Neues Schuljahr: SPD fordert Reduzierung der Stundentafel

In Berlin ist die Schule wieder losgegangen. Und viele Probleme aus dem vergangenen Schuljahr bestehen im neuen Schuljahr fort. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel hat die SPD einen neuen Vorschlag.
Marcel Hopp (SPD). © Britta Pedersen/dpa/Archivbild

Nach rund sechseinhalb Wochen Sommerferien hat am Montag in Berlin das neue Schuljahr begonnen. Einmal mehr wird es kein normales werden, denn die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden - es gibt an den Schulen weiterhin das Angebot freiwilliger Tests. Außerdem müssen die Schulen Energie sparen. Auch immer mehr Schüler aus ukrainischen Flüchtlingsfamilien drücken die Schulbank.

Wie in den Vorjahren schlägt der bundesweite Fachkräftemangel erneut an Berlins Schulen durch. Nach Angaben der Bildungsverwaltung lag der Einstellungsbedarf bei 2645 unbefristeten Vollzeitstellen, allerdings konnten bisher nicht alle besetzt werden.

Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) bezifferte die Lücke unbesetzter Stellen vor einigen Tagen auf 875 - bei insgesamt mehr als 34.000 Lehrkräften. Etliche der neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrer sind Quereinsteiger ohne Lehramtsstudium.

SPD-Bildungsexperte Marcel Hopp forderte angesichts des anhaltenden Lehrkräftemangels Kürzungen bei der sogenannten Stundentafel, die festlegt, wie viele Stunden in welchem Fach unterrichtet werden. Die Rückkehr zur Verbeamtung in Berlin werde zwar einen positiven Effekt haben, sagte Hopp der Deutschen Presse-Agentur. Der Lehrkräftemangel werde in den nächsten Jahren aber bleiben.

«Ich sehe mit Sorge, dass die Unterrichtsbelastung für Schüler, insbesondere in weiterführenden Schulen, hoch ist. Und wir wissen aus der Lernpsychologie, dass sich zu viel Fachunterricht negativ auf nachhaltige Lernprozesse auswirkt.» Gleichzeitig verdränge der Fachunterricht zunehmend den qualitativen Ganztag, der auch wichtig für ganzheitliches Lernen sei, sagte Hopp.

«Man kann durchaus an einigen Fächern behutsam reduzieren oder die Situation nutzen, um beispielsweise im Bereich Gesellschaftswissenschaft mit Geschichte, Politik, Ethik und Geografie fächerübergreifend zu arbeiten. Das ist das Gleiche im naturwissenschaftlichen Bereich mit Physik, Chemie, Bio und Mathe, man muss das nicht alles getrennt voneinander unterrichten.» Die Diskussion darüber müsse auch mit Eltern und Schülern geführt werden.

Im neuen Schuljahr lernen in den Berliner Schulen so viele Schülerinnen und Schülern wie noch nie. Ihre Zahl stieg an den allgemeinbildenden Schulen im Vergleich zum vergangenen Schuljahr um gut 6800 auf 383.290, so die Bildungsverwaltung.

Nicht alle legten am Montag los: Für die Erstklässler beginnt das Abenteuer Schule am 27. August mit der Einschulung, am 29. August startet dann ihr Unterricht. 37.050 Abc-Schützen sind an den Schulen angemeldet, 1370 mehr als vor einem Jahr. Laut Bildungsverwaltung ist das die höchste Zahl seit 2005.

© dpa
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