Verband warnt vor Kita-Sterben in Berlin

Ein Verband zeichnet ein düsteres Bild der Situation in den Berliner Kitas. Personalknappheit und explodierende Kosten könnten drastische Folgen haben.
Ein Kind spielt in einer Kita. © Sebastian Gollnow/dpa/Illustration

Der Verband der kleinen und mittelgroßen Kita-Träger in Berlin sieht etliche der Einrichtungen in ihrer Existenz bedroht. Als Gründe nannte Geschäftsführer Lars Békési am Mittwoch einen immer dramatischeren Fachkräftemangel sowie steigende Sachkosten, die bei Energie und Lebensmitteln in den letzten Monaten geradezu explodiert seien. Nötig sei ein entschlossenes Gegensteuern des Senats mit einer auskömmlichen Finanzierung der Kitas. Bleibe das aus, drohe gerade kleineren Einrichtungen «die Einstellung des Geschäftsbetriebes».

Um den Kitas bei der Bewältigung der Kosten zu helfen, forderte Békési eine Einmalzahlung pro betreutem Kind sowie eine Anpassung der aus Sicht seines Verbandes viel zu niedrigen Sachkostenpauschale für 2023 und 2024. Als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel schlug der Verband unter anderem vor, die Tätigkeit an Kitas durch mehr Wertschätzung attraktiver zu machen und die Sozialarbeit auszubauen, um Erzieherinnen und Erzieher von fachfremden Tätigkeiten zu entlasten.

Um qualifizierte Quereinsteiger zu gewinnen, müssten für diese die Hürden gesenkt werden, forderte die Geschäftsführerin des Kita-Trägers «Kleiner Fratz». Das gelte auch für Fachkräfte aus dem Ausland. Kaum einer verstehe, warum Erzieherinnen und Erzieher aus der Ukraine, die im übrigen sehr gute Arbeit leisteten, relativ leicht einsteigen könnten, während das für entsprechende Fachkräfte etwa aus Syrien oder Georgien nicht möglich sei.

Nach Berechnungen des Verbandes fehlen an Berliner Kitas etwa 6000 Fachkräfte - bei momentan etwa 35 000 Beschäftigten. Folge dieser schon länger anhaltenden Entwicklung seien eine höhere Arbeitsbelastung, bei vielen Angestellten Erschöpfung und ein hoher Krankenstand, der zuletzt stetig angestiegen sei. Das wiederum gehe zu Lasten der Betreuungsqualität. Etliche Kitas könnten ihre Kapazität nicht mehr voll ausschöpfen, also nicht so viele Kinder aufnehmen wie eigentlich vorgesehen. Andere kürzten ihre Öffnungszeiten oder müssten schon jetzt mitunter schließen.

Bei der Kita-Finanzierung liege schon lange viel im Argen, so Békési. «Gerade kleine oder mittlere Träger sind seit Jahren unterfinanziert.» Hohe Mieten und steigende Sachkosten würden in den Zahlungen des Landes nicht abgebildet. Nun komme die Energiekrise hinzu, in der manche Kita-Träger nicht mehr wüssten, wie sie die Gasrechnung bezahlen oder gesunde Mahlzeiten für die Kleinen anbieten sollen.

Békési nannte ein krasses Beispiel: Eine Kita mit 190 Plätzen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg musste nach seinen Angaben im März noch 1000 Euro monatliche Vorauszahlung an ihren Gasanbieter überweisen. Ab August habe sich der Betrag auf 2000 Euro erhöht, ab Oktober verlange der Anbieter sagenhafte 9000 Euro monatlich Abschlag.

Die Bildungsverwaltung sprach am Mittwoch hingegen von einem erfolgreichen Start in das neue Kita-Jahr 2022/2023 und verwies auf Fortschritte beim Kita-Ausbau in Berlin. Zum Stichtag 31. Dezember 2021 wurden demnach 182 205 Betreuungsplätze angeboten, rund 6400 mehr (3,6 Prozent) als im Vorjahr. 172 477 Kinder wurden zu diesem Zeitpunkt in 2900 Kitas betreut.

Stand 22. August dieses Jahres standen demnach 182 699 Plätze zur Verfügung, 158 398 Kinder wurden betreut. Die Auslastung betrage also zum Start ins Kita-Jahr 87,6 Prozent, der Wert sei niedriger als in den Vorjahren, hieß es. Die Zahl der Kita-Beschäftigten stieg demnach von 34 100 im Jahr 2020 auf knapp 35 100 im Jahr 2021. Die Zahl der Vollzeitstellen stieg im selben Zeitraum um gut 700 auf 29 074.

© dpa
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