Wieder Pilze auf dem Speiseplan: Volle Körbe in Aussicht

Nach dem Regen der vergangenen Wochen können Liebhaber von Pilzen in zahlreichen Regionen Deutschlands wieder fündig werden. Eine Biologin weist auf die Bedeutung von Pilzen für das Ökosystem hin - und hat eine Botschaft.
Zahlreiche Pilze liegen in dem Korb eines Pilzsammlers. © Lutz Deckwerth/dpa

Der Herbst verspricht mit zunehmenden Niederschlägen eine gute Pilzsaison. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) sind nach der Trockenheit der vergangenen Monate in zahlreichen Regionen nun bundesweit Pilze zu finden, darunter in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bayern. Der Wald sei durchfeuchtet und biete gute Bedingungen für Steinpilz, Marone, Butterpilz oder Ziegenlippe, berichtet auch der Pilz-Sachverständige Lutz Helbig aus Südbrandenburg, der ehrenamtlich in der Gesellschaft mitarbeitet und unter anderem Pilze kartiert.

Nach DGfM-Angaben gibt es schätzungsweise 10.000 Großpilze in Mitteleuropa, ungefähr 100 davon sind essbar, etwa 150 von ihnen giftig und circa 10 tödlich.

Der 21-jährige Moritz geht zum Pilzesuchen seit sechs Jahren bei Halbe (Dahme-Spreewald) immer an dieselbe Stelle. Meist findet er Maronen und den einen oder anderen Steinpilz. In diesem Jahr habe er so viele Steinpilze gefunden wie noch nie, berichtet der Biologie-Student der Deutschen Presse-Agentur. Die Pilze hätten nicht nur im Wald, sondern auch an Wegrändern gestanden und seien auch von der Qualität her sehr gut - seine Funde seien kaum madig.

Nach Angaben des Experten Helbig leben Pilze auf unterschiedliche Weise: die einen als sogenannte Zersetzer wie etwa Champignon und Riesenbovist, die anderen leben in Symbiose mit Pflanzen - als sogenannter Mykorrhiza-Pilz. Das sind beispielsweise Steinpilz oder Marone. Die Pilze, die eine Symbiose mit Bäumen im Wurzelsystem eingehen, seien in diesem Jahr etwas später dran, berichtet er.

Mykorrhiza-Pilze wie der Steinpilz gehen eine Symbiose mit Baumarten wie der Kiefer oder der Eiche ein, erklärt Helbig. Die Bäume stehen nach den vergangenen Jahren mit wenig Regen in einigen Regionen im Trockenstress. «Geht es diesen Bäumen beziehungsweise dem Wald nicht gut, geht's auch den Mykorrhizapilzen nicht gut.» Letzten Endes komme es auf die Vitalität des Baumes an, denn das Aufkommen von Pilzarten sei nicht nur eng verbunden mit ihrer Ernährung, sondern auch mit Niederschlag.

Das bestätigt auch Rita Lüder, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. «95 Prozent der Pflanzen leben in Symbiose mit Pilzen, sie stellen den Pflanzen Wasser mit darin gelösten Mineralstoffen zu Verfügung. So unterstützen sie das Wachstum der Pflanzen. Von den Pflanzen bekommen sie Zucker, den sie für ihr Wachstum brauchen», erklärt die Biologin.

Ihrer Ansicht nach wird die Bedeutung der Pilze für das Ökosystem in Land und Forstwirtschaft zu gering geschätzt. «Die Erde ist eine Scheibe, was das Pilzwissen in der Grundlagenforschung in der Ökologie anbelangt», beschreibt Lüder. «Pilze tragen viel zur Bodenqualität bei, sie halten ihn vital. Auf Äckern geben sie Früchten wie Erdbeeren oder Getreide durch Wechselwirkung auch einen Geschmack». Dazu gebe es Studien. «Es geht nicht ohne die Pilze», betont die promovierte Biologin.

Zugleich fordert die Expertin mehr Wissensvermittlung in den Schulen. Pilze seien genauso wichtig wie die Pflanzen und das wisse in der Bevölkerung fast niemand, so die Expertin. Es gebe noch Lehrmaterial, in dem das Ökosystem Wald ohne Pilze erklärt werde.

© dpa
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