IHK zur Gaskrise: Besser kältere Wohnung als Jobverlust

Die Berliner Industrie- und Handelskammer kritisiert Pläne, bei einem Gasnotstand zuerst Lieferungen an Unternehmen zu drosseln und Privathaushalten Vorrang zu geben. «Wir müssen darüber diskutieren, ob wir Jobs gefährden oder ob wir Komfort aufgeben», sagte IHK-Präsident Sebastian Stietzel der «Berliner Morgenpost» (Samstag). «Wenn Sie die Berliner fragen, ob sie es in ihrer Wohnung lieber zwei Grad kälter hätten oder ihren Arbeitsplatz verlieren wollen, sollte die Entscheidung eindeutig sein.»
Ein Mann dreht ein Heizungsventil. © Fabian Sommer/dpa/Symbolbild

Hintergrund ist die Sorge um einen Ausfall russischer Gaslieferungen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach einer anstehenden Wartung. Sollte die Bundesregierung die dritte und letzte Stufe im Notfallplan Gas ausrufen, entscheidet die Bundesnetzagentur, wer wie viel Gas bekommt. Sogenannte geschützte Kunden, darunter auch private Haushalte, haben Vorrang. Viele Unternehmen in der Industrie würden womöglich kein Gas mehr erhalten.

Stietzel sagte: «Die derzeitige Ausrichtung, zunächst bei der Wirtschaft den Gashahn zuzudrehen, ist sicher nicht die ausgewogenste und nicht die richtige in dieser Frage.» Man müsse sehen, wo ein Gaslieferstopp zu unumkehrbaren Schäden führe. «In diesen Fällen muss anders verfahren werden als bei Unternehmen, bei denen auch Verschiebungen oder ein Herunterfahren innerhalb der Produktionskette möglich ist.»

© dpa
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