Schuljahr startet mit Rekord und freien Lehrerstellen

Auch das kommende Schuljahr wird kein «normales» sein, sagt die Bildungssenatorin. Und macht deutlich, wie viele Baustellen es im Berliner Schulsystem gibt.
Medizinische Masken und Schultaschen hängen in einer Schulgarderobe. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Das neue Schuljahr in Berlin startet kommende Woche mit so vielen Schülerinnen und Schülern wie noch nie. Ihre Zahl steigt an den allgemeinbildenden Schulen im Vergleich zum vergangenen Schuljahr um gut 6800 auf 383.290, wie Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) am Mittwoch mitteilte. Darunter sind 37.050 Erstklässler, 1370 mehr als vor einem Jahr. Das sei die höchste Zahl seit 2005, so Busse.

Wie schon in den Vorjahren schlägt der bundesweite Fachkräftemangel auch an den Berliner Schulen durch. Busse zufolge lag der Einstellungsbedarf bei 2645 unbefristeten Vollzeitstellen, allerdings konnten bisher nicht alle besetzt werden. Sie bezifferte die Lücke unbesetzter Stellen auf 875 - bei insgesamt mehr als 34.000 Lehrkräften. Unter den Eingestellten - zum Teil auch befristet - sind etliche Quereinsteiger, dazu Pensionäre oder Masterstudenten.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nimmt der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften in Berlin immer bedrohlichere Ausmaße an. Immer mehr neu eingestellte Lehrkräfte hätten keine abgeschlossene Lehramtsausbildung.

«Die Schulen werden nur noch zu 98 Prozent mit Personal ausgestattet», erklärte GEW-Landeschef Tom Erdmann. «Das ist bildungspolitisch eine Katastrophe, die die Bildungschancen einer ganzen Generation gefährdet.» Ohne den engagierten Einsatz der Lehrkräfte würde «der ganze Laden zusammenbrechen», beklagte Erdmann.

Die Schüler ab Klasse 2 legen nach den Sommerferien am kommenden Montag los. Für die Erstklässler beginnt das Abenteuer Schule am 27. August mit der Einschulung, am 29. August startet dann ihr Unterricht.

Ein Gutteil des Zuwachses an Schülern ist auf Geflüchtete aus der Ukraine zurückzuführen. Für das neue Schuljahr meldeten sich nach Angaben von Busse rund 1000 für den Schulbesuch an. Um die 5000 Schüler aus der Ukraine lernten bereits vor den Sommerferien an Berliner Schulen, darunter knapp 3000 in sogenannten Willkommensklassen.

Wie Busse in dem Zusammenhang weiter mitteilte, soll an drei Standorten eine deutsche-ukrainische Begegnungsschule entstehen. Dort sollen Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine auch in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Laut Busse war das ein Wunsch des ukrainischen Bildungsministeriums. Fernziel ist nach den Worten von Busses Staatssekretär Alexander Slotty die Gründung einer Europaschule. Ein solches Projekt brauche aber Zeit.

Die Corona-Pandemie bleibt laut Busse Thema. Beibehalten wird das schon vor den Sommerferien praktizierte freiwillige Testen für Schüler und Personal zweimal in der Schule und einmal am Wochenende. Für das Wochenende vor dem Schulstart sind die Schüler gebeten, am Samstag- und am Sonntagabend je einen Selbsttest zu Hause durchzuführen, damit eine mögliche Infektion frühzeitig vor dem Besuch der Schule am Montag aufgedeckt werden kann. Alle Schüler haben dazu zwei Selbsttests aus dem Bestand der Schule bekommen. Insgesamt hat das Land 27 Millionen Corona-Tests eingelagert, das reicht zunächst bis zum Jahresende.

«Flächendeckende Schulschließungen wollen wir in diesem Schuljahr nicht zulassen, dafür werde ich mich mit Nachdruck einsetzen», sagte Busse. Slotty ergänzte, dass im Moment keine Veranlassung für eine Testpflicht an Schulen bestehe. Man behalte sich das Instrument aber ebenso vor wie eine Maskenpflicht zumindest ab Klasse 5 - je nach Verlauf der Pandemie. Die neuen Infektionsschutzregeln des Bundes erlaubten den Ländern das ab Oktober.

Vor dem Hintergrund der Energiekrise wies Busse darauf hin, dass in Kitas und Grundschulen die Raumtemperaturen nicht gesenkt werden. «Und auch den weiterführenden Schulen ist mit Augenmaß vorzugehen.» Die wegen Corona angeschafften 23.000 Luftfiltergeräte würden dann eingesetzt, wenn es nötig sei. Gesundheitsschutz gehe vor Energiesparen.

Wie Slotty ergänzte, wurden im Rahmen der 2016 begonnenen Schulbauoffensive bislang 25.000 Schulplätze geschaffen und 2,9 Milliarden Euro ausgegeben. In den kommenden Jahren werde sich die Neubautätigkeit weiter steigern. Geplant sei, bis zum Schuljahr 2026/27 gut 31.200 zusätzliche Plätze zu schaffen.

© dpa
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