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Erasmus in Nahost? Uni-Kontakte im Krisengebiet

Der Hamas-Angriff auf Israel hat Gastaufenthalten von Berliner Studierenden und Forschern mehrheitlich ein jähes Ende bereitet. Der Krieg sorgt auch bei weiteren Vorhaben für eine ungewisse Zukunft.
Hörsaal
Studierende sitzen in einer Vorlesung im Hörsaal einer Universität. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Nach dem verheerenden Terrorangriff der Hamas haben mehrere Studierende und Forscher von Berliner Universitäten Israel verlassen. «Fast alle Studierenden der HU, die sich in Israel zu Austauschzwecken aufgehalten haben, sind zurückgereist», teilte die Humboldt-Universität (HU) auf Anfrage mit. Ähnliches berichtet die Freie Universität (FU), auch mit Blick auf Forschende in der Region. Einzelne Austauschstudierende seien aber noch vor Ort und überlegten, ob sie ausreisen. Zahlen nannten die Unis zunächst nicht. Die Technische Universität (TU) hat nach eigenen Angaben zwar vier bis vorerst 2024 laufende Forschungsprojekte mit israelischen Partnern, aber aktuell keine Austauschstudierende in betroffenen Gebieten.

Berliner Professor berichtet aus Jerusalem

Erst am vergangenen Freitag kehrte der FU-Professor für Experimentelle Molekulare Biophysik, Joachim Heberle, nach rund zehntägigem Aufenthalt vorzeitig aus Jerusalem zurück, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die völlig geschockten Reaktionen bei seinen Kollegen und in dem Land nach dem Hamas-Angriff habe er unmittelbar mitbekommen. Er habe bei Raketenalarm auch mehrfach mit Kollegen in Bunkern der Hebrew University ausgeharrt. Mit Blick auf die Erfahrungen sagte er: «Das macht etwas mit einem. Man versteht, wie privilegiert wir hier in Deutschland und Europa sind.»

Als Sprecher eines Sonderforschungsbereichs mit einem Projekt an der Hebrew University war Heberle nach eigenen Angaben schon mehrfach vor Ort. «Ob der Krieg konkrete Auswirkungen hat für unsere Zusammenarbeit, lässt sich noch schwer abschätzen.» Erneut nach Israel fahren könne man als ausländischer Forscher zunächst natürlich nicht. «Aber Kooperationen kann man heute auch digital machen.»

Und Heberle will helfen: Einen ausgereisten israelischen Kollegen mit Familie nehme er für einige Tage bei sich zu Hause auf, dem Jerusalemer Team habe er Gastaufenthalte in Berlin angeboten. Bis auf wenige Ausnahmen wollten seine Forscherkollegen nun aber erst einmal in Israel bleiben: «Die meisten sagen: Wir müssen jetzt für unser Land da sein», sagt Heberle. Er erzählt auch von einem Doktoranden, von dem er annimmt, dass er für den Militärdienst eingezogen wurde.

Laut FU betrifft dies auch viele Studenten und Lehrkräfte der israelischen Partnerunis, der Vorlesungsbeginn habe sich dort deshalb verschoben. «Es zurzeit nicht abzusehen, wie sich dies und wie sich die Lage insgesamt auf wissenschaftliche Projekte auswirkt», teilte die Uni mit. Aktivitäten wie Workshops würden im Moment verschoben. Die Devise: abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Projekte, die sich fortsetzen lassen, würden weitergeführt, etwa im Bereich digitale Lehre.

Projekt auch mit Unis in palästinensischen Gebieten

Auch zu Einrichtungen in den palästinensischen Gebieten gibt es Beziehungen. Die HU hat nach eigenen Angaben ein Forschungsprojekt in Kooperation mit vier palästinensischen Universitäten mit dem Ziel, dort ein Masterprogramm für inklusive Bildung zu entwickeln und zu implementieren. Nähere Angaben zur weiteren Entwicklung in Anbetracht der Lage machte die Uni nicht. Drittmittel-Projekte der FU mit Einrichtungen in den palästinensischen Gebieten sind der Uni zufolge abgeschlossen.

Die Freie Universität berichtet außerdem: «Im nächsten Jahr hätte ein im Programm Erasmus geförderter Austausch mit zwei palästinensischen Unis im Westjordanland beginnen sollen. Wie es mit diesem Plan weitergeht, hängt von der Entwicklung in der Region ab.»

Zunächst keine antisemitischen Übergriffe an Unis bekannt

Während der Krieg zwischen der Hamas und Israel auf Berlins Straßen auch in antisemitischen Taten mündete, ist den Universitätsleitungen derzeit nichts Derartiges bekannt. Übergriffe auf jüdische Studierende, Professorinnen oder Professoren seien der Uni nicht bekannt geworden, erklärte die HU. TU und FU kennen ebenfalls keine aktuellen Fälle. Die FU berichtet aber: «In den vergangenen Jahren gab es vereinzelt Schmierereien und Zerstörungen von Aushängen und Plakaten, die sich auf Israel oder auf Kontexte mit jüdischem Hintergrund bezogen.» Ebenso hätten israelische Austauschstudierende immer wieder von antisemitischer Diskriminierung in der Stadt berichtet.

© dpa
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