Berliner Schülerin getötet: Lebenslange Haft wegen Mordes

Eine 15-Jährige wird in ein Gebüsch gezerrt, vergewaltigt und erwürgt. Der Täter erhält lebenslang. Doch er akzeptiert die Strafe nicht - und es kommt erneut zum Prozess. Zentrale Frage: Ist der Mann schuldfähig?
Akten liegen vor einem Prozess in einem Landgericht auf dem Tisch. © Swen Pförtner/dpa/Symbolbild

Die Mutter und die Schwester seines Opfers saßen ihm auch in diesem Prozess gegenüber: Nach der Tötung einer 15-jährigen Berliner Schülerin bleibt es bei lebenslanger Haft für den Täter. Das Berliner Landgericht hat den 43-Jährigen am Freitag in einem neu aufgelegten Verfahren des Mordes und der Vergewaltigung schuldig gesprochen. Die Richter sahen «keine Anzeichen» für eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit. Mit Gewalt habe er auf einer Brache an der Rummelsburger Bucht sein sexuelles Verlangen durchgesetzt und das Mädchen zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs ermordet.

Der deutsche Angeklagte war bereits im März 2021 wegen Mordes und Vergewaltigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das Urteil auf Revision des Angeklagten teilweise aufgehoben und eine neue Verhandlung vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts angeordnet. Zentrale Frage war nun die Schuldfähigkeit des Angeklagten, der bereits nach einer Vergewaltigung von 2001 bis 2014 im sogenannten Maßregelvollzug untergebracht war. Es war eine zufällige und verhängnisvolle Begegnung. Die Schülerin kam in der Nacht zum 5. August 2020 von einem Treffen mit Freundinnen. Sie hatten einen Geburtstag gefeiert, auch Alkohol getrunken. Auf dem S-Bahnhof Ostkreuz traf das Mädchen auf den Angeklagten, der ihr fremd war. Nach einem Gespräch seien beide zu einer Brache gegangen, hieß es im Urteil. Der Mann habe zuvor angeboten, gemeinsam Speed zu konsumieren. Nachdem sie einen etwa zwei Meter hohen Zaun überklettert hatten, habe der Angeklagte die Schülerin angegriffen und schließlich erwürgt.

Auch die 29. Große Strafkammer hatte keine Zweifel an der vollen Schuldfähigkeit des Angeklagten. Weder seine Alkoholisierung zur Tatzeit, noch vorliegende Defizite des Mannes, bei dem verschiedene psychiatrische Gutachter Dissozialität festgestellt hätten, würden zu einer erheblichen Verringerung seiner Schuldfähigkeit führen. «Er konnte seine Affekte kontrollieren», sagte der Vorsitzende Richter weiter. Nach der Tat habe er die Leiche mit Erde bedeckt, das Handy des Mädchens ausgeschaltet, ihre Tasche versteckt.

Die Richter im ersten Urteil waren vom Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht und nicht von einem Sexualmord ausgegangen. Ein Würgen zähle zu den bevorzugten Sexualpraktiken des Angeklagten - «zu seiner sexuellen Befriedigung hat er die Schülerin weiter gewürgt - mindestens drei Minuten ununterbrochen», begründete nun das Gericht.

Der Angeklagte ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten. In einem Verfahren wegen Vergewaltigung einer 68 Jahre alten Frau war er 2001 wegen Schuldunfähigkeit aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung freigesprochen, aber in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden. Der Mann sei 2014 «trotz weiterer negativer Prognosen» entlassen worden, hieß es im aktuellen Urteil. Eine Psychiaterin hatte im Verfahren erklärt, der Mann besitze die Fähigkeit, «zu manipulieren und zu täuschen».

Die Staatsanwaltschaft hatte auf lebenslange Haft plädiert. Die Verteidiger sprachen sich für eine Unterbringung ihres Mandanten im Maßregelvollzug aus. Seine Schuldfähigkeit sei erheblich eingeschränkt gewesen, argumentierten sie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

© dpa
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