kommt», teilte der Landkreis am Abend weiter mit. Die Bewohner sollten sich daher vorsorglich auf eine Evakuierung vorbereiten, hieß es.

Im Laufe des Einsatzes seien sieben Einsatzkräfte verletzt worden, sechs von ihnen wurden demnach ins Krankenhaus gebracht. Zudem sei eine Schweinemastanlage in Kölsa-Siedlung abgebrannt, viele Tiere seien verendet. Rund 400 Einsatzkräfte sind laut Landkreis beteiligt.

Der Großbrand breite sich weiter dynamisch aus und sei in Kölsa und Kölsa-Siedlung bis auf 400 Meter an die Ortslage herangerückt. An die Ortslage Rehfeld sei das Feuer nun bis auf 150 Meter herangerückt.

Zuvor war der Brand als Großschadenslage eingestuft worden, die Einsatzleitung lag damit beim Kreis. Das Feuer hatte sich binnen kürzester Zeit von etwa 10 Hektar auf eine Fläche von rund 100 Hektar ausgebreitet.

Die Lage sei wegen starken Windes sehr unübersichtlich, berichtete Haase. Seinen Angaben zufolge brennt es im Wald zwischen Windrädern, mindestens eine Anlage stehe innerhalb der Brandfläche, andere Windkraftanlagen seien gefährdet. Starker Rauch sei weithin sichtbar.

Laut Feuerwehr besteht die Gefahr der Ausbreitung des Feuers auch in Richtung der Kölsa Siedlung. Die Menschen wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich auf eine Evakuierung vorzubereiten. Auch eine Tanklöscheinheit der Cottbuser Feuerwehr rückte am Montagnachmittag nach Angaben der Stadt zum Einsatz in das Waldbrandgebiet nach Elbe-Elster aus - die meisten davon Ehrenamtler.

Für Dienstag seien unter anderem Hubschrauber der Bundeswehr angefordert, sagte Haase. Auch ein Hubschrauber der Polizei sei zur Erkundung der Lage angefordert worden.

Bei Gransee nördlich von Berlin im Kreis Oberhavel kämpfte die Feuerwehr gegen einen Brand auf rund 60 Hektar Feld- und Waldfläche. Er konnte eingedämmt werden und sei mittlerweile unter Kontrolle, so der Waldbrandschutzexperte. Dafür waren schätzungsweise bis zu 100 Einsatzkräfte vor Ort, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost mitteilte. Es gebe noch Nachlöscharbeiten. Ein Hubschrauber der Polizei flog mit einer Wärmebildkamera über dem Gebiet.

Den bislang größten Waldbrand des Jahres in Elbe-Elster und Brandenburg hatte es Ende Juni an der Grenze zu Sachsen in der Gohrischheide gegeben - rund 20 Kilometer entfernt. Der Brand hatte sich in Richtung des brandenburgischen Mühlberg (Elbe-Elster) ausgeweitet. Mehr als 800 Hektar standen zeitweise in Flammen. Die Ortslagen Kröbeln und Kosilenzien der Stadt Bad Liebenwerda mussten zwischenzeitlich evakuiert werden.

Einige Waldbrände sind laut Polizei auf Brandstiftung zurückzuführen, so etwa eine Brandserie im Gebiet Oranienburg (Oberhavel). Binnen weniger Tage habe es zahlreiche kleine Feuer in unmittelbarer Nähe zueinander gegeben. Spuren seien gesichert worden, sagte Christin Knospe, Sprecherin der Polizeidirektion Nord, der dpa am Montag. «Wir prüfen Zusammenhänge.»

Menschliches Handeln verursacht nach Angaben des Umweltministeriums mehr als 90 Prozent aller Waldbrände mit bis zu 99 Prozent der Waldbrandschadflächen. «Das macht uns massiv Probleme», so Haase.

Nahezu im gesamten Land galt am Montag laut Umweltministerium die höchste Waldbrandgefahrenstufe fünf. Nur in Potsdam-Mittelmark galt die zweithöchste Stufe vier. Brandenburg verfügt über eine Waldfläche von rund 1,1 Millionen Hektar.

In der Lieberoser Heide sind die Einsatzkräfte nach dem großen Brand auf 90 Hektar Fläche vor drei Wochen noch immer mit Nachlöscharbeiten befasst. Bis zu 20 kleinere Brandstellen gebe es noch, sagte Haase. Die Waldfläche konnte noch nicht an den Waldbesitzer übergeben werden. Das Risiko von Waldbränden sei weiter sehr hoch.

Die Waldbrandschäden in Brandenburg könnten laut Haase in diesem Jahr größer ausfallen als im Hitzejahr 2018: «Die Zahl der Brände lag bis zum heutigen Tag (25. Juli) mit 376 bereits um rund 100 höher als zur gleichen Zeit im Jahr 2018.» Stand Montag sind rund 950 Hektar Brandfläche registriert worden. 2018 wurden 1650 Hektar Waldfläche Opfer der Flammen, wie das Umweltministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion mitteilte. Laut Waldbrandzentrale war das der höchste Wert seit 1990.

«Entscheidend ist, ob wir in den kommenden Tagen und Wochen weitere Großschadenslagen bekommen», betonte Haase. «Problematisch» sei nach wie vor die Lage auf den munitionsbelasteten Flächen, auf denen die Löschmannschaften aus Gründen der Sicherheit nur beschränkt zum Einsatz kommen könnten. Die Waldbrandsaison geht bis Ende September.

© dpa
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