Protest in Berlin: 10.000 Teilnehmer bei AfD-Demonstration

Die AfD ruft zur Demonstration in Berlin auf. In Zeiten von Inflation und explodierenden Energiepreisen versammeln sich deutlich mehr Teilnehmer als erwartet. Beim Gegenprotest ist das anders.
Demonstranten nehmen an einer Demonstration der AfD teil. © Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Angemeldet waren 4000, am Ende waren es mehr als doppelt so viele: Bei der Berliner AfD-Demonstration gegen die Politik der Bundesregierung sind nach Polizeiangaben am Samstag rund 10.000 Demonstranten auf die Straße gegangen. Die gleiche Größenordnung nannte ein Sprecher der Partei, die bundesweit zur Teilnahme aufgerufen hatte, unter dem Motto «Energiesicherheit und Schutz vor Inflation - Unser Land zuerst» zu protestieren.

Die elf Gegendemonstrationen fielen dagegen kleiner als erwartet aus. Der Polizei zufolge nahmen insgesamt rund 1400 Menschen daran teil. Im Zusammenhang mit sämtlichen Kundgebungen und Protestaktionen wurden nach Angaben der Polizei 31 Personen festgenommen. Es gab 25 Strafermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts des Raubes, der Körperverletzung, der gefährlichen Körperverletzung, der Beleidigung und nach dem Zeigen des sogenannten Hitlergrußes, wie die Berliner Polizei am Sonntag Bilanz zog.

Schon am frühen Nachmittag versammelten sich Tausende von Demonstranten, die dem Aufruf der AfD gefolgt waren, am Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude und zogen anschließend durch die Innenstadt. Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla sprach sich bei der Auftaktkundgebung gegen eine Gaspreisbremse und für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland aus. «Schluss mit dieser Sanktionspolitik», forderte er. «Der Gaspreis wird wieder normal, wenn wir günstiges Gas aus Russland beziehen.»

Die Bundesregierung mache keine Politik für die Bürger. «Vor allem die Grünen wollen, dass unser Land arm und schwach wird», sagte Chrupalla unter dem Beifall der Zuhörer. «Wir müssen nicht den Gaspreis bremsen, wir müssen die Grünen bremsen.»

«Bundeswirtschaftsminister (Robert) Habeck hat Russland den Wirtschaftskrieg erklärt», sagte er. In Wirklichkeit führe Habeck diesen Krieg gegen die Bevölkerung. Habeck müsse weg, forderte der AfD-Vorsitzende, woraufhin zahlreiche Zuhörer lautstark «Habeck weg» skandierten.

Bei der Kundgebung waren etliche Deutschlandfahnen zu sehen, zum Teil mit dem Schriftzug «Wir sind das Volk», aber auch Russlandfahnen, Reichsfahnen oder solchen mit der Friedenstaube. Viele Teilnehmer hatten Plakate dabei, etwa mit Forderungen wie «Habeck das Gas abdrehen», «Politischen Wahnsinn beenden» oder der Botschaft: «Ja zur Kernkraft» und häufig mit dem AfD-Motto der Versammlung «Unser Land zuerst».

Allein zur größten Gegendemonstration der Initiative «Aufstehen gegen Rassismus» und des Bündnisses für ein weltoffenes und tolerantes Berlin hatten die Veranstalter 2500 Menschen angemeldet. Die Organisatoren warfen der AfD vor, die steigenden Kosten für Lebensmittel und Energie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Gegendemonstranten der Antifaschistischen Aktion zeigten den Teilnehmern des AfD-Aufzugs buchstäblich den Mittelfinger. In der Friedrichstraße regnete zudem aus dem Fenster eines Gebäudes Konfetti aus geschredderten AfD-Flyern auf die Demo-Teilnehmer. Am Brandenburger Tor stellten sich Gegendemonstranten der Kulturinitiative «Die Vielen» mit glänzend bunten Fahnen auf.

Die Bundesgeschäftsführerin von «Aufstehen gegen Rassismus», Irmgard Wurdack, schätzte die Teilnehmer der gemeinsamen Gegendemonstration an der Reichstagswiese auf bis zu 1000 Menschen ein. Bei allen Gegendemonstrationen zusammen seien es aber deutlich mehr gewesen.

«Wir verstehen, dass Menschen in diesen Zeiten Sorgen haben», sagte Wurdack. «Es macht aber keinen Sinn, die Schwächsten der Schwachen gegeneinander auszuspielen.» Zum AfD-Slogan «Deutschland zuerst» sagte sie: «Die sozialen Rechte aller zählen.» Ausgrenzung helfe nicht weiter.

Nach Angaben der Polizei waren rund 1900 Einsatzkräfte im Dienst. Insgesamt habe es kaum Zwischenfälle gegeben. Zu den Ausnahmen gehörte ein Angriff auf ein Filmteam. Es sei zu einer Rangelei mit Demonstranten gekommen, sagte die Sprecherin am Samstag.

Teilnehmer zweier Gegenkundgebungen im Spreebogenpark und an der Heinrich-von-Gagern-Straße versuchten nach Polizeiangaben mehrfach, durch die Absperrungen zu gelangen, um die AfD-Kundgebung auf dem Platz der Republik zu stören.

Beim AfD-Demonstrationszug haben Gegendemonstranten außerdem versucht, deren Weg zu blockieren. Den Einsatzkräften ist es der Polizei zufolge gelungen, das zu verhindern. Auf dem Pariser Platz sei es später zu Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern der AfD-Veranstaltung und anderen gekommen, die dagegen protestiert hatten.

© dpa
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