Hertha-Präsidentschaftsanwärter will Erneuerung anschieben

Präsident Gegenbauer ist bei Hertha BSC längst nicht mehr unumstritten. Bei der Mitgliederversammlung Ende Mai könnte ihm die Abwahl drohen. Ein Nachfolge-Kandidat bringt sich ins Spiel - ohne Erfahrung im Profi-Bereich, dafür mit Verbindungen in die Fan-Szene.
Lars Windhorst, Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, steht in einem Büroraum. © Christophe Gateau/dpa/Archivbild

In der Fan-Szene ist er vernetzt, die Strömungen im Verein will er zusammenführen und mit dem Investor reden: Kay Bernstein strebt das Präsidentenamt bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC an und gibt sich als Anwärter des Dialogs und der Erneuerung. Vor allem gehe es ihm und der Gruppe «WirHerthaner», die ihn unterstützt, um Inhalte, sagte der Unternehmer und Fan der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe mich nicht proaktiv dazu entschieden, Präsident von Hertha zu werden, sondern ich habe mich erstmal dazu entschieden, inhaltlich nach vorne zu gehen und zu sagen: Okay, was bräuchte es denn, um Hertha BSC ein bisschen besser zu machen?», sagte der 41-Jährige.

Vor allem die Kommunikation nach innen und außen müsse nach Ansicht des Ex-Ultras verbessert werden. Mehr Transparenz und eine bessere Außendarstellung seien nötig. «Wir müssen erst mal demütig unsere Arbeit machen und überzeugen», sagte Bernstein. Auch konkrete Vorschläge werden gemacht: Hertha solle etwa die Hälfte der Erlöse aus dem Trikot-Verkauf für soziale Projekte einsetzen. Das Sponsoring von Wettanbietern müsse überdacht werden. Zudem solle der Club noch stärker als bisher auf die eigene Jugendakademie setzen.

Bernstein könnte ein Kandidat für Fußball-Romantiker sein, dürfte aber eher Außenseiterchancen haben: Seit mehr als 25 Jahren ist er nach eigener Aussage Hertha-Fan, war führendes Mitglied der Ultra-Gruppierung Harlekins '98, Vorsänger im Block und leitet nun eine eigene Kommunikations- und Eventagentur. Es sei ihm wichtig, «dass der Verein die Leute wieder miteinander verbindet, dass ein Wirgefühl aufkommt», sagte er dem Magazin «11 Freunde».

Auf der mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung von Hertha am 29. Mai steht keine Präsidentenwahl an. Gegen den umstrittenen Präsidenten Werner Gegenbauer könnten jedoch Abwahlanträge gestellt werden, für die aber eine Dreiviertelmehrheit der anwesenden und stimmberechtigten Hertha-Mitglieder notwendig wäre. Im Falle einer Neuwahl auf einer folgenden Außerordentlichen Mitgliederversammlung würde Bernstein dann antreten wollen. Seine eigenen Chancen, Präsident zu werden, schätzt er auf «vielleicht bei 30 Prozent».

Auf einer Internetseite werden die Ideen von Bernstein und «WirHerthaner» ausführlich vorgestellt. In den kommenden Wochen wolle man zudem unter anderem beim letzten Heimspiel gegen Mainz und in Fan-Kneipen mit den Mitgliedern ins Gespräch kommen.

Dennoch stellt sich die Frage, ob jemand ohne größere Erfahrung im Profi-Bereich sich beim Führen eines Bundesliga-Vereins nicht übernehmen würde. «Die Fachkompetenz und die Expertise müssen die jeweiligen Abteilungsleiter mitbringen. Ich müsste als Präsident zusammenführen und eher eine Art Projektmanager sein, gut vermitteln», sagte Bernstein in «11 Freunde» dazu.

Vom Tagesgeschäft der Ultras ist der 41-Jährige nach eigenen Worten ganz weit weg. «Ich habe aber natürlich den Blickwinkel für ihre Ängste, für ihre Sorgen, für ihre Nöte, für ihre Anliegen. Und dann natürlich auch für die Anliegen der Oberring-Anhänger oder für die Fans auf der Gegengeraden.» Teile der Mitgliedschaft könnten sich an einem Präsidentschaftskandidaten, der mal Ultra war, aber stören. «Wir können nicht mehr tun, als sagen: Inhaltlich stehen wir da und dafür, und er ist bereit, sich aufzuopfern, da reinzugehen und das Ehrenamt auszufüllen», sagt Bernstein.

© dpa
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