Union-Boss nach Ausschreitungen: Sollte uns alle wachrütteln

Die Aufarbeitungen der Fan-Ausschreitungen in Malmö wird Bundesliga-Spitzenreiter Union Berlin noch länger beschäftigen. Es besteht Klärungsbedarf mit den Fans, auch die UEFA dürfte sich einschalten.
Fans des 1. FC Union brennen Feuerwerk ab. © Matthias Koch/dpa

Präsident Dirk Zingler gab sich zuversichtlich, dass es im Rückspiel des 1. FC Union Berlin gegen Malmö FF nicht wieder zu skandalösen Vorfällen wie in Schweden kommt. Bis dahin steht für die Eisernen aber die Aufarbeitung der Ausschreitungen vom Donnerstagabend an. Zingler kündigte eine Auswertung mit «der Szene» an. Mit einem Geisterspiel zu Strafe durch die UEFA, die zunächst noch nicht Stellung genommen hat, rechnet er nicht. «Wir sind da ja noch Frischlinge, wir sind nicht vorbestraft. Aber es sollte uns alle wachrütteln.»

Dass es erneut bei einem Auswärtsspiel eines Fußball-Bundesligisten in einem europäischen Wettbewerb zu teilweise erschreckenden Bildern kam, gibt aber durchaus zu denken. Vorher hatten schon Anhänger des 1. FC Köln bei OGC Nizza und Fans von Eintracht Frankfurt bei Olympique Marseille für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

«Am Ende sind es immer wenige. Das hört sich zwar an wie eine Floskel, aber es ist die Wahrheit», meinte ZIngler mit Blick auf die Geschehnisse im Eleda Stadion von Malmö, wo die Partie der als Bundesliga-Spitzenreiter angetretenen Berliner vor dem Abbruch stand. Gut 25 Minuten hatte das Spiel geruht, die Mannschaften waren in die Kabine geschickt worden, nachdem unter anderem vor dem Gäste-Fanblock Fernsehbildern zufolge ein massiver Feuerwerkskörper explodiert war.

«Feuerwerk auf Menschen zu zielen, auf Menschen zu richten, das geht einfach zu weit», betonte Trainer Urs Fischer. «Dass eine Minderheit es einfach immer wieder hinbekommt, dass man nicht über das Spiel spricht. Da fehlen mir die Worte. Das finde ich beschämend», sagte er nach einer für ihn ohnehin schon etwas turbulenten ersten Wochenhälfte in einer gerade wichtigen Saisonphase.

Am Sonntag war er positiv aufs Coronavirus getestet worden, verfolgte das Training per Video aus der heimischen Isolation. Am Mittwoch fielen die Tests negativ aus, am Donnerstag ebenfalls, so dass er nachreisen konnte nach Malmö, wo er dann lieber uneingeschränkt den ersten Sieg des 1. FC Union in der Europa League nach zwei 0:1-Niederlagen zuvor hätte feiern wollen. Denn sportlich tut dieser Erfolg enorm gut. Die Berliner wahrten die Chancen aufs Weiterkommen und sie zeigten sich wieder gestärkt nach dem 0:2 zuletzt in der Liga in Frankfurt.

Umso unpassender nun die Vorfälle in Malmö. Am Sonntag soll es nur sportlich zugehen. Union kann die Führung in der Meisterschaft beim kriselnden VfB Stuttgart verteidigen und am kommenden Donnerstag mit einem Heimsieg gegen Malmö schon den Verbleib über die Winterzeit im internationalen Wettbewerb sichern. Tabellenplatz drei, der zur Teilnahme an der K.o-Phase der Conference League berechtigt, wäre Minimum fix. Doch wird es friedlich zugehen beim Wiedersehen mit den Schweden im Stadion An der Alten Försterei? «Ich glaube, dass wir mit so Lagen besser umgehen können», versicherte der 58-jährige Zingler. Sie seien auch darauf vorbereitet, sollten Malmö-Fans ihre Karten weitergeben.

«Wir verändern nur etwas, wenn wir tatsächlich die Schuldigen finden», betonte Zingler noch in Malmö. Er werde jetzt auch nicht anfangen, die rund 1200 mitgereisten Fans zu verurteilen. Zingler spielte aber eben auch darauf an, dass Malmö-Fans sich Leute aus der Hauptstadt eingeladen hätten - die Freundschaft unter Hertha und FF-Anhängern ist bekannt. Und im Block der Malmö-Fans tauchte am Donnerstag sogar ein Spruchband auf mit der Aufschrift: «Berlin ist Blau Weiß.» Es sind die Farben der Hertha.

Gleichzeitig hätten Union-Fans sich Leute «vom Dorf» eingeladen. Näher ging ZIngler auf diese Aussagen nicht ein. Dem Vernehmen nach seien Cottbus-Schriftzüge auf Sturmhauben zu sehen gewesen. «Wir laden uns Gäste ein, und dann müssen wir unsere Gäste auch im Griff haben», sagte Zingler.

© dpa
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