IFA startet - Messen erleben schwieriges Comeback

Vom Fernseher bis zur Waschmaschine: Nach der Corona-Pause geht nun auch die Elektronikmesse IFA wieder an den Start. Deutschland erlebt einen beispiellosen Messesommer. Doch wie früher ist es nicht.
Ein Mann betrachtet Haushaltsgeräte in den Messehallen auf der Internationalen Funkausstellung IFA. © Wolfgang Kumm/dpa

Durch die Hallen streifen, Fernseher und neueste Gimmicks testen, Autogramme sammeln: Die Elektronikmesse IFA war die jährliche Wundertüte für Technikbegeisterte - bis Corona den Stecker zog. In diesem Jahr nun versucht die Schau den Neustart. «Die IFA ist zurück», werben die Veranstalter, Freitag geht es los. Doch wie viele Messen hat auch die IFA keinen leichten Stand. Bundesweit können die meisten Veranstalter noch nicht an alte Zeiten anknüpfen. Viele Besucher und Aussteller halten sich zurück. Kehren sie jemals wieder?

Der Messekalender jedenfalls ist in diesem Sommer prallvoll, weil vieles nachgeholt wird. «Allein der September wird wieder anspruchsvoll für alle Messegewerke mit allein fast 50 Messen in ganz Deutschland, darunter etlichen Weltleitmessen», heißt es beim der Verband der deutschen Messewirtschaft (Auma). Seit Mai lägen die Ausstellerzahlen der Messen in Deutschland im Durchschnitt bei 70 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus, die Besucherzahlen erreichen rund 55 Prozent.

Platzte Berlins Messegelände früher zur IFA aus allen Nähten, konnten die Veranstalter in diesem Jahr für eine Sanierung getrost mehrere Hallen absperren. Das verbleibende Gelände ist zu 80 Prozent ausgebucht, wichtige Aussteller wie etwa Sony fehlen - wie schon bei der Spielemesse Gamescom in Köln.

Dabei haben die Aussteller gute Jahre hinter sich. «Bleibt zu Hause», dieser Appell sicherte in den vergangenen beiden Jahren sehr gute Geschäfte. Computer und Webcams fürs Homeoffice, Backöfen und Fernseher für eine gute Zeit zu Hause - weltweit stiegen die Verkaufszahlen, wie Sara Warneke, Chefin des IFA-Veranstalters GFU, erläutert. Dieses Jahr fallen die Zahlen aus Sicht von Marktforschern kleiner aus, bleiben aber über dem Niveau von 2019 - trotz Inflation und weltweiter Unsicherheiten.

Die Branche setzt auf die Fußball-Weltmeisterschaft, die erstmals im Winter gespielt wird - und dass die Leute mehr Fernseher kaufen, wenn es weniger öffentliche Übertragungen auf Straßen und Plätzen gibt. Zudem werde sich mancher überlegen, teure Energie einzusparen durch neue Haushaltsgeräte und vernetzte Haustechnik. In den Messehallen finden Energieeffizienzklassen jedenfalls wieder viel Beachtung. «Alles A - wunderbar», wirbt ein Hausgeräteanbieter.

Doch auch in Berlin sind noch nicht alle gewohnten Hersteller zurück. Nach Auma-Angaben bremsen vor allem noch Reisebeschränkungen asiatischer Länder, die vor Corona stark auf Messen in Deutschland vertreten waren. Der Verband sieht die aktuellen Besucherzahlen der meisten Messen deshalb als Erfolg.

Für die IFA wagen die Veranstalter keine Prognose, wie viele Menschen wohl kommen werden. «Viele», sagt Messe-Manager David Ruetz nur. 2019 kamen an sechs Tagen 245 000 Besucherinnen und Besucher. Im Corona-Sommer 2020 durften nur 750 Menschen täglich aufs Gelände - im vergangenen Jahr blies man die Messe lieber ganz ab. Nun ist sie einen Tag kürzer als vor Corona. Die Ausstellerzahl liegt mit gut 1100 mehr als ein Drittel unter 2019.

«Die IFA ist auf dem Weg zurück zu voller Größe», meint Berlins Messechef Martin Ecknig. Wie lang dieser Weg ist, bleibt aber unklar. Es gebe zwar erste Messen, die über dem Niveau von vor Corona liegen, heißt es bei der Auma. Die Mitglieder sehen aber insgesamt keine schnelle Rückkehr zum gewohnten Messegeschäft - zumal im Winter wieder ein strengerer Infektionsschutz zu erwarten ist. «Eine erste Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Veranstalter frühestens 2024 mit einem Vor-Corona-Niveau über die gesamte Branche hinweg rechnet.»

© dpa
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