Solidarität mit Protesten im Iran: 80.000 Menschen in Berlin

Seit fünf Wochen reißen die Proteste im Iran nicht ab. Zehntausende Menschen solidarisieren sich am Wochenende in Berlin mit dem Freiheitskampf. Unter ihnen ist auch ein bekannter Sozialaktivist.
Der Schriftzug "Iran" steht über dem Plakat von Teilnehmern der Großdemonstration "Solidarität mit den Protestierenden im Iran". © Paul Zinken/dpa

In Berlin sind Zehntausende Menschen aus Solidarität mit den Protesten im Iran durch das Regierungsviertel gezogen. An der Berliner Siegessäule kamen am Samstag Menschen aus weiten Teilen Europas zusammen, wie Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichteten. Nach Einschätzungen der Polizei waren am Nachmittag rund 80.000 Menschen vor Ort. Stundenlang strömten Menschenmassen aus allen Richtungen zur Demonstration.

In der Nacht und am frühen Morgen waren bereits zahlreiche Iraner aus Dutzenden Städten angereist, um die systemkritischen Proteste im Iran zu unterstützten. Dutzende Reisebusse standen entlang der Straßen, die zur Siegessäule führen. Seit fünf Wochen reißen die Proteste gegen die Islamische Republik und ihren autoritären Regierungskurs nicht ab. Die Demonstration in Berlin war friedlich, die Polizei bezeichnete sie als «überwiegend störungsfrei». Zu Beginn wurde kurz Pyrotechnik gezündet.

Prominent wurde der Slogan der Proteste «Frau, Leben, Freiheit» gerufen. Immer wieder forderten die Demonstranten den Sturz des Islamischen Regierungssystems - sie riefen «Tod Chamenei». Ali Chamenei hat im Iran als Oberster Religionsführer und Staatsoberhaupt in allen wichtigen Belangen das letzte Wort. Die landesweiten Proteste hatte Chamenei jüngst als eine Verschwörung aus dem Ausland bezeichnet.

Angemeldet hatte die Demonstration das «Woman* Life Freedom Kollektiv», das sich gegen Unterdrückung und Diskriminierung im Iran starkmachen will. Zahlreiche Organisationen unterstützten den Aufruf. Vom Großen Stern in Berlin zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch das Berliner Regierungsviertel am Tiergarten entlang.

Auslöser der Massenproteste im Iran war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie die Zwangsvorschriften für das Tragen eines Kopftuchs nicht eingehalten haben soll. Die Frau starb am 16. September in Polizeigewahrsam. Seit ihrem Tod demonstrieren im Iran Tausende gegen den repressiven Kurs sowie das islamischen Herrschaftssystem.

Auch an der iranischen Botschaft in Berlin demonstrierten am Samstag mehrere Mitglieder der Kurdischen Gemeinde mit einer Kranzniederlegung und Schweigeminute gegen das gewaltsame Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte im Iran.

Auch der bekannte iranische Aktivist Hamed Esmaeilion hatte zu der Demonstration aufgerufen. Nach dem Tod seiner Frau und Tochter tritt er bei Demonstrationen im Ausland gegen die Islamische Republik auf. Seine Familie starb bei dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine nahe Teheran im Januar 2020.

Er forderte die internationale Staatengemeinschaft auf, Verhandlungen mit dem Iran zu stoppen und Botschafter auszuweisen. «Wir alle haben Träume, und unsere Träume werden nur Wirklichkeit, wenn der Iran von den Fesseln einer islamischen Republik befreit wird», sagte der 45-Jährige, der von den Demonstranten bejubelt wurde.

© dpa
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