Falscher Polizist bringt Senioren um 1,5 Millionen Euro

Als «Kommissar Dietrich vom Raubdezernat» soll ein Heranwachsender binnen 14 Monaten Senioren um ein Vermögen im Wert von knapp 1,5 Millionen Euro gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft Berlin geht von 93 Fällen aus und hat den inzwischen 21-Jährigen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie Amtsanmaßung angeklagt, wie ein Sprecher am Donnerstag mitteilte. Der Mann soll für eine aus der Türkei agierende Bande vor allem als «Keiler» agiert haben. So nennen Ermittler Anrufer, die sich am Telefon als Polizist ausgeben und Senioren rhetorisch gewandt ins Gespräch verwickeln, um herauszubekommen, ob sie Geld oder Wertgegenstände besitzen.
Eine Polizistin steht vor einem Streifenwagen. © David Inderlied/dpa/Illustration

Im vorliegenden Fall soll der Beschuldigte in der Zeit vom 4. August 2020 bis 4. Oktober 2021 ältere Menschen von Berlin aus kontaktiert haben. Die betrügerischen Anrufe erfolgten laut Staatsanwaltschaft unter Verschleierung der echten Rufnummern (sogenanntes Spoofing), teils wurde stattdessen die Nummer des Notrufs 110 angezeigt. Bei Kontrollgegenanrufen seien die Geschädigten wohl bei Mitgliedern der Bande gelandet.

Trickreich wurden die Senioren laut Staatsanwaltschaft überzeugt, Geld oder Schmuck an Abholer zu übergeben - in der Annahme, diese seien bei der Polizei vor Räubern oder korrupten Bankmitarbeitern sicher. Tatsächlich wurde das Vermögen meist in die Türkei geschafft.

Der 21-Jährige befindet sich nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft. Er sei im Zusammenhang mit umfangreichen Ermittlungen aufgeflogen, zu denen die Überwachung von Telefonen gehört habe.

Bundesweit gibt es zahlreiche Fälle, bei denen falsche Polizisten Senioren um ihr Vermögen gebracht haben. Am Mittwoch hatte das Polizeipräsidium München mitgeteilt, dass 67 Männer und Frauen wegen organisierten Callcenter-Betrugs in der türkischen Stadt Izmir zu teils hohen Haftstrafen verurteilt worden seien. Die international agierende Bande soll insbesondere Senioren in Baden-Württemberg und Bayern ausgenommen haben. Ob der Berliner Fall damit zusammenhängt, konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft zunächst nicht sagen.

© dpa
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