Altbekannte Berliner Derby-Muster: Union demontiert Hertha

Auch das vierte Derby in Serie gewinnt Union Berlin. Und wieder zeigen die Köpenicker der Hertha die Grenzen auf. Nach dem 1:3 warten auf Herthas Sandro Schwarz schon zum Saisonstart unruhige Wochen.
Ein Fußballspieler ist am Ball. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Zumindest die Reaktion der Hertha-Anhänger unterschied sich nach der nächsten Derby-Pleite gegen Union Berlin deutlich vom letzten Mal. Wurden die Spieler nach dem 1:4 im April noch von einigen wütenden Fans zum Ausziehen ihrer Trikots aufgefordert, applaudierten sie ihrer Mannschaft diesmal. Der Auftritt der Herthaner unter ihrem neuen Trainer Sandro Schwarz beim 1:3 (0:1) in Köpenick zum Bundesliga-Auftakt am Samstag hätte dabei aber durchaus ein weiteres negatives Déjà-vu hervorrufen können.

«Ich bin sauer. Wir wollen besser spielen. Wir waren nicht da heute, wir spielen nicht unser Spiel», sagte Hertha-Keeper Oliver Christensen frustriert. «Natürlich ist es beschämend. Jeder weiß, was es bedeutet für unsere Fahne.»

Vier Derbys in Folge haben die Köpenicker nun gewonnen. Vor 22 012 Zuschauern im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei erzielten am Samstag Jordan Siebatcheu (31. Minute), Sheraldo Becker (50.) und Robin Knoche (54.) die Treffer für die Hausherren. Dodi Lukebakio traf für Hertha (85. Minute), aber zu spät.

Für die auf ganzer Linie enttäuschende Hertha war es nach dem schmerzlichen Pokal-Aus bei Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig schon die zweite Pflichtspiel-Niederlage unter Schwarz.

Beide Mannschaften zeigten altbekannte Muster aus der vergangenen Saison. Die Hertha spielte zu passiv, wirkte von der Zweikampfhärte des Gegners mitunter überfordert, fand in der Offensive keine Mittel, um gefährlich zu werden. «Sie waren in vielen, vielen Bereichen besser, griffiger, galliger», sagte Schwarz über den Gegner. «Wir haben die Kompromisslosigkeit vermissen lassen in den Zweikämpfen.»

Die Flügelspieler Lukebakio und Myziane Maolida, gegen Braunschweig noch Garanten für Torgefahr, waren fast komplett abgemeldet. «Wir haben zu wenige Laufwege in die Tiefe angeboten. Wir haben viel in die Pressingsituationen des Gegners reingespielt», sagte der 43-Jährige. In der Verteidigung fehlte der Zugriff.

Die zarte Aufbruchsstimmung bei den Blau-Weißen, sie ist in der Realität angekommen. Auf Schwarz kommt in den kommenden Wochen viel Arbeit zu. Dass er bei kniffligen Personalentscheidungen auch vor erfahrenen Spielern keinen Halt macht, zeigte er schon vor dem Spiel. Der abgesetzte Kapitän Dedryck Boyata gehörte gar nicht erst zum Kader - aus sportlichen Gründen, wie sein Trainer deutlich machte.

Das Programm wird mit Spielen gegen Frankfurt und Dortmund sowie in Mönchengladbach nicht gerade einfacher - und schon jetzt ist im Westend der Hauptstadt wieder viel Druck vorhanden.

Bei den Eisernen läuft auch nach dem erneuten Umbruch im Sommer dagegen offenbar schon wieder alles nach Plan. Drei Neuzugänge standen bei Union in der Startelf, doch die Mannschaft von Fischer funktionierte reibungslos. Mit klarer Struktur, Härte in den Zweikämpfen und schnörkellosem aber effektivem Offensivspiel. Jordan Siebatcheu, Nachfolger von Torjäger Taiwo Awoniyi, war voll integriert und traf zum dritten Mal in Folge. Der aus Freiburg gekommene Janik Haberer legte das 2:0 perfekt auf.

Kaum einmal durften die Charlottenburger einen Ball mit dem Gesicht zum Tor annehmen, immer war ein Rot-Weißer da und störte. «Die Abstände waren wirklich gut heute. Wir waren eng und standen kompakt und hatten somit immer Zugriff», sagte Union-Trainer Urs Fischer: «Wir haben defensiv wenig zugelassen. Das war das Wichtigste heute», sagte Kapitän Christopher Trimmel. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, inwieweit der Stadtrivale für Union ein Maßstab war.

© dpa
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