Prozess startet: Mord im Streit um Sorgerecht für Kinder?

Ein Vater kämpft nach dem Tod seiner Partnerin um die beiden gemeinsamen Kinder. Wenige Tage vor einem Termin beim Familiengericht in Bonn wird der Mann in Berlin erschossen. Sein Schwager steht nun vor Gericht.
Eine Statue der Justitia hält eine Waagschale. © Stefan Puchner/dpa/Symbolbild

Ein Streit um das Sorgerecht für zwei kleine Jungen, deren Mutter an einer Herzerkrankung verstorben war, endete aus Sicht der Ermittler mit tödlichen Schüssen auf den Vater. Als mutmaßlicher Mörder steht seit Freitag ein 32 Jahre alter Onkel der beiden Kinder vor dem Berliner Landgericht. Einer seiner Anwälte kündigte nach Verlesung der Anklage an, dass sich sein Mandant zu einem späteren Zeitpunkt äußern werde. 

Der Hauptangeklagte soll seinen Schwager wenige Tage vor einem Termin beim Familiengericht in Bonn getötet haben. Die Anklage gegen den Mann mit libanesischer Staatsangehörigkeit lautet auf Mord sowie Raub mit Todesfolge. Er soll im November 2021 mit einem mitangeklagten 39-Jährigen und dessen Freundin vom Rheinland nach Berlin gefahren sein. Plan des Hauptangeklagten sei gewesen, den Schwager zu berauben und zu erschießen, so die Anklage. Heimtücke, Habgier, niedrige Beweggründe und die Ermöglichung einer Straftat sind die Mordmerkmale, von denen die Anklage ausgeht.

Vor der Tat war laut Ermittlungen ein Streit entbrannt um das Sorgerecht für die beiden damals zwei und drei Jahre alten Neffen des Hauptangeklagten. Deren Mutter war einige Monate zuvor plötzlich an einer Herzerkrankung gestorben. Ihre Familie habe dafür die Schuld bei ihrem Partner, dem Vater der Jungen gesucht. Ihm sei das Sorgerecht zugesprochen worden. Das habe der Hauptangeklagte nicht hinnehmen wollen. Zudem habe er Unterlagen und Geld erbeuten sowie den Tod seiner Schwester rächen wollen.

Der 32-Jährige und der mitangeklagte 39-Jährige sollen das Opfer in dessen Wohnung in Berlin-Wedding überfallen haben. Durch gezielte Schüsse habe der Hauptangeklagte seinen Schwager getötet, so die Anklage. Sein 39-jähriger Komplize soll unterdessen in der Wohnung nach Unterlagen zu dem Sorgerechtsstreit - darunter Geburtsurkunden der Kinder und eine islamische Eheurkunde - sowie nach Bargeld gesucht haben. Dem Mittäter wird Raub mit Todesfolge zur Last gelegt. Der 24-jährigen Freundin des Komplizen, die als Fahrerin fungiert haben soll, wird Beihilfe vorgeworfen. 

Der 39-jährige Angeklagte hatte gegenüber der Polizei umfassend ausgesagt – mit seinen damals auf Video aufgezeichneten Angaben begann nun die Beweisaufnahme. Der gelernte Kfz-Mechatroniker schilderte, dass er mit dem 32-Jährigen nach Berlin gefahren sei. Dieser habe ihm gesagt, er wolle bei seinem Schwager «Sachen und Geld abholen». In der Wohnung habe der 32-Jährige eine Pistole gezogen, Geld verlangt und dann auf den Schwager geschossen. «Ich wusste nicht, dass es so geplant war», gab der 39-Jährige damals zu Protokoll. Drei Schüsse habe der 32-Jährige abgefeuert.  

Einer der beiden Anwälte des 39-Jährigen hatte zu Prozessbeginn in einer Verteidigererklärung die Anklage im Fall seines Mandanten als «nicht schlüssig» bezeichnet. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass der 39-Jährige von der Waffe gewusst habe - «er wusste nicht, dass es zur Tötung kommen sollte», so der Anwalt. Auch ein Anwalt der 24-Jährigen, einer Studentin, sagte in einer Verteidigererklärung, die Anklage erscheine im Fall der Frau als «spekulativ».

Für den Prozess gegen die drei inhaftierten Angeklagten sind 24 weitere Verhandlungstage bis Anfang Dezember vorgesehen. Die Verhandlung wird am 13. September fortgesetzt.

© dpa
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