300.000 Schüler starten ohne Masken in den Unterricht

Die Zahl der Schüler in Brandenburg wächst - nicht zuletzt wegen der Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine. Für die Schulämter war es auch vorher schon eine Herausforderung, genügend Lehrkräfte zu finden. Ohne Seiteneinsteiger geht es auch weiterhin nicht.
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Nach gut sechs Wochen Sommerferien beginnt für 303.000 Schülerinnen und Schüler in Brandenburg am Montag wieder der Unterricht. Darunter seien auch mindestens 4500 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine, teilte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag bei ihrem Ausblick auf das neue Schuljahr mit. Dies sind deutlich mehr Schüler als in den Vorjahren.

Unbefristet neu eingestellt wurden 1322 Lehrkräfte, darunter 387 Seiteneinsteiger. Zudem erhielten 108 Pädagogen aus der Ukraine eine befristete Anstellung. Insgesamt wurden 1000 Lehrkräfte zusätzlich befristet eingestellt. Damit seien ausreichend neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden, sagte Ernst.

Corona-Maßnahmen: Im kommenden Schuljahr soll es an den Schulen laut Ernst so viel Normalität wie möglich geben. Der Unterricht werde in Präsenz erteilt, eine Maskenpflicht gibt es nicht. Es stehe auch nicht im Ermessen der Schulen, eine Maskenpflicht oder Wechselunterricht anzuordnen. Lediglich in der kommenden ersten Woche nach den Ferien gilt für alle nicht immunisierten Lehrkräfte, Schüler und andere Mitarbeiter an den Schulen eine dreimalige Testpflicht auf das Coronavirus.

Schüler: Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen: Während es im Schuljahr 2018/2019 noch knapp 288.000 Schüler waren, sind es inzwischen 303.000. Rund 24.000 Erstklässler werden mit Schuljahresbeginn am Montag neu eingeschult. Vergangenes Jahr waren es rund 1000 weniger.

Lehrkräfte: Die Zahl der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen wuchs im selben Zeitraum von 20.264 auf 21.500. Hinzu kamen im vergangenen Schuljahr rund 5000 an Schulen in freier Trägerschaft. 1188 Lehrerinnen und Lehrer sind nach Angaben des Ministeriums ausgeschieden, auch wegen Pensionierung. Bei den neu eingestellten Pädagogen liegt das Durchschnittsalter bei knapp 38 Jahren.

Weiterhin geht es nicht ohne viele Seiteneinsteiger: Deren Anteil liegt bei den Neueinstellungen bei 30,1 Prozent, nach 20,9 Prozent im Vorjahr und mehr als 32 Prozent in den Jahren 2020 und 2019.

Schulen: Die Zahl der Schulen blieb mit 930 weitgehend stabil, gegenüber dem Vorjahr kamen 7 hinzu. 742 Schulen sind in öffentlicher und 188 in freier Trägerschaft; 6 öffentliche Schulen und 3 Schulen in freier Trägerschaft wurden zum neuen Schuljahr neu errichtet.

Ukrainische Schüler: Für alle Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine, die in Brandenburg leben, gilt vom neuen Schuljahr an die Schulpflicht. Im vergangenen Jahr habe man noch toleriert, dass Jugendliche per Internet ihren Abschluss mit der heimischen Schule gemacht hätten, berichtete Ernst. Nun müssten jedoch alle in den Präsenzunterricht. Wie viele Schüler kommen, wisse man erst nach Beginn des Schuljahrs. Vor den Sommerferien waren rund 4500 ukrainische Kinder und Jugendliche an Brandenburger Schulen gemeldet.

Aufholen nach Corona: Im August soll zunächst mit Lernstands-Erhebungen das Wissen bei den Schülern festgestellt werden, um eine individuell angepasste Förderung zu ermöglichen. Zum Aufholen von Lernrückständen und Stärkung der Sozialkompetenz wird das Programm «Aufholen nach Corona» mit außerschulischen Angeboten fortgesetzt. Dafür stehen pro Schule zwischen 13.500 Euro und 24.000 Euro zur Verfügung.

Die Linksfraktion im Brandenburger Landtag warf der Ministerin schwere Versäumnisse vor. Es gebe zu wenig Lehrkräfte und weiter zu viele Seiteneinsteiger, kritisierte deren bildungspolitische Sprecherin, Kathrin Dannenberg. Hinzu kämen höhere Kosten für Schul-Essen und -Material. «Angesichts dieser und weiterer Verteuerungen werden viele Eltern vor riesige Probleme gestellt, besonders Alleinstehende und Geringverdiener sowie Familien mit mittleren Einkommen», sagte sie. Dannenberg forderte, die Mittel für den Schulsozialfonds zu erhöhen, um damit unbürokratisch zu helfen.

© dpa
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